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  • »Joey« ist der Autor dieses Themas

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13.11.2008, 19:44

Sri Lanka, die Perle des Indischen Ozeans III

Ihr werdet Euch vielleicht wundern, daß ich diesen Teil des Berichts mit Sri Lanka... III überschrieben habe. Der Grund dafür ist, daß yaWo eine solch informative Ergänzung hinzugefügt hat, die ich in der Nomenklatur nicht unterschlagen möchte und daher als Teil II ansehe. YaWo, ich hoffe, Du bist damit einverstanden, meinen herzlichen Dank dafür!

Die Zahl der Sehenswürdigkeiten in Sri Lanka ist wirklich so groß, daß man locker einen kompletten Reiseführer damit füllen könnte. YaWo hat Euch mit Polonnaruva, Worlds End, Kataragama, Trincomalee u.a. einige sehr interessante Plätze genannt. Ich möchte hier nur ergänzend anführen, daß die Ostküste z.B. Trincomalee schon seit einigen Jahren ein No go für Touristen ist. Ich bedauere das sehr und, obwohl ich normalerweise den Reisehinweisen des Auswärtigen Amtes keine übertriebene Aufmerksamkeit widme, habe ich die Gefahren durch Anschläge der Tamil Tigers (fast) am eigenen Leibe zu spüren bekommen. Doch dazu gleich mehr. Vorher möchte ich noch ein Bildchen einstellen, das den Bericht von yaWo (wie ich hoffe) ergänzt. So sehen die Sadhus aus, die yaWo so eindrucksvoll beschrieben hat (hier jedoch aufgenommen in Langkawi, Malaysia).



Wild East

Die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) sind eine paramilitärische Organisation und eine politische Partei. In den von ihnen kontrollierten Gebieten auf Sri Lanka üben sie allein die Staatsgewalt aus. Die LTTE kämpft im Bürgerkrieg in Sri Lanka für die Unabhängigkeit des von Tamilen dominierten Nordens und Ostens Sri Lankas vom Rest der Insel, in dem mehrheitlich Singhalesen leben. Vor ein paar Jahren war ich in Galle, dem südwestlichen Verwaltungszentrum Sri Lankas. Galles Altstadt und das niederländische Fort gehören zum Weltkulturerbe der UNESCO. In der Festung (sie ist die größte europäische Festung in Asien und umschließt einen ganzen Stadtteil) war an diesem Tag eine große Zeremonie des Militärs geplant, nämlich die Entlassung von Offiziersanwärtern und ihre Ernennung zu Offizieren. Hierzu war alles eingeladen, was in Sri Lankas Süden Rang und Namen hat.


Die Tamil Tigers hatten Wind von der Sache bekommen und schickten aus dem Nordosten einen Kleinlastwagen mit einer halben Tonne Sprengstoff nach Galle, verborgen unter einer dicken Lage Holz, um dem Fest ihren Tribut zu zollen. Um die Aufdeckung des Anschlags bei einer Polizeikontrolle durch übergroße Nervosität der Fahrer zu verhindern, hatte man denen nichts von ihrer brisanten Fracht erzählt. Die Zündung der Bombe sollte per Zeitzünder erfolgen. Man hatte den Fahrern nur eingeschärft, zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt in der Zitadelle zu sein, auszusteigen und den Lkw stehen zu lassen. So weit so gut, pardon...so schlecht!

Es gab nur ein Problem: Man hatte auf seiten der LTTE nicht mit dem Sri Lankischen Feierabendverkehr gerechnet! Der ist vergleichbar mit dem auf dem Kölner Ring um 16:35 Uhr Richtung Vorgebirge. Will heißen: Hier geht nix mehr! Der Lkw schaffte es also nicht rechtzeitig in das Fort zu kommen und bei einem der vielen Stops auf der Straße von Matare nach Galle gab es einen gewaltigen Knall, den man kilometerweit hören konnte. Bedauernswerterweise hat es einige der Verkehrsteilnehmer das Leben gekostet. Es wäre jedoch nicht auszudenken gewesen, was passiert wäre, hätte der Lkw es bis in die Festung geschafft, die bis zum Bersten mit einheimischen Zivilisten, Offiziellen, Soldaten und Touristen gefüllt war.

Fazit: Geht größeren Menschenansammlungen aus dem Wege und erkundigt Euch vor Ausflügen bei Einheimischen, wie der Stand der Dinge im Osten und Südosten ist!



Hikkaduwa
Für Hikkaduwa bedarf es eines eigenen Kapitels. Hikkaduwa ist ein kleiner Küstenort im Südwesten Sri Lankas, ca, 100km südlich von Colombo, ca. 20km nördlich von Galle. Der Ort liegt an der Bahnstrecke Colombo - Galle - Matare. In den 70er Jahren wurde H durch die Back-Packer entdeckt. Tausende junger Leute kamen dorthin und lebten unter den Einheimischen, mit und teilweise von den Einheimischen. Die ungeheuere Gastfreundlichkeit der Menschen zog immer mehr "Hippies" an, sodaß Hikkaduwa vom "Geheimtipp" zum "must" wurde. Ich selbst habe es im Jahre 1973 mit dem Auto versucht, von Deutschland, über Österreich, Jugoslawien, Bulgarien, Türkei, Anatolien (muß man gesondert erwähnen!), Iran, Afghanistan, Pakistan, Indien dort hin zu kommen. Hab´s leider nicht geschafft... An der afghanischen Grenze ging uns das Geld für Sprit aus und wir mussten umdisponieren. Habe diesen Ort jedoch nie aus dem Kopf bekommen und so bin ich 20 Jahre später 4 x dort hingeflogen. In den 90ern war H sicher kein Geheimtipp mehr. Touristen hatten diese Perle an der Südwestküste für ihre Badeurlaube entdeckt, einige Hotels standen schon dort, wo zuvor die Rucksacktouristen am Strand geschlafen hatten und der Ort hatte einen gewaltigen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt. ABER.... was man kaum für möglich halten sollte, er hatte sich nicht "verbiegen" lassen! Hikkaduwa war immer noch ein Ort für Individualisten, ein Ort der Begegnung mit Menschen, die Land und LEUTE kennenlernen und sich nicht den ganzen Tag in der Sonne braten lassen und abends am Ballermann vollaufen (Deutsche RECHTschreibung!) lassen wollten. Einen großen Anteil an diesem Erfolg hatten die oft gescholtenen Hippies, die sich -nun auch wie ich in die Jahre gekommen- in H etabliert hatten und bezaubernde kleine Strandrestaurants und -kneipen, in einem äußerst kreativen, witzigen Baustil (natürlich aus Holz!), ans Wasser gebaut hatten. Hier konnte man die Seele und die Füße im Wasser baumeln lassen.
Unterkünfte gab es für jeden Geldbeutel, das Essen war für unsere Verhältnisse spottbillig: 5 DM für ein Prawns Curry, 12 DM für ne halbe Languste in den kleinen Garküchen und restaurants der Einheimischen. Easy going war angesagt und es hat manchen noch in den 90ern aus den Fundamenten seines ach so festgefügten Lebens in der Zivilisation gerissen. Habe dort sehr viele wirklich nette Leute kennengelernt, Einheimische wie Deutsche. Unter Letzteren findet man viele Aussteiger, die einfach dort geblieben sind und sich dort handwerklich betätigen, bis zu Kleinunternehmern, die kleine Fabriken gegründet haben.

Hier noch ein Nostalgiephoto von meinem Lieblingsplatz vor dem "Drunken Monkey". Ich bin sicher, daß meine Lieblingspalme (da lagen abends die Mädels für die Sonnenuntergangsphotos drauf *ggg*) nicht mehr steht. Warum? Lest weiter, aber holt die Taschentücher raus!




Am 26. Dezember 2004 wurde Hikkaduwa durch den Tsunami fast vollständig zerstört. Der Zug von Colombo nach Galle, mit 2000 Personen besetzt, wurde hier von der Riesenwelle getroffen. In ihm fanden ca. 1800 Menschen den Tod. Man schätzt, das die Welle auf der Galle Road (Hauptstraße) eine Höhe von fast 7m hatte, die die kleine einheimische "Shopping mall" (einstöckig aus Holz, ein paar Steinen und Wellblech gebaut) hat unter sich verschwinden lassen. Mit ihr ca. 300 Menschen. In ganz Sri Lanka beklagte man (geschätzte) 250.000 Tote. Hier ein Photo von der Galle Road in Hikkaduwa kurz nach dem Tsunami.



Ein weltweit groß angelegtes Hilfsprogramm hat in der Folgezeit geholfen, die immensen materiellen Schäden zu ersetzen. Was unersetzlich bleibt, sind die Verluste an Menschen. Freunde, die man in den Jahren gewonnen hatte und die an diesem Tag ihr Leben verloren. Wir wollen aber wieder nach vorne blicken und hoffen, daß das in der Folgezeit entwickelte Tsunami-Schutzprogramm seine Erfolge zeitigt. Die Aufbauarbeiten sind zwischenzeitlich abgeschlossen. Die Hotels sind wieder offen und einige der "alten" Freunde aus vergangenen Tagen sind wieder "am Start". Wer einen völlig entspannten Urlaub machen möchte, in einer wundervollen tropischen Umgebung, mit unkomplizierten, gastfreundlichen Menschen, fernab der Zwänge des Alltags und das ganze auch noch zu absolut "reasonable prices", DEM empfehle ich Sri Lanka ohne Einschränkung! Manno, wir lassen uns doch von so´n paar durchgeknallten Bombenlegern nicht vorschreiben, wo und wo wir nicht aufkreuzen, oderrrr???
Hier muß ich wieder unterbrechen, ich fürchte, die 10.000 Zeichen werden gleich überschritten. Teil IV folgt.

Ciao

Joey

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13.11.2008, 20:20

Sri Lanka

Joey hat ja ganz gut auf die Bürgerkreigsproblematik in Sri Lanka hingewiesen. Richtig ist, dass der Bürgerkrieg hauptsächlich im Norden stattfindet, aber den Tamil Tigers gelingt es immer wieder, Sprengstoffanschläge in der Hauptstadt Colombo oder im Süden des Landes durch zu führen. Nach den Zerstörungen durch den Tsunami wurde ein Waffenstillstand geschlossen, der aber nach Luftangriffen der ceylonesischen Armee im November 2007 schließlich im Januar 2008 offiziell von der Regierung annulliert wurde.
Eine ausführliche Beschreibung findet sich unter
http://de.wikipedia.org/wiki/Bürgerkrieg_in_Sri_Lanka

Dass der Bürgerkrieg eine grosse, fatale Auswirkung auf das Denken der ganzen Bevölkerung hat, zeigt folgendes Erlebnis. In Thailand traf ich drei buddhistische Mönche aus Sri Lanka. Wir kamen so ins Reden und ich erzählte ihnen, was ich in Sri Lanka alles gesehen hatte. Als ich dabei auch erwähnte, dass mir vor einem buddhistischen Tempel in Kandy meine billigen Plastik-Flipflops geklaut wurden und ich barfuß heimgehen mußte, kamen zwei von den Mönchen in völlige Rage und schimpften lautstark, das könnten nur Tamilen gewesen sein, die seien zu allem und zu jeder Schlechtigkeit fähig, die würden lügen, betrügen, Frauen vergewaltigen, Buddhisten und Mönche umbringen und - vor einem Tempel !!! - Flipflops klauen, denen sei nicht zu trauen (wenn die ganze Sache nicht so skurril gewesen wäre, wärs zum Heulen gewesen).

Zu Hikkaduwa kann ich nur Joey beipflichten: es ist heute (d.h. zum letzten Mal war ich vor 5 Jahren dort) immer noch ein sehr schöner Platz und hat trotz der vielen Touristen immer noch etwas von dem alten Hippie-Flair behalten (aber so Ecken gibt es einige, auch z.B. in Kovalam oder Goa in Indien).

Joey, warst Du schon nach dem Tsunami dort. Beim Tsunami wurde Hikkaduwa sehr schwer getroffen (in der Nähe beimOrt Seenigma wurde ein Zug vom Tsunami erfasst und umgestürzt. Ich glaube rund 1800 Leute fanden da den Tod. Ist da in Hikkaduwa schon wieder alles aufgebaut?