Herzlich willkommen! PiXXload umfasst die gesamte Welt der Reise-Fotografie. Hier können Sie Ihre eigenen Bilder präsentieren, Kommentare und Bewertungen schreiben und empfangen, Informationen über Reisen und Fotografie austauschen, chatten, an Wettbewerben teilnehmen und zwar kostenlos! (Hier registrieren) (Mehr Infos)

  • »yaWo« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 1 221

Wohnort: Mühldorf

Renommeemodifikator: 14

  • Nachricht senden

1

19.11.2008, 20:50

Loy Krathong, Thailand

Loi Krathong ist das Lichterfest Thailands und wird im ganzen Land am Tag des Vollmonds im zwölften Monat des traditionellen thailändischen Mondkalenders gefeiert wird. Es fällt üblicherweise in den November, manchmal auch auf Ende Oktober.

Loi bedeutet schwimmen oder schweben, Krathong ist ein kleines Floß, das typischerweise aus dem Strunk der Bananenstaude gefertigt wird, neuerdings leider auch aus Schaumpolystyrol. Manchmal werden auch Boote aus Brotteig verwendet, die sich nach einiger Zeit auflösen und den Fischen Nahrung geben. Das Floß wird mit Bananenblättern, Blumen, Kerzen und Räucherstäbchen geschmückt und mit kleinen Münzen bestückt (kleine Kinder stürzen sich mit Begeisterung ins Wasser und holen sich dann die Münzen). Diese Flöße werden an den Abenden von den Menschen - oft unter großer Andacht, meist aber mit viel Sanuk (Spaß) - auf den Flüssen ausgesetzt und sollen allen Ärger, Groll und alle Verunreinigungen der Seele mitnehmen und zugleich Abbitte für die Verschmutzungen und Beleidigungen des Wasser lesiten. Besonders beliebt ist das Aussetzen der Flöße bei den jungen Paaren - Liebespaare vertrauen den Blattschiffchen ihre geheimsten Wünsche an und schwören sich ewige Liebe. Manche Leute bestücken das Boot mit ihren Haaren und Fingernägeln.

Unter Tag werden die Krathongs gebaut, nachmittag und abend wird dann gefeiert. Einige der selbstgebauten Schiffchen sind ware Kunstwerke, manche werden bis zu 1 1/2 m hoch. Häufig finden auch Schönheitswettbewerbe für die Krathongs statt.

Das Fest stammt vermutlich aus Indien als ein Hindufest als Danksagung an die Gottheit des Ganges mit schwimmenden Laternen gefeiert wird, die das ganze Jahr lebensspendend wirken sollen. Die Tradition des Loi Krathong begann in Sukhothai und wird heute im ganzen Land gefeiert, wobei die Festlichkeiten in Chiang Mai und Ayutthaya besonders bekannt sind.

Ich habe das Fest mehrmals in Chiang Mai und einmal in Bangkok erlebt. Besonders ausgiebig wird es im Norden, speziell in Chiang Mai gefeiert. Im letzten Jahr war ich in der Woche der Festlichkeiten dort. Täglich finden irgendwelche Umzüge, Tempel- und Stadtfeste statt - natürlich verbunden mit den typisch thailändischen Essens- und Einkaufsmärkten. Häufig finden auch irgendwelche typisch thailändischen Veranstaltungen von Stadtverwaltung, Polizei, Krankenahsupersonal und Militär statt, wo vorne ein oder zwei Leute endlose Reden halten, in den ersten zwei Reihen die Honoratoren sitzen und die Reden anhören, während sich alle anderen Teilnehmer hinten bei Essen, Trinken und Unterhaltungen amüsieren. Jeden Tag mehr werden Wohnhäuser, öffentliche Gebäude und Tempel herausgeputzt. Oft sieht man die ganze Mönchsgemeinde und zahlreiche Helfer, wie sie Tempel putzen und dekorieren. Abends finden immer häufiger Gebetsmeditationen in den Tempeln statt. Aber Thailand wäre nicht Thailand, wenn das Alles wäre. Kurz nach Sonnenuntergang ist die Stadt geleert und alles treibt sich im Stadtzentrum und am Fluß herum. Tagtäglich Mai lässt man hunderte kleiner und größerer Khom Lois -Heißluftballons (die größten sind so 1 1/2 m hoch) unter größter Gaudi in den nächtlichen Himmel steigen. Für 50 Cent kauft man sich einen großen, schreibt die Namen seiner Liebsten darauf, Gedichte, Herzchen und was einem alles in den Sinn kommt, zündet eine Feuer im Papierballon an und wartet bis er nach oben steigt. Normalerweise seigen die Khom Lois kerzengerade in die Höhe, bis sie weit oben in eine windtragende Schicht gelangen und fortgetragen werden. Der Spaß hat aberseinen Höhepunkt, wenn irgendein Heißluftballon durch eine Windböe schräg gestellt wird, zum Brennen anfängt und in einer großen Fackel zu Boden stürzt - egal ob in Garten, auf die Strasse oder in einen Tempel. Erstaunlicherweise ist in diesen zwei Wochen kein Brand ausgebrochen - wahrscheinlich ist es zu nass nach dem vorangegangenen Monsun. Speziell am letzten Tag ist der Himmel übersäht von leuchteten Heißluftballon - ein wunderbarer Anblick. Einigen Khom Lois werden dannzusätzlich Feuerwerkskörper angehängt, die meist krachen und zusätzlich einen leuchtenden Feuerschweif erzeugen.

Auf dem Gelände der Tempel sind unzählige Essens- und Getränkestände aufgebaut, bei größeren Tempeln häufig Bühnen mit vollaufgedrehter (meist schlechter) thailändischer Popmusik - irgendwann um 1 oder 2 Uhr nachts wird es dort ruhig.

Außerdem gibt es täglich Umzüge durch die Städte, eine Art nächtliches Pendant zu denen von Songkran. Die Mädchen werfen sich in ihre hübschesten Kostüme, holen ihren schönsten Schmuck (meist natürlich nicht echt) und nehmen mit Begeisterung an den Paraden teil. Natürlich werden auch - wie in Thailand üblich - Schönheitsköniginnen und Loy-Krathong-Königinnen gewählt (kein Dorfjahrmarkt in Thailand kommt ohne Schönheitskönigin aus). Tag für Tag gibt es natürlich auch Feuerwerke, wobei es dabei oft recht derb zugeht, wenn mitten in der Masse der Leute große Böller oder Feuerräder gezündet werden - man muß halt selber aufpassen, die anderen tuns nicht.

Entlang des Flusses stehen unzählige Essens- und Getränkestände und es werden Unmengen an Gerichte und Getränek weggeputzt - mit anderen Worten: es wird auch gesoffen. Irgendwann saß ich mit sieben oder acht Thailändern an einem Tisch und trank ein Bier mit ihnen (wobei es erstaunlicher Weise nie ein Problem sit, wenn man gegenseitig die Sprache nicht oder kaum kann), als mein thailändischer Nachbar ohne ein Wort mit dem Stuhl nach hinten umkippte, auf den Rücken fiel und besoffen anfing zu schnarchen. War für alle anderen anscheinend normal - trotzdem ist es angenehm, da nicht sehr viele volltrunkenen Leute herumlaufen.

Und an den letzten drei Abenden kommen dann alle Leute mit ihren Krathongs zum Fluß und setzten die kleinen Flösse aufs Wasser. Bunt beleuchtete Restaurantboote treiben im Wasser, Brücken und Flußufer sind mit unzähligen Lampen, Lämpchen und Laternen belauchtet. Und wenn dann stundenlang Tausende von Flössen mit brennenden Kerzen, Orchideen und Räucherstäbchen nachts den Fluß hinunterschwimmen, dann wird auch der hartherzigste Traveller weich, kauft sich auch ein Krathong, gedenkt den Seinen und läßt mit Wehmut sein Schiffchen hinunterschwimmen.



Starten der Khom Lois


Starten der Khom Lois


Der Ping-River bei Abend


Ein Krathong


Thailändischer Tanz

  • »yaWo« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 1 221

Wohnort: Mühldorf

Renommeemodifikator: 14

  • Nachricht senden

2

19.11.2008, 20:59

Loy Krathong, Thailand


Nächtlicher Umzug


Der Ping-River bei Abend


Krathongs auf dem Ping-River


Vor der Wahl zur Schönheitskönigin


Kein Fest ohne Essen und Trinken

  • »yaWo« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 1 221

Wohnort: Mühldorf

Renommeemodifikator: 14

  • Nachricht senden

3

19.11.2008, 21:08

Loy Krathong, Thailand


Nächtlicher Umzug


Nächtlicher Umzug


Nächtlicher Umzug (mit vollem Einsatz)


Nächtlicher Umzug


Nächtlicher Umzug


Nächtlicher Umzug

4

19.11.2008, 21:18

Thailand

Hallo yaWo

Die Mühe und Liebe, die diesen Bericht schmücken, sind einzigartig.
Man lebt sich richtig in die Kultur hinein und geniesst den Umzug mit.
Interessant finde ich die Boote aus Teig, aus denen dann mal Fischfutter wird.
Muss eindrücklich gewesen sein.

Die angehängten Fotos vervollständigen deinen persönlichen Bericht! A)d

Eine gewohnte herausragende Leistung :hutab:

Liebe Grüsse

Kirsten

Beiträge: 542

Wohnort: Hannover

Renommeemodifikator: 15

  • Nachricht senden

5

20.11.2008, 07:43

Loy Krathong

Hallo YaWo,

in bekannter Weise, erzählst Du uns wieder wunderbar aus ferner Welt A)d

Die Bilder runden den Beitrag hervorragend ab. A)d

Danke für Deine Mühe.

LG Monika 00000011
Die Natur ist das einzige Buch, das auf allen Blättern großen Inhalt bietet.

J.W.Goethe