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23.11.2008, 21:37

Phii, Thailand

Hallo

heute einmal ein etwas anders Thema über Thailand: die Phii


Neben dem Buddhismus existiert in Thailand ein ausgeprägter Animismus bzw. Geisterglaube. Dies ist kein Widerspruch, denn überall in Asien hat sich der tolerante Buddhismus mit alten Glaubensformen vermischt (z.B. in Tibet mit der Bön-Religion, in China mit Taoismus und Konfizianismus). Allgemein bezeichnet man als Animismus eine schriftlose Religion, in der Lebewesen und Gegenstände von Geistern bewohnt werden. Und so gibt es in Thailand gute sowie böse Geister und man braucht Hilfsgeister, um sich von den Bösen, den Dämonen zu schützen. Gute Geister können auch mit Hilfe von Opfergaben, etwa Essen und Trinken oder auch Blumen um Wünsche gebeten oder böse Geister beschwichtigt werden (ein hartherziger Australier hat einmal zu mir gesagt, in Thailand wären sogar die Geister korrupt und bestechlich - aber so humorlos sollte man das alles nicht sehen).

Realität ist, dass fast jeder Thailänder, speziell auf dem Lande oder in armen Nordosten an Geister und an deren Macht glaubt. Fliegt beispielsweise ein Phii Ga, meist in der Gestalt einer Eule, über das Haus eines Mädchens das man heiraten will, kann das Unglück über einen selbst kommen. Das Mädchen hat dann keine Chance mehr, von dem Mann geheiratet zu werden.

Eines der auffälligsten Symbole des Geisterglaubens in Thailands sind die Geisterhäuschen. Wenn man ein Haus bauen will, vertreibt man den Erdgeist, den Chao Thii. Um ihn nicht zu verärgern baut man ihm ein neues Haus, ein Geisterhäuschen, das San Chao Thii. Daneben gibt es noch ein San Phra Phum, ein höher aufgestelltes Geisterhäuschen für den Schutzgeist der Familie. Diese Geister werden durch Opfergaben, Blumen, Obst, Essen, Räucherstäbchen und Getränken, oft Cola, Limonade und v.a. Schnaps, bei Laune gehalten, damit sie kein Unheil über die Bewohner bringen. Beim Aufstellen eines Geisterhäuschen gibt es genaueste Regeln, die eingehalten werden müssen: den genauen Ort, die Ausrichtung, das Datum, die Zeremonie, die durch Schamanen oder gar buddhistische Mönche bestimmt werden. Früher waren Geisterhäuschen aus Teakholz, heute sind sie meist auch Zement aus der Fließbandproduktion (anscheinend haben die Geister alle einen ähnlichen Geschmack). Generell gibt es in Thailand praktisch kein Haus ohne Geisterhäuschen -
auch die größten Banken, Fabriken und Hotels haben mindestens eines.

Anders als in Burma, wo es einen offiziellen Kanon an landesweiten Geistern gibt (Nats, wen's intressiert: dazu gibt es von mir einen Beitrag in der Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Nat_(Geist) ), gibt es in Thailand je nach Landstrich unterschiedliche Geister. Und an guten und bösen Geistern gibt es eine Menge: die Hausgeister Phii Rüan und Phii Baan, den Phii Nang Tani (eine hübsche Frau, die die Wünsche der Männer erfüllt), Phii Naa (den Geist der Reisfeldes), Phii Nang Gwak (der Geist, der Geld bringt), Phii Guman Thong (der Geist verstorbener Kleinkinder), Phii Grasüü (ein bösartiger weiblicher Geist, der es vor allem auf Kleinkinder abgesehen hat), Phii Paa (der Geist Epidemien bringt) und unzählige andere mehr.

Ein Thai wäre kein Thai, wenn er nicht auch versuchen würde, die Geister zu beschummeln. Deshalb spricht man beim Anblick eines hübschen Neugeborenen nie von einem schönen Kind, sondern bezeichnet es bekümmert als hässlich und mißgestaltet. Würde man von einem schönen Kind sprechen, könnte man die Geister darauf aufmerksam machen und die Mutter würde der Gefahr ausgesetzt, dass ein Geist ihr Kind stiehlt. Die Thai grinsen bei ihren bösen Worten verständnisvoll, weil sie alle wissen, dass die hässlichen Worte genau anders herum zu deuten sind.

Um eine problemlose Geburt zu gewährleisten und Schutz vor den Phiis zu bekommen, sollen schwangere Frauen unter den Bauch eines Elefanten kriechen. Deshalb sieht man selbst in größeren Städten Thailands häufig Elefantentreiber, die eine Schwangere gegen Bezahlung, unter ihren Elefanten kriechen lassen.

Als ich 2007 zu letzten Mal in Thailand war, berichtet "The Nation" von einem bösen Geist in Nordthailand: in einem Ort waren vier 65- bis 80-jährige Leute gestorben (wahrscheinlich an ganz normalen Alterskrankheiten). Dies genügte, dass die Einwohner mehr als 800 Euro sammelten, um einen Exorzismus durchzuführen, da sie überzeugt waren, der Pii Pop - einer der bösesten Geister - hätte die Gestorbenen befallen und die Innereien herausgefressen. In der "Bangkok Post" wurde von einer Tochter berichtet, die im Nordosten Thailands ihren Vater erschossen hatte, da dieser ihre kleine Schwester immer wieder verprügelt hatte. Sie gab an, sie hätte nicht anders gekonnt, da ihr der Geist Mo phii das befohlen hätte.

Dabei hat für Außenstehende der Geisterglaube durchaus seine skurrilen Seiten: Als ich vor Jahren einmal in einem Guesthouse in Mae Sai übernachtete und spät abends auf der Veranda saß, beobachtete ich eine Ratte, die eifrig auf der Veranda des Restaurants herumlief. Am nächsten Tag wachte ich von einem größeren Lärm auf und stellte fest, dass am Geisterhäuschen eine große Zeremonie stattfand, weil - wie mir der studierte Sohn erklärte - nachts ein Geist im Restaurant irgendwelche Vorräte gefressen hätte. Ich hielt natürlich meinen Mund.

Wie verbreitet der Geisterglaube auch in den Städten ist, zeigt die Geschichte des Erawanschreins in Bangkok. Während der Bauarbeiten des Erawan Hotels im Jahre 1956 ereigneten sich zahlreiche Unglücksfälle, Arbeiter starben auf der Baustelle und ein Schiff, das Marmor für das Hotel transportierte, sank auf hoher See. Die abergläubischen Arbeiter weigerten sich, weiter zu arbeiten, sie fürchteten durch die Bauarbeiten erboste Geister. Man stellte fest, dass die Grundsteinlegung des Hotels an einem nicht verheißungsvollen Tag geschehen sei und einige Geister beleidigt wurden und dass man daher einen Schrein und ein zusätzliches Geisterhäuschen erbauen müsse. Als der Schrein erbaut worden war, hörten die Unfälle auf und das Hotel wurde in kürzester Zeit fertig. Inzwischen ist der Erawan-Schrein eine thailändische Berühmtheit, da man sich hier vom Erawan Brahma Geld, Liebe, beruflichen Erfolg aber auch Gesundheit und Erleuchtung erbitten und - zumindest die Thais glauben es - auch erhalten kann. Gerade in den Tagen vor den großen Lotte-Ziehungen wimmelt es von unzähligen Thais, die im Schrein opfern und große Lottogewinne erbeten. Für größere Wünsche steht eine Tanztruppe zur Verfügung, die zu Klängen eines traditionellen thailändischen Orchesters Tänze aufführt, um den Gott zu erfreuen. ird einem der Wunsch gewährt, besucht man den Schein erneut, um sein Versprechen einzulösen.

In Bangkok selbst gibt es mehrere "gemeinnützige" Organisationen, die den Polzeifunk abhören und bei Unfällen sofort an den Unfallort eilen und die Toten mit allen Ehren entfernen und große Zeremonien durchführen, damit einer der schlimmsten Geister, den Phii Daai Hong, befriedigt und besänftigt wird, damit er nicht weiter Unheil an der Bevölkerung anrichtet.

Thais sind in Bezug auf ihren Glauben sehr pragmatisch - er hat immer auch zu nützen. Ein Deutscher, der seit 40 Jahren in Thailand auf dem Dorf verheiratet ist und dort lebt, berichtete einmal, dass immer dann, wenn bei Festen der Alkohol ausging, die gesamte Familie - meist angetrunken - zum Geisterhäuschen pilgerte, beim Hausgeist höflich anfragte, ob sie sich nicht die Flaschen Schnaps, die sie geopfert hatten, wieder ausleihen könnten - sie würden sie morgen mit Zinsen wieder zurück bringen (natürlich bekam der Geist immer nur die beste Schnapssorte). Und da es anscheinend ein guter Hausgeist war, hatte er in den 40 Jahren auch noch kein einziges Mal "Nein" gesagt. Selbstverständlich bekam er am nächsten Tag den Schnaps mit weiteren Opfergaben wieder zurück.

Wenn man in Thailand ist, sollte man den Geisterglauben respektieren (schließlich respektieren Thais auch die christliche Geschichte von Jesus - und die ist wahrscheinlich genauso glaubwürdig wie dass es Geister gibt...). Vor allem sollte man bedenken, dass die Thais vor den Phii tatsächlich eine unvorstellbare große Angst haben. Man macht sich über sie auf keinen Fall lustig, denn dann werden sie nach Ansicht der Thais unweigerlich Unheil bringen. Die Angst geht sogar so weit, dass viele Thailänder nicht im Bett schlafen, das der Türe am nähesten steht - für den Fall, dass ein Geist durch die Türe kommen würde.

Mit dieser Angst vor den Phiis machen eine Menge Leute Geld: die Mönche und Klöster, die Zeremonien durchführen und v.a. die Unmenge von Amulettverkäufern (man gehe nur mal in Bangkok zum Wat Mahatat) und der Tätowierer (selbst buddhistische Mönche haben Tattoos gegen die bösen Geister). Amulette mit Buddhafiguren können sogar mehrere Tausend Euros teuer sein, wenn es hilfreich ist - es gibt sogar (ähnlich wie bei uns der Briefmarkenkatalog) Kataloge mit teueren und wirkungsvollen Amuletten.


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23.11.2008, 21:41

Phii, Thailand


Erawan-Schrein Bangkok


Erawan-Schrein Bangkok


Geisterhäuschen Chiang Mai, Nordthailand


Geisterhäuschen, Kanchanaburi (River Kwai)


Tattoos - der beste Schutz gegen Phiis

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23.11.2008, 21:44

Phii, Thailand


Tattoos - der beste Schutz gegen Phiis


Tattoos - der beste Schutz gegen Phiis

werner510

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23.11.2008, 22:13

Phii, Thailand

Hallo Dieter,
ein sehr netter Bericht über den Geisterglauben in Thailand.
Die Leute brauchen eben immer was Unvorstellbares, an das sie sich "klammern" können.
Wer weiß, vielleicht nützt es doch was.
Das macht aber auch Asien so geheimnisvoll.
LG.

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24.11.2008, 07:56

Phii



Hallo YaWo,

wieder ein äußerst interessanter Bericht aus Deiner "Feder". Es ist für mich

sehr erstaunlich, von einem so starken Geisterglauben zu hören.

Aber...... an irgendetwas muß der Mensch ja glauben.

LG Monika 00000011

Die Natur ist das einzige Buch, das auf allen Blättern großen Inhalt bietet.

J.W.Goethe

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11.12.2008, 20:49

Aberglaube

Hallo Dieter.

Nicht nur in Thailand, Myanmar oder die anderen asiatischen Staaten, gibt es so viel Aberglaube.

Erstaunt war ich über Bali, da durften die Touristen Silvester-Abend nicht aus dem Hotel und mussten im

Zimmer die Vorhänge zuziehen, damit die Dämonen glauben das da keiner wohnt und einfach über die Insel fliegen.

Liebe Grüße
Siggi
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05.01.2009, 10:12

Aberglaube

Hallo Yawo,

ich hab davon auf Bali gehört - sind schon teilweise unvorstellbare Dinge, die mit dem Aberglauben verbunden sind. Für uns doch ziemlich weit hergeholt -
wie dein Beispiel mit der Eule - aber dort eben Realität.
Wirklich sehr interessant das Thema.


LG 97erspeedy

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05.01.2009, 18:52

Da ist mir gerade ein Artikel zu den Phii über den Weg gelaufen

http://www.clickthai.de/Kultur/Mythen/Geister/geister.html

YaWo