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26.11.2008, 22:13

Religion in Thailand

Buddhismus

Für jeden, der nach Thailand (oder Burma) fährt, ist es notwendig, etwas über den Buddhismus zu wissen, da ohne diese Kenntnis vieles völlig unverständlich ist. Daher ein kurzer Überblick:

Die Buddhisten berufen sich auf die Lehren des Siddhartha Gautama, der gemäß der Überlieferung 563 v. Chr.zur Welt kam. Er wird als "historischer Buddha" bezeichnet, da es vor ihm schön zahlreiche andere "mythische" Buddhas gab. "Buddha" ist ein Ehrentitel, der oft mit "Erleuchteter" übersetzt wird. Buddha selbst sah sich nie als Gott oder als Überbringer der Lehre eines Gottes, er stellte klar, dass er die Lehre nicht durch göttliche Offenbarung, sondern durch Kentemplation erreicht hat und dass jedes Lebewesen die Fähigkeit habe, diesen Weg zu gehen. Der Buddhismsu kennt also weder einen allmächtigen Gott noch eine ewige Seele.

Nach der buddhistischen Lehre ist jedes Lebewesen einem endlosen Kreislauf (Samsara) von Geburt und Wiedergeburt unterworfen. Das große Ziel von Buddhisten ist es, durch ethisches Verhalten, tugendhaftes Leben und Versenkung/Meditation (Samadhi), durch Mitgefühl und Weisheit (Prajna) diesem Kreislauf zu druchbrechen und dadurch den Zustand des Nirwana zu erreichen.

Die buddhistischen Praxis ist bestimmt durch die Vier Edlen Wahrheiten:
  1. die Erkenntnis, dass das Leben von Leid geprägt ist,
  2. die Erkenntnis, dass dieses Leid durch Begierde verursacht wird,
  3. die Erkenntnis, dass die Begierde und somit das Leid durch tugendhaftes Leben und Meditation überwunden werden können
  4. die Erkenntnis, dass der Weg dahin über den Achtfachen Pfad führt

Der achtfache Pfad gibt die Richtlinien für das "richtige" Leben
Die Weisheit (panna)
  • Rechte Anschauung, Erkenntnis
  • Rechte Gesinnung, Absicht
Sittlichkeit (sila)
  • Rechte Rede
  • Rechtes Handeln
  • Rechter Lebenserwerb
Vertiefung (samadhi)
  • Rechtes Streben und Üben
  • Rechte Achtsamkeit
  • Rechte Sammlung, Sichversenken

Wichtige Begriffe sind:
  • Karma bedeutet "Tat, Wirken" und bezeichnet as Anhaften an den Erscheinungen der Wlt (Gier, Egoismus, Hass usw.) und die Taten, die dadurch enstehen und die Auswirkungen der Taten auf den Täter selbst.
  • Gutes wie schlechtes Karma erzeugt die Folge der Wiedergeburten, das Samsara.
  • Ziel des Buddhisten ist es, dem Samsara zu entkommen, indem kein Karma erzeugt wird, und in das Nirvana einzugehen.
  • das Dharma bezeichnet einserseits die Lehre Buddhas, andererseits die Gesamtheit aller der Natur zugrunde liegenden Gesetzmäßigkeiten

Indem jemand Zuflucht zu Buddha, Dharma (Lehre) und Sangha (Gemeinschaft) nimmt, bezeugt er seine Zugehörigkeit zur Laien- oder mönchsgemeinschaft des Buddhismus.

Es gibt drei Richtungen des Buddhismus:
  • Hinayana ("Kleines Fahrzeug"), aus dessen Tradition heute nur noch die Form des Theravada ("Lehre der Älteren") existiert (Sri Lanka, Ceylon). Im Theravada-Buddhismus gibt es ausschließlich den Befreiungsweg des einzelnen aus eigener Kraft
  • Mahayana ("Großes Fahrzeug") vor allem in Japan, der Mongolei und China (Zen- und Amitabha-Buddhismus). Im Unterschied zum Theravada-Buddhismus spielt nicht nur das eigene Benühen zur Erleuchtung eine Rollo, sondern auch die Bodhisattvas. Bodhisattvas sind Wesen, die wie Buddha die Erleuchtung erlangt haben, aber auf das Eingehen in das Nirvana verzichten und den Menschen helfen, ebenfalls dieses Ziel zu erreichen
  • Vajrayana (der Tibetischer Buddhismus oder "Lamaismus") ist eigentlich ein Teil des Mahayana-Buddhismus, legt aber sehr viel Wert auf geheime Rituale und Praktiken, auf Lehrer-Schüler-Beziehungen und gilt daher innerhalb des Buddhismus als "esoterische" Richtung.

Eine ausführliche Beschreibung findet sich unter
http://de.wikipedia.org/wiki/Siddhartha_Gautama
http://de.wikipedia.org/wiki/Buddhismus
http://de.wikipedia.org/wiki/Vier_Edle_Wahrheiten
http://de.wikipedia.org/wiki/Edler_Achtfacher_Pfad
http://de.wikipedia.org/wiki/Karma
http://de.wikipedia.org/wiki/Samsara
http://de.wikipedia.org/wiki/Dharma
http://de.wikipedia.org/wiki/Erleuchtung_(Buddhismus)
http://de.wikipedia.org/wiki/Reinkarnation
http://de.wikipedia.org/wiki/Nirvana
http://de.wikipedia.org/wiki/Theravada
http://de.wikipedia.org/wiki/Vajrayana



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26.11.2008, 22:15

Religion in Thailand

Thailändischer Buddhismus

Der Buddhismus im Thailand ist von der Theravada-Schule beeinflusst. Etwa 95% der Thailänder sind Theravada-Buddhisten. Dabei hat der thailändische Buddhismus wie fast jede buddhistische Richtung viele Einflüsse aufgenommen: Elemente der alten Volksreligionen (Ahnen- und Geisterverehrung) oder Elemente des Mahayana-Buddhismus der großen thai-chinesischen Bevölkerung.

Folgende Hauptquellen haben Einfluß auf die Entwicklung des Buddhismus in Thailand genommen:

  1. Wichtigste Quelle ist der aus Sri Lanka stammende Theravada-Buddhismus. Die heiligen buddhistischen Schriften (v.a. das Tripitaka, die thailändische Mönchsregel Patimokkha) sind in Pali abgefasst, seltener in der älteren Khom- bzw. der Tham-Schrift. Pali wird in der Liturgie verwendet und wird - wie Latein bei die Deutschen - von die meisten Thais nicht verstanden.
  2. Geringeren Einfluß hatte der aus Kambodscha kommende vedische Brahmanismus (Hinduismus), der sich besonders während der Sukhothai-Epoche (1238 bis 1350) verbreitet hatte. Einflüsse sind heute in den Ritualen, in Brahma-Schreinen (z.B. der Erawan-Schrein in Bangkok) zu erkennen. Die alte Vorstellung, der König sei gottgleich hat ihren Ursprung im kambodschanischen Gottkönigtum des Hinduismus und ist heute noch in der ungeheuren Verehrung des Königs zu spüren.
  3. Die dritte Quelle ist die der alten Volksreligion. Eine strikte Trennung zwischen "reinen" Thai-Buddhismus und Volksreligion ist v.a. auf dem Lande nicht möglich. Zahllose Mönchsregeln sind auf Tabus der Volksmagie zurückzuführen. Eine weitere große Rolle spielen Geisterglaube (Geisterhäuser), Astrologie, Numerologie, Glaube an Talisman und Glücksbringer aus der Volkreligion
  4. Obwohl Thailand nie dem Mahayana-Buddhismus anhing, nahm es doch zahlreiche Merkmale v.a. durch die eingewanderten Chinesen auf, z.B. die Anbetung des Bodhisattva Lokesvara oder der Göttin Kuan Yin (Avalokitesvara). Der Glaube, der thailändische König sei selber ein Bodhisattva läßt sich auf den Mahayana-Buddhismus zurückzuführen.


Der Theravada-Buddhismus zeigt sich hauptsächlich in der Präsenz unzähliger Mönche und Wats.


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26.11.2008, 22:15

Religion in Thailand

Mönche

Buddhistische Mönche sind für zeremonielle Angelegenheiten verpflichtend (z.B. bei der Einweihung eines Autos nach dem Kauf), sowie verantwortlich für die Bewahrung und die Vermittlung der Lehre Buddhas.

Bis Ende des 20. Jahrhunderts begannen die Mönchslaufbahn mit dem Dienst als Dek wat. Ein Dek wat ist normalerweise nicht jünger als acht Jahre und verrichtet niedere Arbeiten um den Tempel, bevor er eine grundlegende Ausbildung im Lesen, Schreiben und Rechnen erhält. Der Tempeldienst als Dek wat war die einzige Möglichkeit für Bauern und Handwerker eine höhere Ausbildung zu erhalten. Mit der Schaffung eines staatlichen Bildungssystem hat der Dek wat an Bedeutung verloren, allerdings orientieren sich auch heute noch staatliche Schulen an den alten Ausbildungsinhalten und -methoden.

Nach dem mindestens vierjährigen Dienst als Dek wat wird der angehende Mönch zum Novizen (Samanera) ordiniert. Die Novizen leben prinzipiell wie die Mönche, werden aber nicht förmlich auf die Mönchsregeln verpflichtet. Novizen haben stärkeren Kontakt zu den Laien und nehmen getrennt von den Mönchen an den Mahlzeiten teil (d.h. sie sitzen etwas getrennt).

Mit ca. 20 Jahren wird ein Novize geeignet gefunden, die Mönchsweihe Upasampada zu empfangen, die ihn zum vollen Bhikkhu (Mönch) macht. Für die Kosten der Mönchsweihe sind die Eltern zuständig, aber speziell auf dem Land ist hier das ganze Dorf beteiligt, um die Robe, die Bettelschale und weitere Utensilien für das Mönchslebens zur Verfügung zu stellen.

Weitaus verbreiteter ist die Ordination auf Zeit. Die meisten jungen Männer werden für eine Regenzeit (Vassa) oder für eine kürzere Zeit ordiniert. Wer länger Mönch bleiben will, bleibt gewöhnlich für ein bis drei Jahre. Dort kann er weitere Fertigkeiten erlernen (heute z.B. häufig die englische Sprache). Nach dieser Mönchszeit kehren die Männer ins führere Leben zurück, heiraten (das tut praktisch jeder Thai) und gründen eine Familie - Männer, die nicht ordiniert waren, bezeichnet der Thai als "roh" (die ordinierten als "gekocht"), sie gelten als nicht reif für die Ehe. Eine Zeit als Mönch gilt als Vorbedingung für zahlreiche Führungspositionen. Selbst der jetzige König Bhumipol (sein offizieller Name lautet: Phrabat Somdej Phra Paramindra Maha Bhumibol Adulyadej Mahitaladhibet Ramadhibodi Chakrinarubodindara Sayamindaradhiraj Boromanatbophi - viel Spass beim Lesen) war für 15 Tage im Kloster, König Mongkut (1804-1868) war gar 27 Jahre Mönch.

Mönche, die nicht in das Alltagsleben zurückkehren, spezialisieren sich entweder in Richtung Gelehrsamkeit (Studium der heiligen Schriften, der buddistischen Philosophie usw.) oder Meditation. Für das Studium gibt es eigene Klosterhochschulen v.a. in Bangkok. Meditationsmönche suchen sich einen bekannten Meister oder ziehen sich (seltener) in ein kleines Waldkloster zurück.


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26.11.2008, 22:16

Religion in Thailand

Die Stellung der Frau

Anders als in Myanmar und Sri Lanka, hat sich die Theravada-Bhikkhuni-Tradition in Thailand nie etabliert. Frauenorden werden strikt abgelegt. Laienjüngerinnen könenn sich Verdienste erwerben mit der Hoffnung auf eine bessere Wiedergeburt im nächsten Leben - in der Regel sieht das so aus, dass sie niedere Hausarbeiten im Wat verrichten und Mönche bedienen. Einige Frauen, die Mönchstitel (wie in anderen buddhistischen Ländern möglich) anstrebten, wurden angeklagt, Mönche nachzuahmen (in Thailand ein schweres Delikt, das mit Gefängnisstrafe belegt wird)

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26.11.2008, 22:18

Religion in Thailand

Wat

Ein Wat ist die thailändische Bezeichnung für eine Anlage, die von einer Mauer umgeben ist und religiösen Zwecken dient. In Deutsch bezeichnet man ihn als Tempel, was aber insofern falsch ist, als Buddhisten keinen Gott kennen, dan man anbeten kann. Ein Wat geht über ein Kloster hinaus, da es auch immer Einrichtungen enthält, die für den Laien bestimmt sind - ein Ort zum Meditieren, zur Verehrung Buddhas, zur Versammlung, zur Bildung mittelloser Kinder oder zur Aufnahme alter Menschen oder herrenloser Tiere.

Der Wat ist der Mittelpunkt des buddhistischen Lebens. Praktisch jedes Dorf hat mindestens einen Wat. Bangkok, die Hauptstadt Thailands, hat z.B. mehr als 400 Wat, Thailand selbst wahrscheinlich mehr als 30.000. Wats werden durch reiche Mäzene finanziert, aber auch durch die ärmere Bevölkerung durch Spenden und freiwillige Arbeit unterstützt. Dies ist die traditionelle Form des religiösen Verdiensteerwerbs im Buddhismus.

Wat, deren Namen mit Phra, Rat-, Racha- oder Maha- beginnen, wurden von Mitgliedern der Königsmfamilie gestiftet oder hüten hochverehrte Kultobjekte. Die Wat Thailands weisen als Merkmale hohe, manchmal goldene Chedis auf. Die buddhistische Architektur Thailands ähnelt dabei der anderer südostasiatischer Länder, besonders Kambodscha und Laos, die mit Thailand ein gemeinsames kulturelles und historisches Erbe verbindet.

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27.11.2008, 10:34

Religion in Thailand

Super beschrieben das Thema - Religion in Thailand - gefallt mir sehr gut ! A)d
Viele Grüsse Feinschmecker
Probiere jeden Tag etwas Neues aus ! Schließlich wurde uns das Leben gegeben um es zu entdecken , und ewig dauerts nun mal nicht .
Ruth Gordon

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Beruf: Schnüfflerin :-)

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27.11.2008, 13:16

Buddhismus

Hat mich schon immer interessiert, was hinter den verschiedenen Religionen steckt. Habe auch ein Buch darüber zu Hause - das ist aber seit dem Kauf unbenutzt. Deinen Bericht fand ich gut zu lesen, aufwendig recherchiert und sehr interessant.

LG 97erspeedy

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28.11.2008, 07:34

Religion in Thailand

Hallo Yawo,

in bekannt interessanter Weise hast Du uns die Religion in Thailand

näher gebracht. Danke für die viele Arbeit A)d

LG Monika 00000011
Die Natur ist das einzige Buch, das auf allen Blättern großen Inhalt bietet.

J.W.Goethe

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Beruf: Reiseverkehrskauffrau im Ruhestand

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11.12.2008, 20:44

Religion

Hallo Dieter.

Sehr gut die Religion beschrieben und die Links noch dazu eingestellt.

Wie gewohnt von Dir einen umfangreicher Bericht.

Liebe Grüße
Siggi
In der Fremde erfährt man mehr als zu Hause.
Aus Tansania