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  • »Joey« ist der Autor dieses Themas

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1

22.12.2009, 14:37

Kenya... eine andere Welt II


Na dann will ich mal weiter versuchen, Euch etwas über Kenya/Malindi und das, was da so kreucht und fleucht, pardon: schwimmt, zu erzählen.



Wie Ihr vielleicht schon gemerkt habt, Ichthylogie ist eines meiner 72 Hobbys. Malindi ist, wie im Vorbericht schon erwähnt, einer der erfolgversprechendsten Plätze in der Welt zum Fang von Sailfish. Der Fangplatz Malindi hat eine hpue (hours per unit of effort) von 1,54. Das heißt, man muß durchschnittlich 1,54 Stunden angeln, um einen solchen Fisch zu fangen. Die gefangenen Fische werden sofort nach der Rückkehr der Boote gewogen und auf den heimischen Fischmarkt gebracht. Ein Teil wird in einer nahegelegenen Fischfabrik zum Export verarbeitet. Der Fänger kann sich einen Fisch aussuchen und ihn zum persönlíchen Verzehr mitnehmen, was wir auch immer gerne getan haben (natürlich nicht so´n Riesenvieh, sondern was leckeres kleines, z.B. ein paar Bonitos, einen Kingfish, Red Snapper, Gelbflossenthun oder eine Dorade). Frischeren Fisch bekommt man einfach nicht, als den soeben selbst gefangenen. Auf dem folgenden Bildchen seht Ihr einen Sailfish neben einem Striped Marlin und links daneben eine Auswahl an "Beifang": Gelbflossenthune, Barrakuda und einen Bonito.



Lange Zeit hat man darum gestritten, ob vor der Küste von Malindi große Marline zu fangen seien. GRANDER nennt man diese "Könige des Meeres", wenn sie die 1000 Pfund Marke überschreiten. Am 18.03.1995 war es dann soweit: Johannes Kramer (aus Düsseldorf glaube ich) erwischte nur 4 Wochen, nachdem ich Malindi verlassen hatte, auf demselben Boot, das ich in dieser Zeit gechartert hatte, einen BLUE MARLIN von 1247 Pfund. Zu jener Zeit: All Africa Record! Sein Glück, mein Pech! Wie sagt man noch so schön: Wrong time, wrong place!



Dieser Riesenfisch hat natürlich alle (Fach-)Welt auf Malindi aufmerksam gemacht und so finden sich jetzt jährlich die "Billfish-Spezialisten" in Malindi ein und lauern auf noch einen solchen "Jahrhundertfang".



Nun ist der Traum vom Fang eines solchen Fisches nur eine Seite der Medaille. Die andere Seite wird durch die unglaubliche Schöheit der Natur geprägt. Natur? Da draußen auf dem Indischen Ozean ist doch nichts als Wasser!? DAS habe ich auch erst gedacht, bis ich nach einer gewissen Zeit die Ruhe und Weite dieses Ozeans schätzen lernte. Der Indische Ozean hat -auch bei Windstille- eine permanente Dünung. Das Boot wird ständig auf und ab bewegt, es wiegt sich nach links, dann nach rechts, dann steigt der Bug des Böötchens auf und man sieht nach hinten nur noch Wasser, dann taucht die Nase wieder ein und man sieht nur noch Himmel. Und dabei wird man von einer Vielzahl von Meeresbewohnern unterhalten: Delphine umkreisen das Boot. Die sind furchtbar neugierig, aber auch SO intelligent, daß sie niemals an einen Köder, sprich: Haken gehen. Eigentlich mag der Fischer diese verspielten Tiere nicht, weil sie die Fische verscheuchen. Oder man sieht Riesenschildkröten, die sich im Wasser paaren und dabei mit ihren großen Füßen das Wasser aufpeitschen, daß man glaubt, eine Wasserbombe sei explodiert. Ein unvergeßliches Erlebnis war der Besuch eines Walhais. Der Bursche war ca. 12m lang und damit länger als das Boot. Wir konnten längsseits gehen und ihm freundschaftlich den Rücken tätscheln. Diese Planktonfresser sehen zwar imposant aus, sind aber völlig friedlich und für den Menschen ungefährlich. Man kann sogar mit ihm tauchen.

So, ich glaube, ich habe schon wieder die 10000 Zeichen Grenze überschritten.
Vielleicht noch was für Literaturinteressierte: In Malindi liegt eine kleine Kneipe, unten an der Mole, in der sich Ernest Hemingway öfter nach einem erfolgreichen "Fischzug" die Kante gegeben hat. Hemingway war auch ein Stammgast im Malindi Seafishing Club, ein von Engländern vor 50 Jahren gegründeter Club, der bis heute der Treffpunkt von Hochseeanglern aus aller Welt geblieben ist.


Vorsichthalber möchte ich noch alle Veganer und militanten Tierfreunde um Verzeihung bitten. Aber ich darf Euch versichern, daß wir nur einen winzigen Bruchteil der jährlich von den großen Fangflotten mit Langleinen und Netzen gefangenen Fische aus dem Wasser ziehen. Von dieser Art des Fischens mit rod and reel ist noch kein Bestand gefährdet worden.

Kwaheri ya kuonana

Joey
Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.

Albert Einstein

2

22.12.2009, 14:56

Hallo Joey,

in Teil eins wie auch hier ein erstklassiger Bericht aus einer anderen Welt, die mir völlig fremd ist.
Vielleicht habe ich Deine Ausführungen gerade deshalb so gerne gelesen, obwohl sie auch so schon
sehr informativ und aussagekräftig sind. :thumbsup:

Für Deine Arbeit mit dem Dampfrechner, die sich gelohnt hat, :thumbup: und für die tollen Illustrationen :feur:
nimm als kleines Dankeschön :thankyou: den:

Herzlichen Glückwunsch! Das Foto wurde ausgezeichnet.

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3

22.12.2009, 18:53

Kenya

Hallo Joey,

wunderbar, es hat geklappt :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup:

Es war wieder sehr interessant und informativ :thankyou: :thankyou: :thankyou:

Liebe Grüße Monika
Die Natur ist das einzige Buch, das auf allen Blättern großen Inhalt bietet.

J.W.Goethe

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4

23.12.2009, 06:23

Herzlichen Glückwunsch! Das Foto wurde ausgezeichnet.


Sehr schön und informativ.


LG Andrea für Borussenpower

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5

23.12.2009, 19:15

Hallo Joey

den 2. Beitrag habe ich genauso verschlungen wie den ersten und muss Dir ein Kompliment machen, er ist genauso Spitze.

Lieben Gruß
Siggi

Herzlichen Glückwunsch! Das Foto wurde ausgezeichnet.
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6

06.01.2010, 18:21

Hallo Joey,

an Deinen beiden bisherigen Berichten erkenne ich den Afrika-Virus, der auch mich gefangen hat. Besonders für Hobbyfotografen ist die Natur-und Tierwelt in Kenya ein Traum, dazu kommen die offenen und freundlichen Menschen. Danke, dass Du diese Stimmung mit Deinen Erlebnissen so gut in Szene setzt.

Gruß Günter
»günterfr« hat folgendes Bild angehängt:
  • Leoprad im Samburu.jpg

7

07.01.2010, 18:13

erstklassige Beschreibung zu tollen Fotos. :feur: Wirklich sehr schön! :feur:
Gratulation! :thumbup:

:thankyou: :thankyou: