Herzlich willkommen! PiXXload umfasst die gesamte Welt der Reise-Fotografie. Hier können Sie Ihre eigenen Bilder präsentieren, Kommentare und Bewertungen schreiben und empfangen, Informationen über Reisen und Fotografie austauschen, chatten, an Wettbewerben teilnehmen und zwar kostenlos! (Hier registrieren) (Mehr Infos)

  • »yaWo« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 1 221

Wohnort: Mühldorf

Renommeemodifikator: 14

  • Nachricht senden

1

18.05.2010, 21:07

6 Monate Indien, Teil 01 Von Mumbai nach Kanyakumari

Die Reiseroute
[Zug] Mumbai - Nasik - Manmad - Aurangabad
[Bus] Aurangabad - Ellora - Aurangabad
[Bus] Aurangabad - Daulatabad - Aurangabad
[Bus] Aurangabad - Ajanta - Aurangabad
[Bus] Aurangabad - Scholapur - Bijapur
[Bus] Bijapur - Bagalkot - Badami
[Bus] Badami - Pattadakallu - Aihole - Pattadakallu - Badami
[Bus] Badami - Bagalkot - Ilkal - Hospet - Hampi
[Auto] Hampi - Hospet
[Bus] Hospet - Bellary - Chitradurga - Sira - Bengaluru - Mandya - Mysore
[Bus] Mysore - Hassan
[Bus] Hassan - Halebiddu - Hassan
[Bus] Hassan - Beluru - Hassan
[Bus] Hassan - Mysore
[Bus] Mysore - Malappuram - Thrissur - Aluva - Kochi
[Bus] Kochi - Alappuzha
[Boot] Alapuzzha - Kottayam - Alapuzzha
[Boot] Alapuzzha - Kavalam - Alapuzzha
[Boot] Alapuzzha - Nedumudi - Alapuzzha
[Boot] Alapuzzha - Kainakary - Alapuzzha
[Boot] Alapuzzha - Kollam - [Bus] Thiruvananthapuram
[Bus] Thiruvananthapuram - Kovalam - Thiruvananthapuram
[Bus] Thiruvananthapuram - Kanyakumari
[Zug] Kanyakumari - Tirunelveli - Tiruparankundram - Madurai
[Bus] Madurai - Dindigul - Tiruchirappalli
[Bus] Tiruchirappalli - Sitannavasal - Tiruchirappalli
[Bus] Tiruchirappalli - Thanjavur
[Bus] Thanjavur - Kumbakonam
[Bus] Kumbakonam - Dharasuram - [Rikscha] Kumbakonam
[Bus] Kumbakonam - Chidambaram
[Bus] Chidambaram - Puducherry
[Bus] Puducherry - Mammalapuram
[Bus] Mammalapuram - Kancheepuram - Mammalapuram
[Bus] Mammalapuram - Chennai
[Zug] Chennai - Nellore - Vijayawada - Warangal - Hyderabad
[Zug] Hyderabad - Raichur - Hospet - Hubli - Londa - Margao - [Bus] Palolem
[Bus] Palolem - Margao - [Zug] Ratnagiri - Mumbai
[Zug] Mumbai - Jalgaon - Kandwa - Bhopal
[Bus] Bhopal - Sanchi
[Rad] Sanchi - Udaigiri - Sanchi
[Zug] Sanchi - Bhopal
[Zug] Bhopal - Ujjain
[Bus] Ujjain - Dewas - Indore - Dhar - Mandu
[Bus] Mandu - Oonera - Damnod - Maheshwar
[Bus] Maheshwar - Omkareshwar
[Bus] Omkareshwar - Indore
[Bus] Indore - Dohad - Godhra - Dakor - Ahmedabad
[Bus] Ahmedabad - Mahesana - Patan
[Bus] Patan - Mahesana - Modhera - Mahesana - Patan
[Bus] Patan - Mahesana - Ahmedabad - Lothal - Sihot - Palitana
[Bus] Palitana - Rajkot - Junagadh
[Bus] Junagadh - Sasan Gir - Veraval - Somnath
[Bus] Somnath - Porbandor - Dwarka
[Bus] Dwarka - Okha - [Boot] Bet - Okha - [Bus] Dwarka
[Bus] Dwarka - Jamnagar
[Bus] Jamnagar - Rajkot - Bhuj
[Bus] Bhuj - Vanday - Bhuj
[Bus] Bhuj - Mandvi - Bhuj
[Bus] Bhuj - Mundra - Bhuj
[Bus] Bhuj - Bhujodi - Bhuj
[Zug] Bhuj - Dhrangadhra - Ahmedabad - Palanpur - [Bus] Abu Road - Udaipur
[Bus] Udaipur - Ranakpur - Ranakpur
[Zug] Udaipur - Chittaurhgarh
[Zug] Chittaurhgarh - Bundi
[Bus] Bundi - Kota - Bundi
[Bus] Bundi - Pushkar
[Bus] Pushkar - Ajmer - Pushkar
[Bus] Pushkar - Jodhpur
[Zug] Jodhpur - Jaisalmer
[Zug] Jaisalmer - Bikaner
[Bus] Bikaner - Deshnok - Bikaner
[Bus] Bikaner - Kolayat [Zug] - Bikaner
[Zug] Bikaner - Amritsar
[Zug] Amritsar - Delhi
[Zug] Delhi - Amritsar
[Auto] Amritsar - Attari - Amritsar
[Zug] Amritsar- Delhi - Mathura - Kota - Godhra - Vadodara
[Bus] Vadodara - Champaner [Auto] - Jambudhoda - Champaner - Vadodara
[Zug] Vadodara - Mumbai

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »yaWo« (19.05.2010, 18:40)


  • »yaWo« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 1 221

Wohnort: Mühldorf

Renommeemodifikator: 14

  • Nachricht senden

2

18.05.2010, 21:13

Mumbai (Bombay)

Bombay wurde 1996 in Mumbai umbenannt, wie auch Hunderte von Strassen und Gebäuden neue indische Namen erhielten (die sich kein Europäer und auch viele Inder gar nicht merken können): Victoria Station heißt jetzt Chhatrapati Shivaji Terminus, aber alle sprechen von Victoria oder VT.

Ankunft in Bombay, ähhh Mumbai nach Flugplan um 2:00 nachts. Ich habe noch nie einen Flug nach Indien erlebt, der NICHT spät in der Nacht ankommt (auch keiner unserer Freunde nicht). Da aber jeder Flug aus Europa in Mumbai (oder New Delhi) zwischen 2:00 und 4:00 nachts ankommt, gibt es immer einen großen Stau am Himmel. So auch diesmal: mehr als eine halbe Stunde kreiste unser Flugzeug um Bombay, landete dann und wartete dann nochmals 40 Minuten in einer langen Schlange auf einen Anlegeplatz am Terminal. Dafür dauerte die Immigration und die Gepäckausgabe nicht lange - seltsamer Weise ist unser Gepäck immer bei den letzten. Irgendwas machen wir da falsch.

Dann der erste Schreck: es regnet doch tatsächlich. Regnen sollte es in den nächsten Tagen noch öfters trotz Ende der Monsunzeit. Für uns nicht so schön, für die Inder dafür umso besser, da sie in diesem Jahr nur 70 % der durchschnittlichen Regenmenge während des Monsuns abbekommen haben. Die Zeitungen schreiben jedenfalls, dass es in den letzten 34 Jahren zu diesem Zeitpunkt zum ersten Mal geregnet hätte.

Seitdem es in Indien am Flughafen nur noch Prepaid-Taxis gibt, ist es bei Weitem nicht mehr so lustig wie früher. Sie fahren einen tatsächlich brav dorthin wo man hin will. Früher hatte man noch längere Umwege vor sich, wo man die (angeblich) schönsten und billigsten Hotels vorgeführt bekam (tatsächlich aber völlig überteuert, nur der Fahrer bekam dort Provision) und hörte dann - wenn man auf sein Ziel bestand - die schönsten und fantasievollsten Geschichten. In der Regel war das Hotel oder das Guesthouse abgebrannt und man erntete böse Blicke, wenn man unbedingt die Brandstelle besichtigen wollte, weil man ja Brandstellen so sehr liebt und so interessant findet. Oder - wie vor Jahren in Delhi - war das Hotel bei einem Terroranschlag in die Luft geflogen, "hundred of dead people" (schuld waren wie zu erwarten die bösen Pakistani). Natürlich hat es nirgendwo je einen Brand oder einen Terroranschlag bei einem dieser Hotels gegeben, aber die Geschichten waren immer gut erzählt und sehr amüsant. Jetzt ging es also einfach und direkt zum Hotel - Mittelklasse, trotzdem teuer (Mumbai ist die teuerste Stadt Indiens, die Hotelpreise sind zum Teil doppelt bis vierfach so teuer wie im übrigen Indien. Im Stadtzentrum in Colaba übersteigen die Bodenpreise teilweise die in Brocklyn). Unser Hotel lag genau 491 Schritte (meine Frau hat sie gezählt, da eine Freundin vor Weihnachten da hin wollte) südlich vom teuersten und besten Hotel Indiens, dem Taj Mahal, also ganz in der Nähe des Gateway of India.

Ach ja: meine Theorie, warum alle Flugzeuge nach Mitternacht in Indien ankommen: so können alle Hotels noch für die restlichen Stunden einen extra Tag berechnen.

Wie immer seit 20 Jahren hatten wir uns ganz fest vorgenommen nach Ankunft erst einmal ins Bett zu gehen und uns anständig auszuschlafen und wie immer haben wir das natürlich nicht getan, sondern haben nur unser Gepäck abgestellt, geduscht und umgezogen und dann raus zum Gateway of India und den Sonnenaufgang besichtet, dann ein Vegetarian-Restaurant gesucht, gefunden und gefrühstückt: Idli und Wada mit Gemüse- und Coconut-Sambal, dazu Chai...wunderbar.

Am nächsten Tag zum Victoria Terminus, für mich mit Abstand der schönste Bahnhof, den ich kenne - Tickets nach Aurangabad besorgen. Im Erdgeschoß stand ein Uniformierter und teilte Formulare aus (ein Bahnticket in Indien erfordert umfangreiche Formulareintragungen, u.a. Alter, Anzahl der Kinder, Name und Berufs des Vaters usw. Noch nie hat mir jemand erklären können, warum die das brauchen, die Formulare liest sicherlich nie mehr jemand. Die einzig sinnvolle und erklärende Aussage ist wohl: das war schon immer so.). Der Uniformierte erklärte mir gleich, da wäre eh alles ausverkauft, er zog mich zu einem Computer, der irgendwelche Zahlenreihen in Hindi ausspuckte und erklärte dann, dass in der ersten Klasse 14, in der AC-Klasse 20 und in der Sleeper-Klasse gar 156 Leute alleine auf Warteliste stehen. Dann zog er mich aus dem Bahnhof und brachte mich zu einem kleinen Shop - die Leute hätten Zugriff auf spezielle Internetquoten - natürlich waren die auch belegt, dafür hätten sie aber ganz billige Bustickets für nur 1080 Rupies (65 Rupies sind 1 EUR). Uns waren die 1080 Rupies trotzdem zu viel und zurück im Bahnhof-Reservation-Center fanden wir auch den Ticketschalter für Touristen und stellten uns an (es waren tatsächlich nur 6 Leute vor uns). Ein junges Mädchen vor uns hielt den ganzen Betrieb auf: sie hatte ein Forschungsvisum und bekam daher kein Zugticket, denn das gibt es nur mit Touristenvisum, sie solle doch am Schalter für die einheimischen Inder ein Ticket kaufen, aber die hatten sie schon dreimal abgewiesen, sie sei ja Touristin und kein Inder. Ich gab ihr den Tipp, den Station-Manager zu verlangen und den Schalter zu blockieren, bis der kam. Und tatsächlich: 5 Minuten später hatte sie ein Ticket von ihm höchstpersönlich. Wir bekamen natürlich auch noch Ticket (natürlich war der Zug nicht ausverkauft, aber einige Bahnbeamte arbeiten mit Schleppern und Travel Agencies zusammen und versuchen unbedarften Touristen überteuerte Tickets anzudrehen - besonders berüchtigt hierfür ist der Bahnhof von New Delhi). Unser Sleeper-Ticket für 8 Stunden Zugfahrt kostete stolze169 Rupies.

Viele Besichtigungstouren in Mumbai haben wir nicht unternommen, da wir es ja schon kannten. Einen größeren Spaziergang vom Gateway of India und vom Hotel Taj Mahal (ein sehr erholsamer Platz, wenn nicht gerade muslimisch-pakistanische Terroristen ein Blutbad anrichten wie im März 1993 mit mehr als 300 Toten, im Juli 2006 mit mehr als 200 Toten und im November 2008 mit mehr 173 Toten) aus, am Royal Yacht Club und am Regal Cinema, an der National Gallery und dem Prince of Wales Museum (jetzt Chhatrapati Shivaji Maharaj Vastu Sangrahalaya) vorbei, die M.G. Road (in Indien in der Regel immer die größte Einkaufsstrasse, M.G. Road bedeutet Mahatma Gandhi Road), durch die Forbes Road zur Keneseth Elisabeth Synagoge, dann zur Flora Fountain und zur St. Thomas'Cathedral und zur Townhall, entlang der University of Mumbai und dem High Court (alles wunderbare alte englische Gebäude) zurück nach Colaba. Abends dann zum großen Vergnügungspark am Chowpatty Beach.



  • »yaWo« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 1 221

Wohnort: Mühldorf

Renommeemodifikator: 14

  • Nachricht senden

3

18.05.2010, 21:19

Mumbai (Bombay)


  • »yaWo« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 1 221

Wohnort: Mühldorf

Renommeemodifikator: 14

  • Nachricht senden

4

18.05.2010, 21:27

Aurangabad

Wie immer in Indien sieht alles sehr viel umständlicher aus als es ist: mit dem Taxi zum Bahnhof, sogar den Zug fanden wir nach einer einzigen Frage (wobei ein indischer Bahnhof nicht mit einem europäischen Bahnhof vergleichbar ist, sondern eher mit dem Münchener Oktoberfest, allerdings ohne Besoffene), in den Zug rein, die Sitze hochgeklappt, wir hatten die obersten (ich kann nur jedem empfehlen, das oberste Berth zu nehmen, da ist es am ruhigsten), vom Chai-Verkäufer noch zwei Chais gekauft, dann Wecker gestellt und hoch ins Berth geschwungen. Pünktlich (nur 30 Minuten Verspätung) um 4:00 morgens in Aurangabad. Mit der Motorrikscha zu unserem Hotel - gab es natürlich nicht: dafür sahen wir fünf andere mit völligen Fantasiepreisen, naja die Kommission kostet halt. Das Kommissionswesen ist in Indien weit verbreitet und hat manchmal durchaus seine Berechtigung: man kommt nachts irgendwo an, die Guides stürzen sich auf einen, man sagt seine Preisvorstellung (vorsichtshalber um mindestens 30 bis 40 % zu tief) und lässt sich von einem Guide zu den entsprechenden Hotels führen. Analoges gilt für Geschäfte. In der Regel geht das ganz seriös ab, außer in einigen sehr touristischen Städten wie Agra und auch Aurangabad – obwohl nicht touristisch (hier bekommen Motorrikscha-Fahrer bis zu 35% des Kauf- oder Hotelpreises als Kommission, Fahrrad-Rikscha-Fahrer in Agra 15 %). Nun gut, zu guter letzt landeten wir dann doch noch beim Youth Hostel (und das auf unsere alten Tage): ein altes abgewohntes Gebäude mit unglaublich lieben und netten Leuten, die ständig den ganzen Tag putzen, aber da das Gebäude so alt ist, sieht es nie so sauber aus wie es in Wirklichkeit ist.

Am ersten Tag besichtigten wir das Bibi Qa Maqbara, das die Bewohner Aurangabads und des Deccan (das ist die Hochebene ringsherum) stolz als Baby-Taj Mahal oder als Taj Mahal des Deccan bezeichnen. An allen anderen Orten wird es allerdings als Poor Man's Taj Mahal bezeichnet. Aber man sollte es hier nicht erwähnen, das würde die Leute doch recht kränken und nett sind sie ja alle. Also: das Bibi Qa Maqbara ist ein Nachbau des Taj Mahal in Agra – allerdings in kleinen und mit unfeinerem Material: statt Marmor verwendete man hier Ziegel und weiße Farbe. Der Eintritt kostet für Inder 5 Rupies, für Touristen 100. Leider hat in den letzten Jahren in Indien die Angewohnheit zugenommen, von Touristen das zwanzig- bis fünfzigfache der indischen Eintrittspreise zu verlangen (der Eintritt zum Taj Mahal kostet z.B. fast 15 EUR, das ist mehr als viele Inder im Monat verdienen).

Das Bibi Qa Maqbara wurde von Aurangzebs Sohn als Mausoleum für seine Mutter gebaut und sollte ursprünglich wie das Taj Mahal auf weißem Marmor gebaut werden, aber der Vater Aurangzeb verhinderte dies und so wurden es nur Ziegel und weiße Farbe. Das muss man aber natürlich auch verstehen: Aurangzeb benötigte das Geld für seine Kriegs- und Vernichtungszüge. Aurangzeb war der missratene und ausgesprochen unsympathische Sohn des Shah Jahans (dem Erbauer des Taj Mahal). Während sein Vater und seine Vorväter sehr kunstbeflissene und tolerante Herrscher waren und Hindus, Christen, Juden, Sikhs, Jainas und Buddhisten völlig gleichberechtigt behandelten, tat sich Aurangzeb einzig durch einen wilden Vernichtungskrieg gegen die Hindus hervor: tagtäglich hielt er Hof und zahlte für jeden abgeschlagenen Kopf eines Hindus eine Silbermünze, in ganz Nordindien findet man heute fast keinen Hindutempel, der älter als 200 Jahre ist (im Guidebook heißt es da immer nur lapidar: Aurangzeb was here), Aurangzeb hatte alle Hindutempel zerstört. Da blieb natürlich kein Geld mehr für das Mausoleum der Ehefrau. Muss man halt verstehen.

Ein absolutes Highlight in Indien sind die großen Höhlen rund um Aurangabad: Ellora und Ajanta.



  • »yaWo« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 1 221

Wohnort: Mühldorf

Renommeemodifikator: 14

  • Nachricht senden

5

18.05.2010, 21:36

Ellora

Ellora, 30 km außerhalb Aurangabads, besteht aus 34 großen Höhlen, die von Buddhisten, Hindus und Jaina aus den Felsen geschlagen wurden (12 buddhistische, 17 hinduistische und 5 jainistische, alle zwischen dem Jahr 600 und 1000 aus dem Fels geschlagen). Die Höhlen sind zur Identifizierung einfach durchnummeriert. Die größte Höhle (Nr.16) ist eigentlich keine Höhle, sondern ein aus dem Berg geschlagener Tempel, der Kailash (benannt nach dem Berg Kailash in Tibet, für Buddhisten und Hindus das Zentrum der Welt). Er wurde von der Bergspitze herab völlig aus dem Felsen herausgeschlagen: je nach Schätzung nimmt man an, dass 200.000 bzw. 400.000 oder gar 500.000 Tonnen Gestein mit Menschenhand aus dem Berg geschlagen und entfernt wurden. Der Tempel ist wirklich unglaublich: den richtigen Eindruck der Größe gewinnt man, wenn man auf die Bergspitze steigt, dort den Tempel umrundet und dann unten ameisengleich die Menschen im Tempel sieht.

Bei den restlichen Tempeln handelt es sich oft um große, oft zwei- oder dreistöckige, oft auch recht große Höhlen; einige wenige sind kleiner und dienten als Mönchsschlafsäle oder -essensräume. Viele von ihnen sind mit wunderschönen Buddha- oder Jaina-Figuren ausgestattet. In den Hindutempeln findet man vor allem die 10 Inkarnationen des Gottes Vishnu, seltener die Götter Shiva oder Brahma. Beeindruckend ist der Gegensatz zwischen den statischen, meditativen Figuren der buddhistischen und jainistischen Anlagen und den fantasievollen, dynamischen Figuren der Hindu-Religion.


  • »yaWo« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 1 221

Wohnort: Mühldorf

Renommeemodifikator: 14

  • Nachricht senden

6

18.05.2010, 21:39

Ellora


  • »yaWo« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 1 221

Wohnort: Mühldorf

Renommeemodifikator: 14

  • Nachricht senden

7

18.05.2010, 21:46

Ajanta

Die Höhlen von Ajanta sind völlig anders als die von Ellora. Sie liegen an einer Flußschleife des Waghore und wurden von dem Engländer John Smith während einer Jagd im Jahr 1819 wieder entdeckt. Sie liegen 105 km nördlich von Aurangabad und sind wesentlich älter als die Höhlen von Ellora: die ältesten Höhlen stammen aus dem 2. Jht. v. Chr., die jüngsten aus dem 6. Jht. n. Chr. Das Herausragende an Ajantas Höhlen sind die wunderbaren feinen Steinmetzarbeiten und vor allem die unglaublich schönen Wandmalereien, die zum Teil mehr als 2100 Jahre alt und aus Pflanzenfarben gefertigt sind. Um die Malereien zu schützen, wurden vor einigen Jahren die Höhlen mit LED-Lampen und Aircondition ausgestattet, Blitzlicht ist verboten, Fotografieren ohne Blitzlicht aber erlaubt. Zur gleichen Zeit darf immer nur eine bestimmte Menge von Besuchern in die Höhlen. Ältere oder Gehbehinderte (oder nur Faule) können sich für 400 Rupies in einem Tragstuhl von je vier Leuten tragen lassen.

Besonders schöne Malereien findet man in den Höhlen 1,2,10,16,17.

Der Eintritt in Ellora und Ajanta beträgt je 250 Rupies.


  • »yaWo« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 1 221

Wohnort: Mühldorf

Renommeemodifikator: 14

  • Nachricht senden

8

18.05.2010, 21:49

Ajanta


  • »yaWo« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 1 221

Wohnort: Mühldorf

Renommeemodifikator: 14

  • Nachricht senden

9

18.05.2010, 21:53

Daulatabad

15 km außerhalb Aurangabad liegt das riesige Fort und die Ruinenstadt Daulatabad. Der Sultan Tuqhlaq von Delhi hatte 1328 die geniale Idee, dass es ihm in Delhi nicht mehr gefiel und er befahl alle Bewohner der Stadt auf einen 1100 km langen Marsch nach Daulatabad, wo sie eine neue Festung und Stadt erbauen mussten. Delhi verfiel in dieser Zeit zu einer Geisterstadt. Nach einigen Jahren befand Tuqhlaq, dass der Platz der neuen Hauptstadt strategisch doch nicht so günstig sei und befahl seine Untergebenen daher auf einen 1100 km langen Marsch zurück nach Delhi (hätte er sich auch früher überlegen können).

Der Weg hoch hinauf zum Palast auf der Bergspitze ist sehr schweißtreibend und nur für sehr fitte Leute zu empfehlen: es geht über Hunderte von Stufen nach oben. Vor allem die 300 m durch einen vollkommenen dunklen Tunnel mit absichtlich schief geschlagenen und glitschigen Treppenstufen (um die Feinde abzuhalten, einen anderen Weg nach oben gibt es nicht) kostet eine Menge Schweiß, zumal von den Wänden Wasser herunter läuft und es sehr stickig ist. Dafür wird man oben mit einer herrlichen Sicht (und meist einem angenehmen Wind, der die Kleider trocknet) auf die zerstörten Mauern, die Siegessäule Chand Minar und einen Hindutempel (im Stil einer Moschee) belohnt. Am Besten sollte man etwas zum Trinken mit nehmen, denn oben am Berg gibt es nichts zu kaufen. Überhaupt findet man hier wenige europäische Touristen, eine Reisegruppe von fünf Leuten schaffte es gerade bis zur ersten Treppe, so dass ich der einzige westliche Tourist war, der bis oben hin ging (meine Frau war im Hotel und erholte sich) - ein gefundenes Fressen für die fotowütigen Inder: ich brach meinen persönlichen Rekord und in fünf Stunden wurde ich von Indern insgesamt 64 mal fotografiert (da gefriert einem das Lächeln im Gesicht...war aber trotzdem lustig. Dort traf ich auch eine dreißigköpfige Gruppe aus Gujarat wieder, die ich schon aus Ellora und Ajanta kannte und wurde sofort zum Chai eingeladen).

Eintritt 100 Rupies.


  • »yaWo« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 1 221

Wohnort: Mühldorf

Renommeemodifikator: 14

  • Nachricht senden

10

18.05.2010, 21:58

Bijapur

Um 22:30 ging unser Sleeper-Bus nach Solapur los. Am Youth Hostel noch von den Leuten verabschiedet. dann in die Motorrikscha zur Travel Agency. Der Bus kam pünktlich und fuhr pünktlich los, sollte um 4.00 früh in Solapur ankommen, kam aber erst um 6:15 an (man konnte wunderbar schlafen, die Sitze hatten sicherlich doppelt so viel Beinabstand wie Flugzeugsitze). Zwei Stunden Verspätung in Indien sind ja so gut wie nichts. Zuerst wollten wir am Busbahnhof frühstücken, aber als wir nach dem Bus nach Bijapur fragten, wurden wir gleich in einen krummen und verrosteten Local Bus hinein geschoben und die Fahrt ging los. Irgendwie typisch Indien - alles geht einfacher als man erwartet.

Über eine für indische Verhältnisse hervorragend ausgebaute Strasse ging es nach Bijapur. Hunderte von LKWs fuhren in beide Richtungen, darunter viele Sattelschlepper (länger und höher als in Europa), die wir in Indien noch nie gesehen hatten. Anscheinend waren des Zu- und Ablieferer für das Hyundai-Werk in Solapur, das dort vor einigen Jahren gebaut worden war.

Nach zwei Stunden Frühstückspause (Idly und Vada mit Sambal), dann ging es wieder weiter. Kurz nach 9:00 waren wir am Busbahnhof von Bijapur. Es musste vorher geregnet haben, denn der gesamte Busbahnhof stand unter 15 cm Schlamm....Kein schöner Empfang. Nach einem zweiten Frühstück machten wir uns auf dem Weg, eine Pferdekutsche kam des Weges und die brachte uns zum Hotel Tourist, laut Lonely Planet, alt, etwas abgewohnt, aber sauber (die anderen wurden als neu, aber nicht sauber beschrieben - der ganze Ort ist etwas "basic"). Erstaunlicherweise war das Hotel gute indische Mittelklasse und tatsächlich sauber und das Doppelzimmer mit Fernseher kostete nur 250 Rupies.

Der Ort selber ist absolut tiefstes und bestes (andere sagen schlechtestes) Indien: laut, chaotisch, voll, hat aber unglaublich freundliche Leute (es gab aber auch keine anderen Touristen, jedenfalls sind uns keine über den Weg gelaufen). Die Inder hier sind vollkommen fotoverrückt: wenn wir eine Pferderikscha fotografieren, stehen sofort ein, zwei, drei oder mehr Schulkinder oder Erwachsene davor und grinsen in die Kamera. Jede zweite Marktfrau oder jeder zweite Händler will ein Foto von sich und ihrem/seinem Stand. Ständig schauen mehrere Leute beim Fotografieren über die Schulter und kommentieren die Fotos (sie gefallen ihnen alle, was aber nicht unbedingt ein Qualitätsbeweis ist). Fast alle bedanken sich, wenn man sie fotografiert. So was habe ich bisher auch noch nicht erlebt....

Hundertmal am Tag werden wir nach Name, Land und Kinder gefragt, das gehört einfach zum guten Ton in Indien. Begeistert sind sie alle, wenn man Gegenfragen stellt. Vor Jahren hat mir einmal ein Sikh erklärt, die Touristen wären so überheblich und unfreundlich, die würden die Inder gar nicht wahr nehmen und mit keinem reden. Tja, manchen Touristen wird es halt dann doch zu viel.

Abends in einem typischen indischen Bollywood-Film: "Ghamandee", grausam schlecht, vielleicht der schlechteste, den wir je gesehen haben (waren auch nur ca. 30 Inder im Kino). Der Regisseur hatte eine Vorliebe für erhobene Zeigefinger (mindestens jede dritte Minute hielt einer der Hauptdarsteller eine Rede mit herausgestreckten Zeigefinder) und viel Rauch (sogar die Universität oder der Flughafen wurden bis in einen Meter Höhe eingenebelt, eigentlich gab es in fast jeder Szene Nebel). Beides wahrscheinlich die unverwechselbaren Kennzeichen des Regisseurs.

Am nächsten Tag fuhren wir dann mit der Pferdekutsche zum Gol Gumbaz (30 Rupies, die Motorrikscha wollte mehr als das Doppelte und gemütlicher war die Kutsche auch). Das Gol Gumbaz ist ein riesiger Bau mit 33,22 m Höhe mit achteckigen, siebenstöckigen Türmen an den vier Ecken und der zweitgrößten Kuppel der Welt (nach dem Petersdom) mit 37,92 m Durchmesser, erbaut 1659. Die Wände sind an der Basis 3,05 m dick, unter der Kuppel 2,74 m. Das Gebäude ist ein islamisches Mausoleum für den Herrscher Mohammed Adil Schah, seine zwei Frauen, seine Geliebte und für eine seiner Töchter und für einen Enkel.
Über die Treppen in den vier Türmen gelangt man in die riesige Kuppel zur "Whispering gallery" und auf die Veranda außen rund um die Kuppel. Die Whispering gallery ist ein erstaunliches architektonisches Phänomen. Steht jemand gegenüber in der Kuppel und flüstert gegen die Wand, dann hört man ihn auf der gegenüberliegenden Seite, als stände er direkt daneben. Sagt man etwas laut oder klatscht in die Hände, dann läuft das Echo bis zu vierzehn mal rund um die Kuppel. Prinzipiell: meist sind allerdings unzählige Inder, darunter viele Schulklassen in der Gallerie und brüllen, schreien und pfeifen wie die Wilden und das gibt dann aufgrund der guten Akustik und des guten Echos einen infernalischen Lärm. Dann ist es nichts mit Flüstern oder Klatschen. Wir waren recht früh im Gol Gumbaz, am Freitag um 8:00 und es waren tatsächlich nur ein oder zwei Inder da und wir konnten Flüstern und Echo gut ausprobieren: die Angaben stimmen wirklich. Dann um 9:00 oder 12:00 war ein Höllenlärm im Mausoleum, dass die Ohren wackelten: Ruhe den Toten war da nicht...

Rund um das Gol Gumbaz liegt ein großer schöner Park, in dem wir uns einige Stündchen auf einen Sarong legten und die Sonne bzw. den Schatten genossen. Der Park ist wunderbar angelegt und ein richtiges kleines Tierreservat: über dem Gol Gumbaz kreisten manchmal bis zu 15 riesige Raubvögel, in den Bäumen gab es Papageien, kleine grüne schwalbenähnliche Vögel, unzählige Streifenhörnchen und viele Schmetterlinge. Ab und zu kam eine Kuh oder ein schwarzes, wildes Hausschwein (oder ein zahmes Wildschwein) in der Nähe vorbei. Die Ruhe war wunderbar erholsam, bis dann irgendwann um Mittag die Schulklassen auftauchten und uns alle Schüler und Schülerinnen persönlich lautstark begrüßen wollten. Alle wollten ein Foto - irgendwann brachen wir dann doch die Zelte ab und verschwanden im nächsten vegetarischen Hotel gegenüber.

Anschließend mit der Pferdekutsche (30 Rupies) zurück in die Altstadt zum zerstörten Palast: mitten zwischen Wohnhäusern, einem islamischen Viertel und einigen Slumhütten liegen die Überreste: die alte Empfangshalle Gagan Mahal, der siebenstöckige Palast Sat Manzil, der alte Wasserpavillion Jala Manzil und die kleine Moschee Mecca Masjid.

Das war es dann für den Tag. Am Main Basar noch das Abendessen eingekauft: Papaya, Granatapfel und Birnen aus Kashmir.


  • »yaWo« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 1 221

Wohnort: Mühldorf

Renommeemodifikator: 14

  • Nachricht senden

11

18.05.2010, 22:00

Bijapur


migath

Meister

(137)

Beiträge: 62

Wohnort: Gießen

Renommeemodifikator: 4

  • Nachricht senden

12

18.05.2010, 22:01

Hallo Dieter,

danke für Deine ausführlichen Informationen. Vieles kommt mir dabei sehr bekannt vor, obwohl ich vor 2 Jahren lediglich Rajasthan besucht hatte. Ja das Kommissionswesen, da habe ich auch so einiges erlebt. Aber immerhin bin ich morgens gegen 6 Uhr im Morgengrauen in Delhi gelandet, mitten im fetten Smog ...

Ich will Ende des Jahres als erste Station einer längeren Reise ein paar Wochen nach Südindien und werde sicher einige wertvolle Infos aus Deinen Berichten ziehen können.

Ich freue mich schon auf Die Fortsetzung!

Herzlichen Gruß

Michael


  • »yaWo« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 1 221

Wohnort: Mühldorf

Renommeemodifikator: 14

  • Nachricht senden

13

18.05.2010, 22:03

Frühstück in Indien


Ja, was frühstückt man also so in Indien? In den sehr guten und teuren Touristenhotels bekommt man durchaus die ach so langweiligen Sandwiches oder Toast, ab und an auch mit Spiegelei und Schinken. Schinken....darauf und auf Fleisch sollte man in Indien prinzipiell verzichten – zumindest wir tun es immer und haben es noch nie vermisst. Warum? Geht einmal über den Fleischmarkt von Mumbai, dann wisst ihr es. Ich war vor vielen Jahren einmal dort und aß dann über eineinhalb Jahre (auch in Deutschland) nur noch vegetarisch. Die Verhältnisse auf den Fleischmärkten haben sich zwar gebessert, aber dass Fleisch stundenlang in der Sonne hängt und von Fliegen und Maden umschwirrt werden, ist noch immer normal. Fleisch ist auch nicht nötig, denn Indien hat die beste vegetarische Küche, die man sich denken kann. Meine Frau und ich haben in Indien noch nie Fleisch, Wurst oder Fisch vermischt.

Ach ja Frühstück: da gibt es Idlys (gedämpfte Reisbällchen), einfache Vada oder Aloo Vada (heraus gebackene Kichererbsenkrapfen ohne oder mit Kartoffelfüllung, Puri (in heißem Fett heraus gebackener Teig, der sich manchmal bis zu Fußballgröße aufbläst, innen hohl) oder Pongal, eine Art Kartoffelpüree (aber natürlich ausgiebig gewürzt). Zu allen gibt es einen Gemüsecurry und ein Kokosnuß-Sambal (schmeckt beides ausgezeichnet). Oder Sheera, süß, aus irgend einem Getreide gemacht, hat Ähnlichkeit mit Griesbrei, aber wesentlich besser gewürzt und mit Rosinen und Cashewnuts, einfach hervorragend. Dann gibt es noch diverse Dosa-Arten (eine Art indischer Pfannkuchen, natürlich ohne Ei), mit und ohne Füllung, mit und ohne Tomaten oder Zwiebel, dick (als Uttapam) oder dünn oder ganz dünn als Paper Dosa oder mit unterschiedlichen Gemüse oder Kräutern (Rava Dosa). Im Norden gibt es einige Fladenbrotsorten zum Frühstück (Chapathis), in Kerala oder Tamil Nadu Parathas, die man mit Churries isst. Frühstück im Norden Indiens kann aber zum Problem werden, denn meistens gibt es nur irgendwelche gefüllte Teigwaren, die in Fett herausgebacken werden und dadurch recht fetttriefend (aber auch sättigend sind). Häufig – speziell in billigeren Lokalen oder Strassenständen ist das Öl auch nicht mehr das Frischeste.

Zu alledem trinken die Inder Wasser, was man als Tourist tunlichst vermeiden sollte, da es aus der Wasserleitung kommt (auch wenn es aus großen Kästen mit der Aufschrift „filtered water“ kommt, sollte man es meiden, da häufig die Filter häufig sehr alt und damit unsauber sind). Man trinkt Mineralwasser aus der Flasche. Nach meiner Erfahrung kommt die größte Gefahr, sich etwas im Urlaub zu holen, durch unsauberes Wasser.

Und zum Schluss dann in der Regel Chai oder (im Süden Kaffee). Beide sind natürlich gesüßt und mit viel Milch serviert. Trinkt man mehr als eine Tasse, kann man die Inder immer wieder überraschen - das kennt man nicht. Noch ein Hinweis: man sollte NIE in einem indischen Restaurant erwarten, dass man den Chai zum Essen bekommt, auch wenn man ihn dazu bestellt (und extra darauf hinweist): die Inder sind da stur, Chai bekommt man erst nach dem Essen, alles andere ist ungesund. Naja, man gewöhnt sich dran (Ausnahmen gibt es natürlich in reinen Touristenhotels).

Ach ja: noch ein wichtiger Tipp. In Indien isst man mit der Hand (ein Dosa oder Idly kann man nur schwer mit Besteck essen). Daher: vor dem Essen immer demonstrativ und sorgfältig die Finger waschen (Waschstellen gibt es in jedem Restaurant) und nie mit der linken Hand essen, die benutzt man wie in den muslimischen Länder statt Toilettenpapier.

  • »yaWo« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 1 221

Wohnort: Mühldorf

Renommeemodifikator: 14

  • Nachricht senden

14

18.05.2010, 22:03

Müllabfuhr

Die Müllabfuhr in Indien besteht im Wesentlichen aus den herumstreunenden Kühen, die alles, was auch nur irgendwie genießbar ist, vertilgen - beliebt ist zum Beispiel Karton und Zeitungspapier neben den Gemüse- und Obstabfällen. In Maharastra werden sie von unzähligen Schweinen unterstützt, was erstaunlich ist, da es in Maharastra eine relativ große Anzahl von Moslems gibt und die den Schweinen ja nicht so wohl gesonnen sind. Die indischen Schweine sind schwarz und sehen aus wie deutsche Wildschweine - nur sehr viel dreckiger und sie laufen auf Strassen, Busbahnhöfen und Müllhalden herum. Sieht man ihnen zu, dann kann man den Widerwillen der Moslems sehr gut verstehen: in jeden Müllhaufen stecken sie ihre Nase, im dreckigsten Dreck- und Schlammloch wühlen sie, an einer Stelle streiten sie um die toten Überreste eines Artgenossen und wenn eine Kuh mal einen Fladen fallen lässt, dann sind gleich zwei, drei Schweine da und verputzen ihn. Nun ja: sagen wir mal, sie sind gewöhnungsbedürftig und ästhetisch nicht der Höhepunkt.

Dann gibt es noch einige Müllsammler, allerdings nicht in den Mengen und nicht so professionell organisiert wie in Kairo, wo wohl einige Zehntausend Menschen vom, im und mit dem Müll leben.

Sonst sind Inder reinlich Leute. Es gibt wohl kein Volk, wo soviel gekehrt wird. Gekehrt wird vorwiegend morgens, abends, mittags, vormittags und nachmittags. Inder haben eine unnachahmliche Art zu kehren: in ihrer typischen Hockstellung (in der sie stundenlang auf den Hacken sitzen können - ein Europäer hält dies keine fünf Minuten aus), kehren sie Staub und Müll vor ihren Häusern und Geschäften weg auf die Strasse oder in irgendein Eck, machen dort einen schönen Staub- und Müllhaufen - und lassen ihn liegen (es gibt halt nicht in jedem Ort eine Müllabfuhr). Der nächste Windstoß oder ein vorbeifahrenden Bus oder LKW verteilt dann wieder alles in der Umgebung. Dann beginnt spätestens am Abend die nächste Kehrrunde.

Straßenkehrer in Indien: da gibt es eine nette Geschichte über den ersten Premierminister Indiens, Jawaharlal Nehru. Nehru war ja ein sehr westlich erzogener Mann und kannte seine Inder, vor allem die einfacheren Menschen - sicherlich nicht sonderlich gut oder nicht so gut wie sein Weggefährte, der große Mahatma Gandhi. Als er sah, dass indische Straßenkehrer in Hockestellung mit einem kleinen Besen kehrten, beschloss er, dass ein freier Inder (es war ja kurz nach der Unabhängigkeit) nicht wie ein Sklave in Hockestellung arbeiten solle, sondern wir ein freier, würdevoller Mensch im Stehen. Also ließ er in New Delhi schöne Besen mit langen Stielen austeilen, damit man im Stehen kehren konnte. Einige Tage später sah man dann überall hockende Straßenkehrer, die sich fürchterlich mühten mit den langen Besenstielen zu kehren - warum sollte man auch stehen, wenn man die Arbeit bequem in hockender Stellung machen konnte?

Inder sind trotz allem Leute, die auf Sauberkeit sehr viel Wert legen, vor allem die reicheren Menschen, die häufig demonstrativ in blütenweißer Kleidung herumlaufen. Auch die Reinlichkeits- und Reinigungsrituale der Brahmanenkaste sind sehr umfangreich. Aber auch die Menschen der Mittelklasse oder der ärmeren Schicht legen Wert aus Sauberkeit: häufig sieht man in irgendeinem Slum Menschen in weißen Kleidern oder in Schicken Saris aus irgendeiner Blechhütte treten und in die Arbeit zu gehen. Auch als ich meine Patenkinder in einem Slum Dehlis besucht hatte, war ich erstaunt, wie sauber die Hütten und die kleinen Vorplätze waren – auf der Strasse bekann dann allerdings der Dreck. Ist aber kein Wunder: wo nichts asphaltiert ist, es zu wenig Toiletten, keine Abwasserkanäle und keine Mühlabfuhr gibt, muss wohl Dreck und Müll herum liegen. Häufig sieht man auch, wie der Müll – natürlich auch Plastik und Getränkeflaschen – verbrannt wird: Gesund ist dies wegen des Dioxinausstosses sicherlich nicht.

Beiträge: 71

Wohnort: Weiz

Beruf:

Renommeemodifikator: 11

  • Nachricht senden

15

19.05.2010, 05:28

Halo Dieter, :)
ich muß sagen ein sehr beeindruckender, interessanter Bericht
mit wunderschönen Bildern sowie super Ratschläge dazu.

Danke.
:thankyou:
Liebe Grüße
Viktoria

Beiträge: 17

Wohnort: Weitersburg

Beruf: Vertriebsmarketing

Renommeemodifikator: 4

  • Nachricht senden

16

19.05.2010, 09:15

Hallo Dieter,



danke für den super Bericht :feur: .

Ich habe ihn gierig gelesen und freue mich auf die Fortsetzung.



Vieles kommt mir sehr bekannt vor :D .

Ist echt witzig, wenn die Inder einen fotografieren wollen.
Da bekommt mal einen Eindruck, wie die sich sonst fühlen :-) .



VG Silke
In der Welt zuhause!

Beiträge: 1 096

Beruf: Reiseverkehrskauffrau im Ruhestand

Renommeemodifikator: 17

  • Nachricht senden

17

19.05.2010, 09:41

Hallo Dieter

Ein Super Bericht und ich freue mich schon auf die Fortsetzung.

Aber das Beste ist das Du Gesund wieder zurück bist.
:--) :--) :--) :--) :--) :--) :--)
Liebe Grüße
Siggi
In der Fremde erfährt man mehr als zu Hause.
Aus Tansania

Beiträge: 333

Wohnort: Essen

Beruf: Universalgenie

Renommeemodifikator: 17

  • Nachricht senden

18

19.05.2010, 16:41

Beispielhaft!!!

Hallo Dieter,

ein perfekter Reisebericht mit unzähligen hilfreichen Tipps und schönen Photos!
:thumbsup:
Herzlichen Dank dafür und es geht doch hoffentlich noch weiter!?

Gruß

Joey
Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.

Albert Einstein

Beiträge: 181

Wohnort: Wegberg

Beruf: Büroangestellte

Renommeemodifikator: 11

  • Nachricht senden

19

19.05.2010, 19:03

Hallo Dieter,

ganz große Klasse ,es macht richtig Spass auf die Fortsetzung der tollen Reise zu warten.Die Bilder dazu sind einzigartig ,Kompliment .

Man kann sich richtig in diese Reisebeschreibung festlesen,ich komme mir vor als ob ich mit dabei war.

LG Andrea

:--)
" Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden" :--)

(Mark Twain)

  • »yaWo« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 1 221

Wohnort: Mühldorf

Renommeemodifikator: 14

  • Nachricht senden

20

19.05.2010, 20:32

Badami

Früh um 8:00 zum Busbahnhof - zuerst einmal frühstücken im Bahnhofsrestaurant. Aloo Vada (mit Kartoffel und Gemüse gefüllte Vada) bestellt, aber die Inder verstehen ab und an etwas anderes als wir bei ihnen bestellen: es kam ein mit diversen Gemüsen gekochter Reis, war aber ausgezeichnet. So lernt man wenigstens die Landesküche kennen.

Um 10:00 ging es schließlich los nach Badami. Zuerst nach Balakot, dann umsteigen, der Bus kam passender weise genau nach einer Chai-Pause, dann über übelste, teilweise einspurige Nebenstrassen nach Badami. Badami ist eine ehemalige Hauptstadt der Chalukya-Dynastie von 540 bis 757, heute aber nur noch ein kleiner Ort mit 21000 Einwohnern und vier Hotels, die sich anscheinend abgesprochen haben und für die übelste Räuberhöhle bereits 400 Rupies verlangen (woanders bekommt man so eine Räuberhöhle für 150 bis 200 Rupies). Für ein einigermassen anständiges Zimmer verlangen sie schon 800 Rupies. Schließlich kamen wir für 400 Rupies in einem etwas besseren Hotel unter, nachdem wir mit dem Rezeptionisten gehandelt und drei Nächte zugesagt und ihn mit 50 Rupies bestochen hatten (statt 500 Rupies pro Nacht).

Dann Essen: als Vorspeise in Kichererbsenmehl gebackene Chillies (wunderbar), Egg Masala (Eiercurry) und Malai Kofta mit Naan, als Nachspeise Sheera und zwei Chai. Zusammen mit einer Flasche Trinkwasser knapp 2 EUR.

Anschließend einen kurzen Spaziergang durch das Dorf. Badami war die Hauptstadt eines riesigen Reiches, das von Kanchipuram im Süden bis zum Narmada Fluß in Gujarat reichte und liegt an einer langen roten Felsenwand und einem Stausee, dem Agastyatirtha, aus dem 15. Jahrhundert. Rundherum liegen einige Tempel, u.a. der Bhutanatha, einer der ältesten süudindischen Tempel und ein Musterbeispiel der drawidischen Tempelbaukunst. Er ähnelt ziemlich dem Strandtempel im Mammalapuram. Auf der Hügelkette oben liegt das riesige, zerstörte North Fort. Das South-Fort ist nur noch ein Haufen Steine – der Aufstieg lohnt sich hier nicht. Das Interessanteste und historisch Bedeutendste sind allerdings die fünf großen Höhlentempel (100 Rupies Eintritt) mit einigen der schönsten, vor allem aber den frühesten Steinmetz-Arbeiten in Indien. Zusammen mit Pattakal und Aihole war Badami so etwas wie eine Art Versuchsstätte für den südindischen Tempelbau: wie in Mammalapuram wurde hier der endgültige Stil der südindischen Tempel entwickelt.

Das Dorf selber ist für indische Verhältnisse relativ reich mit schönen, kleinen Gassen, buntbemalten Häusern, schön geschnitzten Türen und Toreingängen und natürlich unzähligen Kindern, die hier - das erlebten wir jetzt zum ersten Mal - ständig pens, Rupies oder chocolate wollen: wahrscheinlich kommen hier zu viele Reisegruppen vorbei, die die Taschen voll mitgebrachter Kugelschreiber und Schokolade haben und damit die Kinder korrumpieren. Selbst die erwachsenen Inder sind recht erbost, wenn sie Kinder so betteln sehen, denn wirklich arm sind sie hier nicht.


Verwendete Tags

Indien