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19.05.2010, 20:36

Badami


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19.05.2010, 20:42

Aihole

Am 24.11. fuhren wir früh morgens mit dem Local Bus nach Aihole, einer weiteren Hauptstadt der Chalukyas. Für 40 km braucht man fast zwei Stunden, da die Straßen durchweg einspurig und sehr schmal sind. Im heutigen Dorf Aihole gibt es fast 100 Tempel aus dem 4. bis 6. Jahrhundert, malerisch zwischen den Häusern der Dorfbewohner gelegen. Am ausgefallendsten der Durga-Tempel (100 Rupies Eintritt) mit seinem buddhistischen Baustil und der Sikhara, der Gandar-, Ladkhan- Kontigudi- und Hucchapaya-Tempel.

Anschließend ging es weiter nach Pattadakallu. Anders als Lonely Planet beschreibt, gibt es am Tag nur vier Busse (er schreibt von vielen Bussen), aber man kann sich eine Motorrikscha für 200 Rupies mieten oder – wie wir nach einem Chai – mit einer Sammelrikscha für je 10 Rupies fahren. Unsere Erfahrung: wenn etwas nicht so geht wie es soll, erst einmal Chai trinken, dann findet sich in Indien immer etwas.


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19.05.2010, 20:43

Aihole


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19.05.2010, 20:48

Pattadakallu

Also mit der Sammelrikscha und neun weiteren Indern nach Pattadakallu – schön eng aneinandergedrückt, da kommen automatisch Gespräche auf. Die Tempel von Pattadakallu (200 Rupies Eintritt) sind ausgefallen schön und man sollte sich genug Zeit bei der Besichtigung lassen. Zu Pattadakall gibt es einen ausführlichen Artikel in der Wikipedia, darum hier keine weiteren Beschreibungen.


http://de.wikipedia.org/wiki/Pattadakal


Mit einem kleinen Local Bus zurück nach Badami (statt vorgesehener 20 Menschen, sassen sicherlich 40 drinnen).


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19.05.2010, 20:49

Pattadakallu


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19.05.2010, 20:51

Indischer Verkehr

Am nächsten Tag ging es mit dem Local Bus weiter nach Hospet. Wir hatten zweimal bei der Enquiry am Busbahnhof nachgefragt: der Bus geht ganz sicher um 6:30. Punkt 6:00 waren wir am Busbahnhof, um noch einen guten Sitzplatz zu bekommen - natürlich war kein Bus da. Also zuerst einmal zwei Chai getrunken, dann auf den Bahnhofmanager gewartet und den gefragt: der Bus kommt um 6:45. Dann an der Enquiry gefragt: der Bus kommt um 7:00. Schließlich wurde es 6:45, dann 7:00. Der Bus kommt ganz bestimmt in 10 Minuten, nach 10 Minuten: der Bus kommt ganz bestimmt in einer Viertelstunde... Um 7:45 kam er dann, nicht wie erwartet von einem anderen Ort, sondern aus dem Busdepot hinter dem Bahnhof, ganz leer. Wir ergatterten uns zwei Sitze ganz vorne mit wunderbarer Sicht auf die Strasse - ein Sitz nicht für Furchtsame.

Ein indisches Fahrzeug ist fahrtüchtig, wenn die Hupe funktioniert und die an unserem Bus war sehr laut und mit vier verschiedenen Klängen. Schlecht ist es auch nicht, wenn die Bremsen funktionieren. Das Reifenprofil sollten sich nur hart gesottene und furchtlose Heldennaturen ansehen. Seitenspiegel gibt es in der Regel auch nicht, die hindern beim dicht-aneinander-vorbeifahren und indische Autofahrer fahren immer auf Haut- bzw. Blechkontakt - selbst im schlimmsten Bombayer Verkehr fährt man im Abstand von 10, 20 cm nebeneinander her, wobei es natürlich keine Fahrspuren gibt und man ständig die Spuren wechselt. Aufpassen muß anscheinend immer der Fahrer hinten. Viele Fahrzeuge haben denn auch gar keinen Rückspiegel oder nur ganz kleine (wir sahen Überlandbusse mit einem 4 mal 3 cm großen Rückspiegel).

Angeblich gibt es in Indien auch Verkehrsregeln - tatsächlich haben wir in einem Polizeibüro und an den Strassen Verkehrsschilder gesehen - aber nie ein Fahrzeug, ob LKW, Bus, PKW, Traktor, Pferdefuhrwerk, oder Fahrrad oder einen Fußgänger, der sich daran hält - wir natürlich auch nie. Es gibt eigentlich nur eine Regel: der Größere hat recht und die Wasserbüffel und Kühe sind stur und gehen nie auf die Seite. Hat man diese Regeln verinnerlicht, kommt man ausgezeichnet zurecht.

Eine wichtige Verkehrsregel scheint zu sein: immer hupen. In Cochin befand sich gegenüber unserem Homestay eine Fahrschule und wir konnten gut überprüfen: nähert sich ein Auto einer Kreuzung, dann muss gehupt werden. Hupt niemand zurück, dann brettert man ohne zu schauen über die Kreuzung oder biegt rechts oder links ab – Fußgänger und Radfahrer werden die Hupe schon gehört haben und sich entsprechend verhalten. Hupt an einer Kreuzung oder Abbiegung jemand zurück, dann wird man etwas langsamer, schaut wer da kommt und dann kommt die Regel „Der Größere hat Vorfahrt“ zum Zug.

Wobei das Hupen durchaus auch eine kommunikative Seite hat: man hupt, wenn man einem Auto begegnet, man hupt, weil andere hupen, man hupt, weil hupen Spaß macht, man hupt, damit andere sehen, was für ein großes Verkehrsmittel man hat (meins ist größer als deins) und man hupt, um andere Verkehrsteilnehmer von der Straße zu sprengen. Wie kommunikativ eine Hupe sein kann, habe ich in Thanjavur erlebt: an einen Rikschastand standen acht Motorrikschas, eine war leer und hatte eine Trompetenhupe mit einem großen Ball zum Drücken – das tat ich denn auch und sofort antworteten mir von den acht Motorrikschas fünf – eigentlich ohne Sinn und Verstand, denn sie standen ja einfach herum und warteten. Wahrscheinlich war es ja nur freundlich und als Antwort gemeint. Ist aber manchmal doch irritierend und sehr lärmend – lärmempfindlich darf man in Indien nicht sein, obwohl man mit der Zeit durchaus eine gewisse Lethargie entwickelt, um dem Lärm zu entgehen (nach drei Monaten Indien konnte ich direkt über einem Kino schlafen, obwohl die Kino-Lautsprecher voll bis zur Übersteuerung aufgedreht waren).

Ein wichtiger Tipp für Fussgänger: ein fahrender Indier ist immer besser als ein gehender. Darum fährt ein Inder mit seinem Fahrzeug immer, aber wirklich auch immer vor einem über die Strasse gehenden Menschen vorbei, auch wenn es hintenherum kürzer und gerader wäre. Ich habe es selbst erlebt, dass ein Motorradfahrer einen grossen Bogen schlug und mindestens zehn Meter weiter fahren musste, nur um vor mir vorbei zu fahren. Das Vorne-Vorbeifahren scheint reine Prestigesache zu sein. Wenn man dieses Verhalten einmal verinnerlicht hat und nicht über Sinn und Unsinn nachdenkt, kommt man damit aber ganz gut zurecht. Sollte einmal ein Inder doch hinter einem Fussgänger vorbei fahren, dann ist es sicherlich ein Auslandsinder aus Europa, der gerade zu Besuch in der Heimat ist.

Tiere auf Indiens Strassen sind den Verkehr gewohnt und verhalten sich durchaus vorausberechenbar: eine Kuh bleibt stehen oder geht zur Seite (in Europa würde sie in Panik herumwetzen), ein Esel bleibt in der Regel immer stehen und ein Wasserbüffel wird immer ganz, ganz langsam und gemächlich zu Seite gehen, aber immer erst nachdem er den Fahrer zu einer Bremsung gezwungen hat.

Unsere Fahrt nach Hospet sollte eigentlich geradenwegs nach Süden gehen, der Bus fuhr aber geradewegs auf einer einspurigen Strasse nach Norden - jedes entgegenkommende Fahrzeug zwang zu waghalsigen Ausweichmanövern. Eine hektische Rückfrage - ja, es geht tatsächlich nach Hospet. Nach einer Stunde Fahrt nach Norden ging es weiter auf einer ebenso schmalen Strasse strikt nach Nordosten. Na, Hospet war nur 140 km von Badami entfernt, jetzt verstand ich, warum wir 6 Stunden brauchen sollten. Badami liegt - mal flapsig gesprochen - in der tiefsten Prärie (darum gibt es dort auch so wenig Touristen) und ist nur durch einige wenige kleine Strassen mit der Außenwelt verbunden. Schließlich kamen wir an die große Nordsüdverbindung von Solapur über Hospet nach Bangalore, auf die Strasse, auf der für große Automobilfabriken Material an- und fertige Wagen abtransportiert werden. Dementsprechend voll war die Strasse, eine ununterbrochene Kolonne von LKWs, Ochsenkarren und Sattelschleppern nach Norden und Süden. Unser Busfahrer kam nun in Fahrt und zeigte, was er konnte. Wie ein Wilder überholte er, was zu überholen ging. Dabei muss man wissen, dass in Indien alles in der Mitte der Strasse fährt, wenn es irgendwie geht. Kommen sich zwei Fahrzeuge entgegen, dann fahren sie in der Mitte der Strasse aufeinander zu und einige Meter vor dem Zusammenstoss weichen sie nach links aus (in Indien herrscht Linksverkehr). Sitzt man vorne im Bus hat man zwar eine wunderbare Sicht auf Landschaft und Strasse, aber auch auf den entgegenkommenden Verkehr. Und unser Busfahrer überholte ununterbrochen und in den unmöglichsten Situationen - mit seiner Vierklanghupe bahnte er sich den Weg, überholte irgendeinen LKW, hupte wie ein Verrückter, scherte dann vor dem LKW ein (und zwang den zu einer Fastvollbremsung), etwa zwei Meter vor dem entgegenkommenden LKWs (die natürlich auch bremsen mussten). Dass Busse absolute Vorfahrt haben und die schnellsten Verkehrsteilnehmer sind (schneller als fast alle PKWs), ist normal, aber so einen verrückten Fahrer hatten wir auch noch nie.

Schließlich kamen wir um 14:00 doch noch nach Hospet und wie immer - raus aus dem Bus und ins nächste Restaurant gegenüber (wir hatten ja kein Frühstück) und bekamen da eines der besten Essen in Indien: Masala Dosa, Mineralwasser, Chai für zwei Personen für 1,50 EUR.

Dann mit dem Local Bus weiter nach Hampi, 30 Minuten.

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19.05.2010, 20:56

Hampi

Hampi, einer der faszinierendsten Orte in Indien, für mich einer der schönsten Plätze, die ich kenne. Hunderte von Tempel- und Schlossruinen verstreut inmitten von riesigen aufeinander geschichteten Steinbrocken, eine Landschaft, von der man meint Riesen hätten hier Steine wild durch einander geworfen. Mitten drin das Dorf Hampi am Fluß Tungabhadra, der bei Hospet zu einem der größten Stauseen Indiens aufgestaut wird. Der Staudamm ist der größte rein aus Ziegelsteinen erbaute Staudamm der Welt.

Hampi ist jetzt wieder ein beschaulicher friedlicher Ort, nachdem die indische Regierung die israelische Mafia zerschlagen und ausgewiesen hat. Die hatte Schutzgeld erpresst, den Rauschgiftmarkt beliefert, Diebstähle und Einbrüche und einige üble Gewalttagen auf dem Gewissen (ähnliches gibt/gab es auch in Arambol - das wird durch die russische Mafia beherrscht - oder in Auroville - da führten die deutschen und französischen Gruppen Bandenkriege und schlugen sich um die Geldtöpfe der UNO bis die indische Regierung Auroville unter die Zentralverwaltung New Delhis stellten). Israelis bekommen jetzt nur noch alle 5 Jahre ein Visum und das Visum ist ungefähr zwanzigmal so teuer wie für Deutsche. Viele Pseudo-Yogis, die das Rauschgift belieferten, wurden aus dem Gebiet um Hampi vertrieben. Jetzt gibt es nur noch die Pseudo-Yogis, die wie Kasperle verkleidet herumlaufen und sich für 100 Rupies fotografieren lassen - aber nur naive Gruppenreisende, die erst zwei Tage in Indien sind, fallen darauf herein. Abends, wenn der Arbeitstag beendet und die Gruppenreisenden in ihren Luxushotels zurück sind, sieht man sie dann in ihren Zivilklamotten am Chai-Stand sitzen.

Gestern trafen trafen wir einen Deutschen, 67 Jahre alt, in feinen Klamotten und weißen Schuhen (in Indien!). Er setzte sich zu uns auf die Steinbank am Chai-Shop und entpuppte sich als ehemaliger Hippie, der 1974 zum ersten Mal in Hampi war. Damals gab es noch keine Guesthouses und er hatte drei Monate in den Felsen bei einem Yogi gewohnt, meditiert, LSD und Haschisch konsumiert und - wie er sagte - einen Teil seiner Seele hier gelassen. Dementsprechend kommt er auch jedes Jahr wieder. Zwei andere Althippies schwärmten ebenfalls von den alten schönen Zeiten und bekamen dabei ganz schwarze sehnsüchtige Augen. Tja, ich kam zum ersten Mal 1984 hierher und da hatte die Hippiezeit schon ihren Höhepunkt überschritten und es gab nur noch einen müden Abklatsch - schade.

Heute habe ich eine große Runde durch die Gegend gedreht, so an die 20 Kilometer - alleine, meine Frau wollte einen Ruhetag. Also um 7:00 los. Zuerst am Tungabhadra entlang nach Osten, am Soolai Bazar vorbei, zum Ramatempel, nach Kings Balance bis hinter den Shiva Tempel, am Vittalatempel (nicht besichtigt, den kannte ich schon und den Eintrittspreis von 250 Rupies und 50 Rupies für die Kamera empfand ich durchaus als Wucher). Nach dem Vittala ein großer See und ein kleiner Badeanlage, der Pushkarini mit einer Unmenge von Vögeln. Weiter durch die Steine umgeben von Hunderten von Streifenhörnchen, Echsen und Affen (wenige der aggressiven Rhesusaffen mit den roten Ärschen, dafür viele von den freundlichen und eleganten Hanuman-Äffchen mit den schwarzen Gesichtern). Vor einigen Jahren hatten wir in Sikandra beim Mausoleum Akbars folgendes Erlebnis: ein etwa siebenjähriger indischer Junge saß an einer Treppe und ass Bonbons, einer der Hanuman-Affen sah dies und kam näher, worauf der Junge anfing wie am Spieß zu schreien. Der Affe langte freundlich mit einer graziösen und eleganten Bewegung seiner langen Fingern in die Hemdtasche des Jungen und holte sich ein Bonbon, öffnete elegant das Papier, steckte sich das Bonbon in den Mund, drehte sich um und verschwand. Das war einfach perfekt...

Am Talariguttu Gate traf ich eine Busladung Pilger in ihren schwarzen Sarongs und Hemden (auch indische Pilger pilgern in der Regel nicht mehr zu Fuß, sondern fahren bequem mit Bus oder Taxi). Sie wollten mich zum Essen einladen, aber dann wäre ich vor zwei Stunden sicherlich nicht weggekommen. Jetzt ging es zu Fuß durch riesige Bananenplantagen weiter - naja, der Tempelelefant Lakshmi in Hampi verspeist sicherlich jeden Tag einen Zentner Bananen, die ihm die Gläubigen spendieren. Lakshmi steht den halben Tag im Tempel und bekommt Bananen und Geld - vor dem Tempel sitzen denn auch mindestens zehn Frauen und verkaufen Bananen. Die Bananen frisst Lakshmi, das Geld gibt er seinem Wärter und dem Spender legt er als Segen seinen Rüssel auf den Kopf - nicht umsonst ist der elefantenköpfige Ganesha einer der beliebtesten Götter in Indien. Ach ja, die unzähligen Affen bekommen auch ihren Teil - sie gehören ja zum Heer des hoch verehrten Affengenerals Hanuman, dessen Geburtsort angeblich auf der anderen Seite des Tungabhadra liegt - und wenn sie nichts bekommen, dann klauen sie es sich einfach.

Überall zwischen den Bananenstauden und in den Felsen der Berge stehen unzählige Tempelruinen, meist kleinere Tempel, häufig sehr ähnlich. Sicherlich gibt es künstlerisch wertvollere Tempel, aber in Hampi erschlägt einen die Menge und die unvorstellbare Lage zwischen den Felsbrocken und Hügeln. Irgendwann besichtigt man dann nur noch die großen Anlagen: den Ganigitti Jaintempel mit seinem Blumengarten, Bhimas Gate mit der großen Figur Bhimas, des Helden aus dem Mahabarata, den Sarasvati Tempel, das Octoganal Bath, den Königspalast...

Bald wird es mir zu heiß und ich lege mich im Schatten eines großen Baumes im Königspalast in die Wiese - rundherum mindestens fünfzehn Frauen, die Unkraut jäten - geht halt nicht anders, ist der einzige Schatten hier. An Ruhe ist bei fünfzehn Indern natürlich nicht zu denken. Woher kommst du, wie heißt du...meist ist dann die Konversation beendet, das aber natürlich auch fünfzehn mal. Damit es mir nicht so langweilig wird, komme ich heute aus Japan und heiße Schneewittchen. Die Inder stört es nicht, nur manchmal muss man scharf nachdenken, wie heiß man denn gestern oder vorgestern, wenn man mal wieder einen Inder vom Vor- oder Vorvortage trifft. Dass ich nicht unbedingt japanisch aussehe, hat anscheinend noch keinen gestört.

Irgendwoher kommt Trommelmusik: ich gehe dem Klang nach und komme zu einem kleinen Tempel. Zwei Trommler, eine Menge Erwachsener und eine größere Menge Kinder ziehen zu einem Brunnen. Keiner spricht Englisch und kann mir erklären, um was es da geht. Ein Baby wird mit weißer und roter Farbe angemalt und bekommt einen Blumenkranz umgehängt. Ein anderer Deutscher kommt hinzu und meint, das sei ganz bestimmt eine hinduistische Taufe. Ich weiß zwar nicht, was es ist, aber es bestimmt keine Taufe ist, denn das gibt es im Hinduismus nicht.

Beim Weitergehen treffe ich einen Inder, der mir eine Abkürzung nach Hampi zeigt - ein schmaler Saumpfad anscheinend für Ziegen und ihre Hirten führt durch die Berge. Er lässt sich prima gehen und führt durch ein absolut skurriles Panorama, durch Schluchten, zwischen riesigen Steinen hindurch, über Kanäle, an kleinen Bananenplantagen und Tempeln vorbei und kurz vor Sonnenuntergang bin ich dann wieder in Hampi.

Abends nach dem Abendessen noch ein kleiner Ortsbummel. Große Aufregung in der Hauptstrasse vor dem Virupaksha Tempel - eine große Menschenmenge hat sich versammelt, zwei Stiere (nicht so dekadente Kühe wie in Europa üblich, sondern fast mannshohe Stier mit langen Hörnern und riesigen Höckern) sind aneinander geraten und führen ihren Kampf mitten auf dem Dofplatz aus, verwüsten einige Marktstände, jagen die Zuschauer mal da hin, dann wieder in die andere Richtung. Schließlich gibt einer auf und verschwindet schnell in einer Nebengasse, der Sieger hinterher.


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19.05.2010, 20:58

Hampi


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19.05.2010, 21:00

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19.05.2010, 21:02

Hampi


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19.05.2010, 21:05

Hampi

So, jetzt haben wir es hinter uns, die große Verlobung und Hochzeit von Shiva und seiner Gemahlin Parvati. Am 02.12. wurde die große Verlobung gefeiert, am 04.12. bei Vollmond die Hochzeit. Und weil das alles so schön ist, findet die ganze Sache jedes Jahr statt und damit es sich lohnt, sogar jedes Jahr gleich zweimal.

Die Verlobung war eine recht bescheidene Sache: am Morgen war einer der berühmtesten Swamis Indiens gekommen und hatte am Vormittag eine große Puja (den hinduistischen Gottesdienst) abgehalten, dann wurde der Virupaksha Tempel herausgeputzt und eine große Gondel auf dem Tempelteich zusammengebastelt und geschmückt (jeder hinduistische Tempel hat in der Regel einen Tempelteich, wo man sich wäscht, bevor man den Tempel betritt – meist ist das Wasser aber nicht sehr sauber).
Abends um 20:00 sollte es los gehen - aber nur ganz harmlose und unwissende Indienreisende glauben indischen Zeitangaben (die einzigen wirklich verbindlichen Zeitangaben sind die Abfahrtszeiten von Zügen - aber nur am Startbahnhof - und eventuell auch noch die Abfahrtszeiten für Überlandbusse). Na gut, man war natürlich pünktlich um 20:00 vor Ort und vertrieb sich die Zeit mit Chai, Gerede, Chai und noch mal Gerede - schließlich wollen ja alle Inder wissen, wo man herkommt und wie man heißt (heute kommen wir zur Abwechslung aus Russland und heißen Dornröschen und Rumpelstilzchen - zwei absolute Zungenbrecher für Inder). Wenigstens der tägliche Stromausfall kommt pünktlich um 20:15 und das gleich noch zweimal - schließlich kurz nach 21:00 geht es los: die Musikanten kommen und blasen wunderbar falsch (natürlich nur für europäische Ohren), dann kommt der geschmückte und behängte Tempelelefant (der Mahout hatte erklärt, er sei 22 Jahre alt, heiße Laksmi und sei sehr, sehr, sehr brav und gar nicht gefährlich – wir besichtigen denn auch brav die tägliche Waschung des Elefanten um 7:30), der zuerst einmal einige größere Ballen Elefantenkot hinterließ, was aber natürlich niemand störte. Dann kamen die Sänftenträger mit der Blumengeschmückten Tragsänfte, in der die vergoldeten Figuren von Shiva und Parvati lagen (recht klein, höchsten 40 cm groß). Schließlich wurden die beiden Glücklichen umgebettet und von den Brahmanen in das geschmückte Boot gebracht, angeführt von dem Swami - wir nannten ihn wegen seines Bartes Rasputin, zumal er auch noch sehr bierernst daher kam und immer äußerst finster blickte. Dann stiegen die Honoratioren zu dem Brautpaar ins Boot, vier Ruderer kamen hinzu und dann wurden Shiva und Parvati fünfmal um den Tempelteich gerudert. Irgendwann war die Begeisterung so groß, dass an die fünfzehn Jugendliche und Erwachsene (natürlich nur Männer) ins Wasser sprangen und wie wild hinter dem Boot her schwammen um es zu berühren. Die herumstehenden Polizisten brüllten und sprangen sehr unsystematisch hin und her und zogen jeden der Schwimmer eins mit dem Bambusstock über, als sie wieder aus dem Wasser stiegen – ja ja, die Polizei hat halt überall ähnliche Methoden...

Dann wurden die Verlobten wieder umgeladen und geführt von Musik und Elefant ging es durch den Ort - jeder konnte (natürlich gegen eine Spende - die Tempelbrahmanen zählen NICHT zu den Ärmsten Indiens) seine Opfergabe abgeben und bekam sie geweiht zurück: die Kokosnuss wurde auf dem Boden aufgebrochen, die Blumen wurden über dem Feuer geweiht, dann gab es das Prasad (eine geweihte Süßigkeit) und dann ging es zum nächsten Opferwilligen und wir gingen zum nächsten Chai-Shop.

Zur Hochzeit am 04.12. fanden sich eine wesentlich größere Menge Leute ein, angeblich 2 Lakh wie ein Inder behauptete, aber 200.000 waren es sicherlich nicht, aber einige Zehntausend wohl doch. Die gesamte Hauptstrasse von Hampi wurde zugebaut, hauptsächlich mit Süßigkeit- und Snackständen, Läden für Glas- und Plastikarmbänder und unzählige Verkaufstände für die verschiedenen Opferfarben. Überall wurde rasiert - nicht nur der Bart, sondern auch die Kopfhaare. Ich habe selten so viele Glatzen herumlaufen sehen wie an diesem Tag: unterschiedslos Männer, Frauen und Kinder. Als ich mich rasieren ließ, wollten sie sogar mir die Haare wegsäbeln - ich konnte es noch verhindern.

Abends begannen dann die Feiern. Im Hof des Virupaksha Tempel hatten sich einige tausend Pilger einquartiert (die schliefen dann dort), im Tempel selber wurden Hunderte von Öllämpchen angezündet - jede Familie sicherte sich ein kleines Fleckchen und zündete für jedes Familienmitglied ein Lämpchen an. Manche Familie hatte dann so zwischen 10 und 20 Lämpchen aufgestellt - unser Grüppchen von Öllampen sah da im Vergleich doch recht mickrig aus. Überall gab es Tempelmusik (natürlich live) und der Tempelelefant hatte auch genug zu tun mit dem Verteilen seines Segens. So ein Elefant ist ein sehr gescheites Tier: gibt man ihm Bananen, dann frisst er die und tut weiter nichts, gibt man ihm Geld, dann gibt er das seinem Mahout weiter und legt als Segen seinen Rüssel auf den Kopf des Geldgebers. Das machen die Elefanten recht elegant - nur einmal hatten wir einen ganz jungen erwischt, der anscheinend noch übte: der ließ seinen Rüssel immer mit vollem Elan auf die Köpfe fallen und hinterließ denn auch immer eine große feuchte Spur auf den Haaren. Aber einem jungen Elefanten verzeiht man ja fast alles.

Ich bin ja überzeugt, dass die Tempelelefanten vollkommen überarbeitet, völlig mit Bananen überfressen und die größte Einnahmequelle eines Tempels sind - der Andrang ist immer immens.

Irgendwann hatte man dann die Glücklichen - Shiva und Parvati - auf eine große Trage geladen, acht Männer trugen die und dann ging es los, im Dunkeln durch Hampi hindurch, den Hampi-Basar und am Fluss entlang, ca. zwei Kilometer zum Shiva-Tempel, wo schon massenhaft Leute herumstanden und -saßen. Viele hatten sich dort auch in den alten Ruinen oder am Flussufer einquartiert. Wenn jemand meint, so eine Prozession ist eine bedächtige und andächtige Sache irrt: im Schweinsgalopp geht es dahin, es wird gelacht und gekichert, die Musik spielt, die Trommler trommeln sich schweißnass, die Leute singen und immer wieder bricht jemand in Hochrufe auf.

Am Shiva-Tempel beginnt dann die langwierige Sache: Brahmanen rezitieren stundenlang irgendwelche Texte, die Leute verlieren das Interesse, setzen sich, schwatzen miteinander. Wenn es etwas Wichtiges gibt, dann stehen sie wieder auf, schauen herum und suchen sich dann wieder ihren Sitzplatz.

Irgendwann um 24:00 verschwinden wir - die Hochzeit soll noch so bis 2:00 dauern und gehen zurück nach Hampi in den Virupaksha Temple: die meisten Pilger liegen herum und schlafen schon, nur die Musik spielt eifrig weiter. Wir bleiben noch ein Stündchen.

Am nächsten Morgen ab 06:00 kommen Tausende von Pilgern zu den Ghats und baden sich und waschen ihre Klamotten. Einige beten, während daneben eine Frau mit viel Waschmittel ihren Sari wäscht, ein anderer ein ganzes Stück Seife für seine Waschungen braucht und ein Stück weiter der Tempelelefant gebadet wird - naja, der Fluss nimmt hoffentlich alles mit. Hart im Nehmen sind die Inder schon, als ich meinen Fuß ins Wasser halte, finde ich es eiskalt.

Anschließend ziehen die Pilger zu Fuß, mit dem Bus, dem Auto, den Rikschas oder zu Fuß ab, aber vorher werden die Verkaufsbuden gestürmt - anscheinend essen Inder kiloweise Süßigkeiten und Snacks, zumindest kaufen sie kiloweise ein. Glas- oder Plastikarmreifen werden nicht stückweise verkauft, sondern im Zehnerpack.


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19.05.2010, 21:09

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19.05.2010, 21:11

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19.05.2010, 21:12

Hinduismus - Götter in Indien

Indien hat angeblich 22 Millionen Götter (behaupten die Inder, aber die übertreiben bekanntlich schamlos, aber einige Tausende sind es bestimmt), aber eigentlich doch nur einen - nach der reinen Lehre. Brahman ist das Einzige, Ewige, nie erschaffene und nie vergehende, jedes Wesen, jede Erscheinung, alles Existierende kommt aus Brahman und wird schließlich irgendwann zu ihm zurückkehren. Die vielen Götter Indiens sind nur Manifestationen von Einzelphänomenen dieses Göttlichen, denn das Brahman ist formlos, unfassbar und nicht darstellbar. Na, ob das alle Inder so wissen?

Inder verehren ihre Götter in den Götterfiguren, in Tieren (vor allem der heiligen Kuh, dem Affen, schließlich hatte der Affenkönig Hanuman dem Prinzen Rama bei der Befreiung seiner entführten Frau Sita geholfen, und dem Elefanten, dessen Ebenbild, der elefantenköpfige Ganesha, zu den beliebsten Göttern gehört) und in der Natur, unter anderen in Lingam-ähnlichen Steinen oder Gletscherformationen. Für einen Hindu ist es problemlos möglich, Shiva als Lieblingsgott anzuerkennen und in eine katholische Kirche, eine Moschee oder einen buddhistischen Tempel zu gehen und dort zu beten - sind denn nicht alle Götter nur Darstellung des Einen Allumfassenden?

Götter in Indien sind recht menschenähnlich: sie führen Krieg, sie heiraten, sie betrügen ihren Partner, sie machen miteinander Liebe, sie tanzen und spielen, sie essen und trinken und sie sind jähzornig und nachtragend. In Madurei wird eine Inkarnation von Shiva und Parvati jeden Tag abends aus ihren Tempelbereichen mit großer Zeremonie abgeholt und ins gemeinsame Schlafzimmer gebracht (und jeder weiß natürlich, was sie da tun). Am nächsten Morgen kommen sie dann wieder mit großer Zeremonie in ihre eigenen Tempel, damit die Gläubigen dort besuchen können.

Und praktisch veranlagt sind Götter: die Göttin Meenakshi hat drei Brüste. Ihre Eltern fanden das aber nicht so gut und konsultierten einen Weisen, der meinte, das sei alles kein Problem, sondern im Gegenteil sehr praktisch, der dritte Busen würde abfallen, wenn sie den richtigen Mann findet. Ja, und so geschah das dann auch. Solche praktischen Hilfsmittel um den Richtigen oder die Richtige zu finden, haben wir im Westen nicht.

Die drei höchsten Götter sind Brahma, Vishnu und Shiva. Jeder hinduistische Gott hat sein eigenes Reittier, seine Insignien und vor allem seine weibliche Seite in Form seiner Gemahlin. In einigen Figuren wird ein Gott sogar halb männlich und halb weiblich dargestellt (speziell der Gott Shiva).

Brahma spielt nur einmal ein Rolle: er ist der Erschaffer aller Existenz. Seitdem verharrt er in ewiger Meditation. Seine Gemahlin ist Sarasvati, die Göttin des Wissens und der Erkenntnis. Sein Reittier ist der Schwan.

Vishnu ist der Bewahrer und Erhalter - er schützt und errettet alles, was gut auf der Welt ist, Normalerweise wird er dargestellt mir vier Armen, die eine Lotosblüte, ein Muschelhorn und einen Diskus halten. Häufig wird er auch schlafend dargestellt, seine Gemahlin an seinem Kopfende, aus seinem Nabel eine Lotosblüte wachsend, auf der Brahma sitzt.

Seine Gemahlin ist Lakshmi, die Göttin des Reichtums, sein Reittier ist der Garuda, ein Vogelmensch. Vishnu ist bisher in zehn Inkarnationen aufgetreten und hat die Welt errettet: als Matsya, der Fisch; als Kurma, die Schildkröte; als Varaha, der Eber; als Narashima, halb Mensch, halb Löwe; als der Zwerg Vamana; als Parasurama, der Rama mit dem Axt; als Sree Rama, der König von Ayodhya (der Rama aus dem Ramayana); als Balarama, der älteste Bruder Krishnas (manche nennen stattdessen Buddha Gautama); als Sree Krishna und als Kalki, der erst noch erscheinen und das jetzige (schlechte) Zeitalter Kaliyuga durch Zerstörung beenden wird.

Shiva ist sicherlich der am meisten verehrte Gott in Indien. Er ist der Zerstörer und der Erneuerer, denn ohne Zerstörung kann nichts Neues entstehen. In seiner Erscheinung als Shiva Nataraj zerstört er durch seinen Tanz die Unwissenheit und die Welt (symbolisiert durch den Dämonenzwerg Apasmara, den er zu Boden tritt). Seine Erscheinung als Phallus (Lingam) verdeutlicht die Schöpfungskraft. Der Lingam steht immer auf der Yoni, dem weiblichen Geschlechtsteil. Wird Shiva als Person dargestellt, hat er Schlangen um seinen Nacken hängen und trägt einen Dreizack, aus seinem Haar ragt eine Mondsichel. Er trägt den Dreizack und Damaru, die Sanduhrtrommel. Manchmal wird er mit blauer Hautfarbe dargestellt, die er erhalten hatte, nachdem er das Gift des Urmeeres getrunken und damit die Welt gerettet hatte. In anderen Darstellungen wird er als abgezehrten und in Meditation versunkener Asket dargestellt. Sein Reittier ist der Nandi, der Stier, seine Gemahlin ist Parvati. Im Shiva-Purana wird er mit 1008 Namen bezeichnet: häufige Beinahmen sind „Mahadeva“ (Großer Gott), „Nataraj“ (König des Tanzes), „Bhairava“ (der Schreckliche), „Mahesha“ (höchster Herr), „Nilakantha“ (der mit dem blauen Hals), „Pashupati“ (Herr aller Wesen), „Rudra“ (der Wilde), „Vishwanatha“ (Herr des Universums).

Eine der interessantesten, aber auch seltenen Darstellung Shivas ist seine Erscheinung als Arthanareeswarar: hier wird er gezeigt als Doppelwesen, seine rechte Seite männlich, seine linke Seite weiblich, meist auf den Stier Nandi gestützt.

Einer der beliebtesten Götter ist der elefantenköpfige Ganesh mit dem dicken Bauch und dem abgebrochenen Stoßzahn. Er ist der Gott des Glücks, der Beseitiger von Hindernissen und der Gott der Schrift (seinen Stoßzahn hat er beim Schreiben des Mahabharata abgenützt). Sein Reittier ist die Ratte. Ursprünglich war er ein recht schmucker Gott in Menschenform. Shivas Frau Parvati hatte ihn in Abwesenheit ihres Mannes geboren. Irgendwann saß sie wieder mal in ihrem Bad, das ihr Sohn bewachte, als ihr Gemahl Shiva von einem Kriegs- oder sonstigen Zug heimkam und ihn Ganesh nicht in die Frauengemächer ließ (die beiden kannten sich ja nicht). Wie das ja häufig so ist, mit dem Reden hatten es wohl beide nicht, jedenfalls zog Shiva sein Schwert und hieb seinen Sohn Ganesha den Kopf ab. Parvati war natürlich sauer und ließ Shiva einige hundert oder tausend Jahre nicht mehr zu sich ins Bett. Das war dem Shiva gar nicht so recht, denn nach einem langen Kriegszug hat man ja auch so seine Bedürfnisse und irgendwann setzte er seinem Sohn den Kopf des Lebewesens aus, das als nächstes um die Ecke kam - das war ein Elefant.

Sehr beliebt ist auch der blauhäutige Krishna, eine Inkarnation Vishnus. Krishna ist ein absoluter Frauenheld, vor allem die Gopis (die Hirtinnen) haben es ihm angetan. Häufig wird er dargestellt, wie er im Baum sitzt und die nackten Hirtinnen beim Baden beobachtet (vorsorglich hat er aber vorher deren Kleider versteckt). Seine große Liebe gilt der Hirtin Radha. Er wird in der Regel mit einer Flöte spielend dargstellt.

Hanuman, der Affenkönig aus dem Ramayana, ist ein weiterer beliebter Gott. Er ist das Symbol für Bakhti, die bedingungslose Hingabe an Gott.

Die restlichen Millionen Götter erspar ich mir und Euch. Meist spielen sie auch nur eine lokale Rolle.

Die heiligen Texte der Hindus lassen sich in „Shruti“ und „Smriti“ unterteilen.

„Shruti“ sind die Texte der Veden und sind direkte Worte Brahmans, des Göttlichen. Die älteste Schrift, die Rigveda entstand vor ca. 3000 bis 3500 Jahren. Die Upanischaden, der letzte Teil der Veden, behandeln Tod und die Einheit des Menschen mit dem Universum. Die „Shruti“-Schriften dürfen nur von hochkastigen Brahmanen gelesen, gelernt und ausgelegt werden.

Die „Smriti“ sind Schriften, die von weisen Menschen geschrieben wurden, also nicht direkt von Gott abstammen. Zu ihnen zählen u.a. das Ramayana, das Mahabharata und die Puranas.

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19.05.2010, 21:15

Mysore

Am Tag nach Shivas Hochzeit ging es dann mit dem Nachtbus nach Bengaluru (Bangalore), die aufstrebende Stadt im Zentrum von Karnataka, das Silicon Valley Indiens. Alle Inder erzählen, wie schön Bangalore wäre, wir finden es nur langweilig und sehr europäisiert. Unser Aufenthalt dauert keine 10 Minuten, denn sofort nachdem wie eingestiegen waren, fuhr der Local Bus nach Mysore los.

Das Hotel, in dem wir früher gewohnt hatten, ist zu einem "besseren" Hotel umgebaut worden und verlangt 1250 Rupies, der Manager geht zwar auf 750 herunter, als wir ihm erzählten, wir wären schon fünf Jahre vorher da gewesen, ist uns aber doch zu teuer und wir ziehen in das Chandra Palace Hotel für 490 Rupies (naja, Palace ist doch sehr übertrieben, aber ein gutes indisches Mittelklassehotel ist es doch und zentral liegt es auch).

Abends - es ist Sonntag - stehen wir dann vor dem Maharaja Palast, eine skurrile Mischung aus hinduistischen, indosarazenischen und europäischen Stil mit einem großen Anteil von Jugendstil. Der alte Palast brannte 1897 herunter und der neue wurde dann 1912 vollendet. Er ist einfach grandios und Sonntag zwischen 18:00 und 20:00 wird er mit mehr als 96.000 Glühbirnen beleuchtet - einfach unvorstellbar. Sollte jemand nach Mysore kommen, dann sollte er seinen Besuch unbedingt auf Sonntag legen.

Hinter dem Maharaja-Palast finden wir dann das Cafe Aramane (schräg gegenüber vom Local Bus Stand) - in einem wunderschönen alten Mysorebau mit Preisen, die nur unwesentlich teurer sind als in anderen Restaurants und das Essen ist durchwegs absolut erstklassig.

Meine Frau hat sich eine ebenfalls erstklassige Erkältung zu gezogen und bleibt - mit Medikamenten versorgt - im Bett. Ich laufe in Mysore herum, besichtige die St. Philomena's Cathedral, recht nette Kirche mit netten Glasfenstern, aber nicht vergleichbar mit europäischen Kirchen.

Mittags komme ich an einem Hindutempel vorbei -. unzählige Menschen drängen sich, neugierig wie ich nun mal bin, muss ich natürlich auch in die Menge. Ich quatsche jemand an, schon der dritte kann englisch und erklärt mir, es werde ein Fest für irgendeine Schlangengöttin gefeiert und zieht mich in die größte Menge. Dort ist mit Farbe eine große Kobra auf den Boden gemalt und mit duftender Farbe und Blumen verziert, mehrere Brahmanen sitzen dort und segnen die Unmenge von Gläubigen. Ich treibe mich einige Zeit dort herum. Hinter dem Tempel wird in riesigen Töpfen (Durchmesser mindestens ein Meter) gekocht, an einem wird das fertige Biryani mit Schaufeln (sah fast wie eine Gartenschaufel aus) in andere Töpfe umgefühlt. Dann bilden sich schnell zwei Schlangen, eine für Männer, eine für Frauen - es ist Essenszeit und es gibt von den Gläubigen gespendetes Essen, eben das, das hinter dem Tempel gekocht wurde. Ich will mich klammheimlich verdrücken, aber das geht nicht mehr - mehrere Leute halten mich fest und meinen, ich müsse unbedingt etwas essen. So eine Freundlichkeit und Herzlichkeit macht mich immer fürchterlich verlegen, aber Ausflüchte nützen nicht, zumal der Oberbrahmane geholt wird und mit einem "Das ist ein Geschenk der Götter" werde ich auf die Tempelstufe gesetzt, irgendeiner drängt sich an die Essensausgabe und bringt mir einen Pappteller voll ausgezeichneten Essen, natürlich vegetarisch, ein fantastisches Biryani, ein Reis, gemischt mit Gurken, Möhren, Zwiebeln und Raita (eine Art Joghurt-Quark), ein süßer Reis mit viel Gewürzen, ein süßer Kuchen und eine Banane. Jeder dritte, der bei mir vorbei geht, sagt mir oder deutet mir, ich solle mir ja noch etwas nachnehmen. Ich finde solche Freundlichkeit immer recht peinlich und fühle mich unwohl, wenn ich daran denke, wie unhöflich und rüde manchmal Fremde bei uns in Deutschland behandelt werden (vor allem Bedienungen in gewissen Münchner Gaststätten sind hierfür recht bekannt).

Anschließend bringt man mich zu den Brahmanen, die mich segnen (mit einem roten Farbpunkt auf der Stirn) und mir Prasad schenken - einige geweihte Blumen, eine süße Bananenmild, die in meine rechte Hand gegossen wird und die man trinkt, und einige Spritzer geweihten Wassers auf die Stirn. Ich hinterlasse noch eine Spende und verziehe mich dann.

Am nächsten Tag komme ich wieder vorbei -. ein Tempelwagen wird geschmückt, mehrer Trommler stehen herum und machen Musik, drei maskierte und mit Schwertern bewaffnete Männer warten. Ich warte natürlich auch und nach einer halben Stunde geht es los. Das Götterbild wird auf dem Tempelwagen geschafft, die Oberpriester setzen ich dazu, die Trommler spielen wie wild und tanzen dazu, die Klarinetten quäcken unvergleichlich (typisch indisch nasal und laut) - zwischendurch bekomme ich von einem Brahmanen ein Ordnersymbol angeheftet, schließlich war ich ja schon gestern da (und gehöre anscheinend damit dazu) - dann beginnt ein junger Mann, der eine große Fahne auf dem Kopf trägt, wilde Kunststücke zu machen. Die Schwerttänzer führen einen wilden Tanz auf die Zuschauer stieben zur Seite, wenn sie mit ihren scharfen Schwertern in die Nähe kommen. Einer spaltet mit dem Schwert als Opfergaben gedachte Kokosnüsse in der Luft - die Gläubigen werfen sie ihm zu. Dann bewegt sich die Prozession im Schritttempo unter wundervollen Krach und Lärm und Spektakel vorwärts - die Polizei ist natürlich auch da und sperrt die Hauptstrasse (Götter haben schließlich immer Vorfahrt, sogar vor Bussen und LKWs). Kurz vor dem Hotel spurte ich hinein, wecke meine Frau, die sich in Windeseile anzieht und von dem Spektakel vor dem Hotel und in der Seitenstrasse begeistert ist.

Am nächsten Tag fahren wir für zwei Tage nach Hassan, um Halebiddu und Beluru zu besichtigen.

Nach der Rückkehr lassen wir es gemütlich angehen, die Grippe meiner Frau ist noch nicht ganz auskuriert. Nachmittags fahren wir mit dem Stadtbus - wir haben in Indien noch nie einen so luxuriösen und sauberen Stadtbus gesehen - für je 8 Rupies 20 km außerhalb der Stadt zu den Brindavan Gardens. Unterhalb eines Staudamm breitet sich der Garten mit unzähligen Wasserläufen und Wasserspielen ein oder zwei Kilometer aus. Wer gerne Bollywood-Filme ansieht, kennt den Garten bestimmt, denn dort werden unzählige Musikszenen gedreht. Der Garten ist nicht gerade sehr beeindruckend, dafür war der Eintritt billig (10 Rupies). Viele Inder sind auch nicht da, der Garten ist relativ leer. Dann wird es schnell dunkel und plötzlich drängen unzählige Inder herein - riesige Trauben von Einheimischen, Schlangen von Schulkindern kommen - und um 18:30 ist es stockdunkel und auf einen Schlag wird der gesamte Garten bunt beleuchtet. Jeder Wasserlauf, jeder Wasserfall, jeder Springbrunnen leuchtet - und jetzt ist der Garten wirklich grandios.

Für Eisenbahnfetischisten, ähh Eisenbahnliebhaber gibt es hinter dem Bahnhof ein sehr schönes Eisenbahnmuseum (das Rail Museum) mit einigen der ältesten Lokomotiven Indiens. Hauptausstellungsstück ist der hölzerne Salonwagen des Maharaja von Mysore aus dem Jahr 1899, ein wirklich sehr schönes Exemplar.

Am nächsten Tag haben wir den Nachtbus nach Cochin gebucht (684 Rupies für zwei Personen). Am Vormittag fahren wir - wieder mit einem wunderschönen Stadtbus - zum Zoo, wo wir zum Karanji Lake Natue Park wollen, ein schmaler Park rund um einen See mit unzähligen Vögeln (Eintritt pro Person und Kamera: 10 Rupies). Ist sehr erholsam: es gibt unzählige Pfaue, Pelikane, Blesshühner, mehrere Arten von Reiher, Kormoranen, Störchen und Eisvögeln. Auf dem Rückweg sehen wir noch zwei schöne kleine Vögel mit gelben Bäuchen beim "Vögeln". Zuerst dachten wir, es gäbe einen Streit, so wild ging es zu, schließlich lag einer der beiden auf dem Rücken und zeigte seinen gelben Bauch (vermutlich "sie"), der andere sprang auf sie und machte absolut eindeutige Bewegungen - na so was hatten wir auch noch nicht gesehen. Zwei Inderinnen scheuchten die beiden dann von ihrem Liebesspiel auf.

Der Park scheint das Eldorado für Verliebte zu sein, jedenfalls sahen wir fast nur junge Pärchen, sogar völlig mit schwarzen Mänteln bis auf Augenschlitze zugehängte Moslemmädchen fanden wir da, die doch recht intensiv herumschmusten - hätten wir ihnen gar nicht zugetraut.

Nur noch einige der typischen Souveniers gekauft: Räucherstäbchen aus Sandelkolz, Sandelholzpaste, einige Parfüms und Pashminas-Schals. Mysore ist das Zentrum der Sandelholzverarbeitung in Indien, was aber nicht heißt, dass man überall "echte" Sandelholzprodukte zu kaufen bekommt. Wahrscheinlich ist die Mehrzahl der verkauften Sandelholzprodukte getürkt: typisch sind Figuren oder Räucherstäbchen aus beliebigen Material, die mit Sandelholzparfüm besprüht wurden und nach einigen Monaten ihren Geruch verlieren. Echtes Sandelholz verliert nie seinen Geruch - ein einfaches Reiben und Polieren bringt wieder den typischen Geruch hervor. Ich fand irgendwann nach 15 Jahren noch Sandelholzstäbchen von meinem ersten Indienurlaub und sie dufteten wie frisch. Ganz sicher bekommt man richtige Sandelholzprodukte beim staatlichen Cauvery Shop. Dort zahlt man zwar mehr als auf dem Markt, bekommt aber gute Qualität. Wer sich mit Sandelholz auskennt, kann natürlich auch auf dem Markt billiger kaufen - in der Regel haben aber echte Sandelholzprodukte ihren Preis. Billige Artikel sind mit Sicherheit gefälscht.

Ähnlich bei den Paschmina-Schals. Jeder Shop verkauft garantiert echte…..Wer es glaubt... Das ist wahrscheinlich so wie mit dem echten Darjeeling Tee: da werden jährlich 10.000 Tonnen geerntet und jährlich 40.000 Tonnen garantiert echter Darjeeling Tee verkauft (übrigens selbst in den besten Teeläden in Deutschland).


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19.05.2010, 21:16

Hallo Dieter

Das mit dem indischen Verkehr finde ich Super beschrieben
konnte mir ein Schmunzeln nicht verkneifen.
Aber Dornröschen und Rumpelstilzchen finde ich Klasse.
Es macht große Freude Deinen Bericht zu lesen und
die dazugehörigen Bilder anzuschauen.
Danke sagt
Siggi
In der Fremde erfährt man mehr als zu Hause.
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19.05.2010, 21:18

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19.05.2010, 21:23

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