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09.07.2010, 21:51

Patan


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09.07.2010, 21:53

Patan


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09.07.2010, 21:55

Patan


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09.07.2010, 21:56

Baumwolle

Gujarat ist das Land der Baumwolle. Baumwolle wurde in Gujarat schon vor mehr als 3000 Jahren angebaut. Baumwollbauern waren traditionell relativ wohlhabend. Dies änderte sich jedoch in den letzten dreihundert Jahren.

Die erste Verarmungswelle brachten der englische Kolonialismus, als der freie Verkauf von Baumwolle eingechränkt und teilweise verboten wurde und die Bauern ihre Baumwolle an englische Aufkäufer zu niedrigen, von England vorgegebenen Preisen verkaufen mussten.

Die zweite Verarmungswelle kam mit der Erfindung der industriellen Webstühle, der „spinning jenny“ und des „waterframe“. Jetzt verboten die Engländer den Indern das Anfertigen von Stoffen und importierten zur Gewinnmaximierung die Baumwolle nach England und stellten dort industriell Stoffe in großen Massen her, die nach Indien exportiert und dort teuer verkauft wurden. Die Baumwollspinnereien wurden neben der Ausbeutung Indiens zur Grundlage des wirtschaftlichen und politischen Imperialismus Englands im 18., 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Neben der Kampagne der Nichtzusammenarbeit und dem Unterlaufen des englischen Salzmonopols durch den Salzmarsch war der Boykott von englischen Stoffen eines der Hauptanliegen Mahatma Ghandis: statt industriell gefertigte Stoffe, sollten Inder selbst- und im Land gefertigte Stoffe verwenden.

Die dritte Verarmungswelle kam durch die Verwendung von chemisch erzeugten Fasern und in den letzten Jahren durch die übergroße und staatlich subventionierte Konkurrenz aus China, die billigste und miserableste Qualität nicht nur international, sondern auch nach Indien liefern, und durch die großen nordamerikanischen Gen-Konzerne, allen voran Monsanto (von vielen nicht als Wirtschaftsunternehmen, sondern als kriminelle Organisation angesehen). Das Land wurde mit einer gigantischen Werbeaktion überzogen und nachweislich unzählige Verbandsmitglieder, kommunale und überregionale Politiker bestochen. Viele der Baumwollbauern glaubten den Versprechungen des Konzerns, der gekauften Politiker und der Garantie, das genmanipulierte Baumwolle 30 bis 50 % mehr Erträge garantieren und ließen sich in langjährige Verträge drücken (genmanipulierter Planzen dürfen laut Monsanta nicht zum Neuanpflanzen verwendet werden, der entsprechende Samen muss jährlich neu eingekauft werden – die perfekte Maschine zum Gelddrucken). Die Realität sieht aber anders aus: die Erträge nahmen durchgehend um ein Drittel bis zur Hälfte ab, der Rest konnte auf dem Weltmarkt nicht mehr oder nur zu äußerst niedrigen Preisen verkauft werden, da die Qualität äußerst schlecht ist (die Faserlänge ist um mehr als ein Drittel kürzer als bei „normaler“ Baumwolle). Unzählige Bauern verarmten in den letzten Jahren, jährlich nehmen sich Tausende aus Verzweiflung das Leben, Zehntausende von Familien geraten in Schuldknechtschaft. Schuldknechtschaft ist das von der westlichen Welt neu geschaffene Wort für Sklavenarbeit, denn Sklavenarbeit gibt es selbstverständlich nicht mehr auf der Welt: die verschuldeten Menschen müssen ihre Schulden im Dienste der Geldgeber abarbeiten, arbeiten aber meist nur für Essen und Trinken, so dass ihre Schulden in der Realität nie geringer werden, sondern durch äußere Anlässe wie Hochzeiten, Krankheits- und Todesfälle eher ansteigen. In vielen Fällen wird so die Sklavenarbeit, ähhh Schuldknechtschaft auf die zweite, dritte und vierte Generation weiter vererbt. Natürlich ist Schuldknechtschaft nach dem Buchstaben des Gesetzes auch in Indien illegal, aber hier ist es wie überall auf der Welt: wer das Geld hat, hat die Macht und das Gesetz für sich. Momentan sieht die Lage der Baumwollbauern in Gujarat und in Indien nicht sehr gut aus.

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09.07.2010, 22:00

Modhera

Mit dem Morgenbus nach Modhera. Modhera ist ein kleines Dorf nahe von Patan. Es gibt dort einen schönen Sonnentempel, dem Gott Surya gewidmet (200 Rupies Eintritt). Der Reiseführer vergleicht ihn bescheuerter Weise mit dem Sonnentempel von Konarak in Orissa (er sei genau so designed….). Tatsache ist: der Tempel hat in keinster Weise irgendeine Ähnlichkeit mit dem Konarak-Tempel, seine Figuren ähnlich noch am ehesten denen in Khajuraho (sie sind also mit Konarak überhaupt nicht vergleichbar) und seine Architektur ähnelt eher den Hoysola-Tempeln in Süd-Indien. Die einzigen Gemeinsamkeiten sind: die Tempel sind zum Sonnenaufgang ausgerichtet und wurden vom dem moslemischen Fundamentalisten Mahmud von Ghazni teilweise zerstört. Es ist schon ärgerlich, was für ein Blödsinn manchmal in den Reiseführern auftaucht.

Der Tempel selber ist trotzdem wunderschön, wenn auch wesentlich kleiner als der Konarak-Tempel. Der Figurenschmuck ist fantastisch: an der Aussenseite finden sich Dämonen, Götterfiguren, Elefantenfriese, Tänzerinnen, Musikantinnen, Kampfszenen und erotische Figuren (allerdings bei weitem nicht so liebevoll ausgeformt wie in Khajuraho). Der Vortempel steht auf 52 Säulen, die über und über mit Figuren und Szenen aus den beiden großen indischen Epen Mahabharata und Ramayana bedeckt sind. Im Innern des Haupttempels wird der Sonnengott Surya an zwölf Säulen in seinen monatlichen Erscheinungsformen dargestellt.

Vor dem Sonnentempel befindet sich das Surya Kund, ein ausgefallener rechteckiger Stufenbrunnen mit über 100 Götterschreinen.

Ich war einige Minuten vor Öffnung des Tempels da und hatte die erste halbe Stunde in wunderbarere Ruhe den Tempel ganz für mich. Hinter dem Tempel grasten acht Pfaue, denen ich natürlich zu aufdringlich nahe kam, so dass sie über die Umgrenzung ins Gebüsch verschwanden. Direkt am Sonnentempel lebt ein Saddhu in einem eigenen kleinen Tempelchen. Dann kamen Unmengen von indischen Touristen, vor allem eine Gruppe von (reichen) Fotoamateuren aus Bombay, die alles in Beschlag nahmen: es war schon lustig, sechzigjährige Männer zu sehen, wie sie sich im Tempel rücklings auf den (mit Taubendreck verschmutzten) Boden legten, um die Tempelkuppel zu fotografieren. Jeder schleppte so zwischen drei und sechs Kilogramm an Kamera mit sich herum, also nicht so etwas Poppeliges wie ich in der Hand hatte. Zwei unterhielten sich, ob es nicht doch sinnvoll sei, eine Hasselblad zu kaufen (wer nicht weiss, was eine Hasselblad ist: einfach im Internet nachschauen und beim Preis nicht vom Hocker fallen). Trotzdem haben sie eifrig Portraitfotos gegen die Sonne gemacht.

Bei der Rückfahrt musste ich einige Zeit auf den Bus warten. Die Inder haben da die schöne Angewohnheit, an Stellen, wo viele Leute auf den Bus warten, einen Chai-Stand hinzustellen, da kann man dann einen Tee nach dem anderen in sich hineinkippen (am Besten sofort bezahlen, damit man noch Chancen auf einen Sitzplatz hat, wenn der Bus kommt). So auch hier. Für Unterhaltung war auch gesorgt: einige Jugendlichen spielten Kricket.

Kricket ist ein sehr einfaches und interessantes Spiel: man benötigt einen Ball, einen Holschläger und drei Stecken. Die drei Stecken steckt man hinter dem Schlagmann in den Boden. Alle spielen gegen den Schlagmann. Der Werfer wirft den Ball und der Schlagmann versucht ihn zu treffen. Also ganz einfach. Das wirft einer, einer schlägt und trifft oder trifft nicht, plötzlich laufen alle hin und her, dann wird der Ball geworfen, dann stehen wieder alle und schauen nur. So geht es Stunden um Stunden (professionelle Spiele ziehen sich häufig mehrere Tage hin). Irgendwann macht der Schlagmann wieder so einen verhunzten Schlag (Flasche denkt man unbewusst), alle laufen wie die Hühner durcheinander, man denkt, wieder so ein Flop, dann schreien alle begeistert: es gab einen Punkt für eine Mannschaft (kein Mensch weiss anscheinend warum). Irgendwann gelingt dem Schlagmann ein fantastischer Schlag, der Ball fliegt und fliegt, man selber ist begeistert und rumpelt den Nachbarn an „isn’t that fanastic?“. Der schaut den Touristen verwundert an und denkt wahrscheinlich: spinnt der bei diesem miesen Schlag? Da Touristen beim Kricket immer falsch liegen, ist es am Besten immer ganz cool bleiben – man macht es immer falsch, auch wenn mir schon mindestens vier Leute die Regeln erklärt haben. Wahrscheinlich werde ich eher die mathematische Herleitung der Einsteinschen Relativitätstheorie verstehen, bevor ich die Kricketregeln kapiere. Aber vermutlich muss man dazu Inder, Pakestani oder Engländer sein.


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09.07.2010, 22:02

Modhera


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09.07.2010, 22:06

Eintrittspreise

Waren die Eintrittspreise noch vor ungefähr 10 Jahren für Touristen (d.h. für Nicht-Inder) im recht „normalen“ Rahmen, so hat man anscheinend Touristen als neue Geldkuh entdeckt, die man melken kann. Und man melkt sie momentan ungeniert. Eintrittspreise sind für Nicht-Inder in der Regel zwanzigmal so teuer wie für Inder, häufig sogar noch teurer: der Besuch des Taj Mahal in Agra ist z.B. 75mal so teuer wie für Inder.

Ich persönlich halte Eintrittspreise bis zum zehnfachen der indischen für erträglich und korrekt. Das ist aber nicht alles: häufig kommen dann noch Gebühren für Digital- oder Videokamera. Im Extremfall ist die Kameragebühr bis 100mal so teuer wie für Inder, Im Veladar Nationalpark zahlen Inder 10, Nicht-Inder 250 Rupies Eintritt, Inder 5, Nicht-Inder 250 Rupies für die Kamera, für ein Videogerät werden 20 bzw. 2500 Rupies fällig. Im Sasan Gir Nationalpark zahlen Nicht-Inder gar 2200 Rupies Eintritt, in der angeschlossenen „Interpretationszone“ noch einmal 1100 Rupies (in beiden Fällen kommen noch Fahrzeug und Guide hinzu). An Sonn- und Feiertagen erhöhen sich alle Preise von Sasan Gir um weitere 25 %. Die höchste Videogebühr (für nichtprofessionelle Aufnahmen), die ich sah, war 3000 Rupies (etwa 45 EUR).

Eine der unverfrorensten Gebühren ist z.B. die Kamera-Gebühr von 50 Rupies (ca. 1 EUR) im Puthe Maligna Palace von Thiruvananthapuram (Trivandrum) – das Fotografieren ist dort aber strikt verboten.

Wie absurd hoch die Eintrittspreise sind, zeigt folgendes Beispiel: würde man in Dehli die im Lonely Planet Reiseführer beschriebenen Sehenswürdigkeiten mit Kamera ansehen, dann wären insgesamt 2700 Rupies fällig – so viel, wie ein einfacher Volkschullehrer in Indien monatlich verdient.

Ich habe bei einigen ausgewählten Beispielen die Reiseführer der letzten drei Jahre durchgeblättert und festgestellt, dass in diesem Zeitraum die Eintrittspreise, Kamera- und Videogebühren fast durchgängig verdoppelt wurden. Und es geht ungeniert und unverfroren weiter: das Baroda Museum verzwanzigfachte vor drei Monaten die Eintrittspreise für nicht-indische Touristen, ähnlich der Maharaja-Palast in Varodara oder der Eintritt in Champaner.

Rechnet man zum Beispiel die indischen Eintrittspreise anhand der Kaufkraft auf europäische Verhältnisse um, kommt man auf durchschnittliche Eintrittspreise von 40 - 200 Euro, also durchgängig kein Schnäppchen.

Ein noch absurderes Preissystem hat das (private) Hotelresort „Om Beach“ in Gokarna. Von Indern verlangen sie für ein Zimmer 2100 Rupies, von Nicht-Indern 80 US $ (4100 Rupies). Wenn das Schule macht, kann man Indien als Tourist vergessen.

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20.07.2010, 18:55

Palitana

Früh morgens um 7:00 von Patan aus los nach Ahmedabad und von da weiter nach Palitana. Ich wollte den Bus gar nicht nehmen, da er gerammelt voll war, aber der Ticketverkäufer kam und zog mich in den Bus: ich bekam einen Sitz auf der Notbank direkt hinter dem Fahrer. Als ich in den Bus stieg, rief von hinten ein dünnes Stimmchen meinen Namen, ein vielleicht zwölfjähriges Mädchen winkte heftig herüber, ich natürlich zurück. Na, wenigstens die Formalitäten wären damit geregelt, denn in spätestens drei Minuten würde jeder im Bus wissen, woher ich kam und wie ich hiess. Wo ich hin wollte, war eh klar: der Bus ging durch bis Ahmedabad.

Da der Ticketverkäufer wegen mir keinen Sitzplatz mehr hatte, setzte er sich links auf das Armaturenbrett – das hatte er sicher schon öfter gemacht, denn er sass ganz bequem. Beim ersten Stop gab es eine Chai-Pause und bevor ich meinen Geldbeutel gezückt hatte, hatte er schon für mich bezahlt. Das übliche hin und her, aber er liess sich nicht beirren und bestand auf das Bezahlen. Dann ging es auf die Autobahn (die hatte sogar zwei eigene Strassen rechts und links für den langsamen Verkehr, sprich für Ochsen- und Kamelkarren). Es war fast kein Verkehr. Der Fahrer machte es sich bequem, legte eine Art Ziegelstein auf das Gaspedal, setzte sich im Schneidersitz auf seinen Sitz, lehnte sich mit dem linken Arm elegant und entspannt auf den Schalthebel und lenkte mit der rechten Hand. Währenddessen unterhielt er sich mit den Fahrgästen und seinem Ticketverkäufer. Dabei schaffte er sogar das Kunststück, den Kopf nach hinten zu drehen und trotzdem völlig gerade aus zu fahren (die Autobahn geht über unzählige Kilometer immer stur gerade aus). Das hatte ich bisher auch noch nicht erlebt (aber ich sass auch nicht so oft direkt hinter dem Fahrer) und ich beschloss zu schlafen und mir diesen Anblick nicht anzutun. Zwanzig Kilometer vor Ahmedabad wachte ich auf, es war Verkehrschaos und Stau. Für die letzten 15 km brauchten wir mehr als eine Stunde.

Am Busbahnhof hieß es, der Bus nach Palitana sollte in 40 Minuten kommen. Ein siebengescheites Studentenbürschen, das ausgezeichnet englisch sprach, meinte, da könnte ich ja ewig warten, die Inder würden irgendetwas erzählen, deren Englisch wäre so schlecht, dass sie sich nicht verständlich machen könnten und die indischen Zeitangaben seien halt sehr dehnbar. Ich verteidigte eifrigst seine indischen Brüder und zu meiner Freude kam der Bus tatsächlich pünktlich um 11:00 und fuhr um 11:05 ab – vielleicht kapiert der Kerl was. In Indien gibt es häufig besser ausgebildete Leute oder Inder, die im Ausland waren, die praktisch alles, was es in Indien gibt, als schlecht, schlimm und schrecklich bezeichnen. Solche Leute reizen mich immer ganz enorm zum Widerspruch auch wenn sie in manchem Recht haben. Als der Bus los fuhr, geschah etwas für Indien Unglaubliches: der Bus war fast völlig leer, nur acht Leute sassen darin (auch später wurde der Bus nicht voll. Ich vermute, dass die Leute nicht in der heissen Mittagszeit fahren wollten).

Nach fünf Stunden kamen wir in Palitana an. Die Fahrt ging zum Teil durch völlig unwirtliche Gegenden, staubtrocken, sandig, nur von dürren Büschen bewachsen. Anscheinend ist dort nur Viehzucht möglich, denn mehrere Hirten zogen mit riesigen Ziegenherden umher. Unterwegs kommt uns eine Kolonne von über zehn LKW-Fahrgestellen entgegen. Die Fahrer sitzen auf festgebundenen Bambus- oder Holzstühlen, einige haben einen Schirm übergebunden. Es sieht immer sehr abenteuerlich aus, wenn so ein Fahrzeug entgegenkommt. Die Fahrgestelle werden zum Teil mehrere Hundert Kilometer überführt und dann erst die Aufbauten vor Ort per Hand (oft in individueller Fertigung) darauf montiert.

Palitana machte auf den ersten Blick keinen sonderlich schönen Eindruck. Das Hotel Shravak direkt am Busbahnhof ist ok, ich bekam ein Riesenzimmer weil ich mindestens drei Nächte bleiben wollte statt für 300 für 200 Rupies. Nebenan gibt es das einzige Restaurant des Ortes, das Essen ist nicht unbedingt überwältigend und für das Gebotene recht teuer (genauso teuer wie das erstklassige Restaurant in Patan). Der Ort selber ist auch nicht sehr einladend, aber gekommen bin ich ja eh wegen des Berges Shatranjaya etwas ausserhalb der Stadt.

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20.07.2010, 18:57

Palitana

Am nächsten Morgen geht es früh aus dem Bett, um 06:00 stehe ich vor dem Hotel und feilsche mit drei Rikschafahrern – sie wollen den doppelten Preis. Erst als ich schon fünfzig Meter weiter bin, kommt einer nach und ist mit 20 Rupies einverstanden. Vier Kilometer weiter steige ich aus, hole mir für 100 Rupies eine Fotografiererlaubnis in drei Ausfertigungen und dann geht es los auf den Berg. Gottseidank ist es noch sehr früh und recht kühl, die Sonne geht auf, nirgendwo gibt es Schatten. Nach ungefähr einer Stunde und ziemlich genau 2800 Stufen höher, sieht man endlich, warum man sich auf diesen Berg hinaufschleppt. Die ersten Jain-Tempel sind sichtbar. Nach einer weiteren halben Stunde und insgesamt 3400 Stufen ist man dann oben. Faule, gehbehinderte oder ältere Menschen können sich in einem Dholi (einem tragbaren Stuhl) für ungefähr 20 EUR hinauftragen lassen. Tatsächlich sind es wenig alte und gehbehinderte Menschen, sie sich hinauftragen lassen, sondern meist – man muss es so sagen – dicke, vollgefressene Wohlstandsfrauen und einige wenige ebenso dicke Wohlstandsinder, die sich von zwei oder vier dürren Gestalten nach oben tragen lassen. Auch Frauen schleppen die Dholis (ich habe sowieso nie an die Märchen von dem schwachen Geschlecht geglaubt und wenn man in Asien sieht, was sie alles arbeiten, glaube ich eher, die Männer sind das schwache Geschlecht, auf jedem Fall aber das faulere….). Die Männer tragen die Stangen der Dholis auf den Schultern, die Frauen gut gepolstert auf dem Kopf.

Auf dem Berg selber stehen Hunderte von Jain-Tempeln. Die frühesten wurden im 11. Jht. erbaut, aber im 14. Jht. von den Moslems zerstört. Angeblich sollen es fast 1000 sein, was durchaus stimmen kann, denn jede kleine Kapällchen wird als Tempel gezählt. Tatsächlich sind es insgesamt neun große Tempelanlagenn (tunks), um die sich unzählige kleine Tempelchen und Wassertanks gruppieren.

Frühmorgens kann man – wenn man Glück hat – eine hervorragende Rundumsicht haben und sogar den Golf von Cambray sehen. Im März ist das nicht mehr der Fall, aber in der kühleren Jahreszeit Dezember und Januar sollte dies möglich sein.

Ich treibe mich bis um 16:00 oben in den Tempeln herum, zum Sehen gibt es ja genug, schlafe ein halbes Stündchen in einer Ecke, länger geht nicht, da ständig ein Wachmann oder ein Tempelbediensteter in gelb-orange kommt und einen kleinen Schwatz halten will. Um 16:00 geht es dann nach unten, schweißtriefend kommen mir die Inder entgegen (es hat immer noch ungefähr 40 Grad Celsius) und ganz unten der erste westliche Tourist mit krebsroten schweißgebadetet Gesicht. Aber auch ein dicker, vielleicht 14jähriger Inderjunge kommt hoch – bei dem habe ich den Eindruck, der wird noch vor dem Gipfel einen Herzinfarkt bekommen, so schnauft und bläst er. Früh aufstehen lohnt sich doch….

Tipp: unbedingt Wasser mitnehmen, es gibt oben und auf dem Weg nach oben kein Flaschenwasser zu kaufen, sondern nur „normales“ indisches Leitungswasser – für Touristen nicht zu empfehlen. Wer sich unten am Haupteingang keine Fotografiererlaubnis besorgt hat, wird oben gnadenlos wieder nach unten geschickt oder muss seinen Foto beim Wachpersonal abgeben. Essbares ist am Berg nicht erlaubt.

Kurz bevor man zum Ausgang kommt, bekommt man einen Gutschein in die Hand gedrückt, ein Inder aus Mumbai klärt mich auch – es gibt ein kostenloses kleines Essen. Na dann, nichts wie hin, das wird – jetzt ist es 17:00 mein Frühstück (Essen darf auf den Berg und in die Tempel nicht mitgenommen werden). Es gibt eine Art Snacks, sieht aus wie getrocknete Nudeln und - mit zwei Esslöffeln Chilli drüber, schmecken die hervorragend, dann noch süsse Teilchen und Chai. Essen und Trinken kann jeder soviel er will.

Anschliessend zu Fuss durch den Ort (drei Kilometer) zurück zum Hotel. Wie mir der Herr aus Mumbai stolz erklärt hat, steht auf dem Weg in den Ort alle fünfzig Meter ein Jain-Tempel. Das kann durchaus stimmen, ein Tempel reiht sich an den anderen. Vom Berg bis in die Stadt reiht sich eine Daramssala (Pilgerunterkunft) an die andere, aber keine so rustikalen und einfachen wie in vielen Hindu-Pilgerorten, sondern neue und durchaus recht luxuriöse Unterkünfte – wären es Hotels würde ich sie in der 1500 bis 3000-Rupies-Klasse einstufen. Man sieht, die Jains gehören nicht zu den ärmsten Schichten Indiens. In Indien gibt es nur etwa 4,2 Millionen Jains, aber sie zahlen angeblich 33 % der indischen Einkommenssteuer. Tatsächlich sind unter den Reichen und Superreichen Indiens überdurchschnittlich viele Jains. Fast alles diese Pilgerunterkünfte sind kostenlos oder gegen eine Spende zu benutzen – allerdings nur für Jains, als Tourist hat man da angeblich wenig Chancen (ich habe es aber auch nicht probiert).

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20.07.2010, 18:59

Palitana


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20.07.2010, 19:02

Palitana


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20.07.2010, 19:06

Palitana

Der alte Ortskern Palitanas hat einige schöne alte Gebäude und viele Geschäfte – ich denke, die werde ich mir morgen antun, sonst aber nur relaxen, nach diesem Tag bin ich ganz schön geschafft. Die Hitze nimmt jetzt von Tag zu Tag zu, nicht dass ich viel mehr schwitzen würde, das nicht, aber ich merke an meinem Wasserkonsum, dass viel verdunstet – die empfohlene Mindesmenge von drei Litern wird da leicht um zwei, drei Liter übertroffen.

Am nächsten Tag nichts als relaxed und dann drei Stündchen auf den Märkten herum gestreunt – es gibt aber auch gar nichts für europäischen Geschmack. Dafür habe ich einen kleinen Essensladen gefunden, der Dosa macht – das fettige Zeug vom einzigen Restaurant der Stadt hängt mir zum Hals heraus. Nicht nur auf dem Berg Shatranjaya gibt es Unmengen von Jain-Tempeln, auch die Stadt ist voll von ihnen und es werden immer noch mehr gebaut. Ich habe auf dem Berg und in der Stadt mindestens zwanzig Tempel gesehen, die gebaut werden. Durchwegs waren dies recht luxuriöse und mit hervorragenden Steinmetzarbeiten versehene Gebäude, häufig aus weissmn Marmor, einige mit Einlegearbeiten aus Halbedelsteinen (wie man sie aus dem Taj Mahal in Agra kennt). Man sieht, wo das Geld ist und wie spendabel die Jainas sind.


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12.08.2010, 20:55

Junagadh

Früh um 05:30 mit dem Bus los nach Rajkot (85 Rupies), dort umgestiegen in den Bus nach Junagadh (61 Rupies). Alles ohne Wartezeit. Via Rajkot nach Junagadh klingt wie ein Riesenumweg, ist es auch, ist aber die schnellste Strecke, da die direkten Strassen recht schlecht und recht eng sind. Drei Viertel der Stecke Rajkot nach Junagadh sind als Autobahn ausgebaut, so dass ich schon um 11:30 in Junagadh war. Auf der Fahrt überholen wir zahlreiche Gruppen von weiss gekleideten Jain-Nonnen, die zu Fuss durch das Land pilgern. Viele sind auch ganz alleine unterwegs. Jain-Mönche sind seltsamer Weise nicht zu sehen.

Die Zimmersuche war etwas umständlich, da die meisten Hotels voll oder zu teuer waren. Ich bin dann in der Nähe vom Busbahnhof im Hotel Anand (250 Rupies) untergekommen.

In Junagadh war ich schon vor über 10 Jahren mit meiner Frau und wir waren erstaunt über die Freundlichkeit und Ehrlichkeit der Menschen. Diesmal zuerst ein Reinfall: der Rikschafahrer hat mich gekonnt abgezogen und praktisch das Doppelte des normalen Preis abkassiert. Das passiert jedem Asienreisenden immer mal wieder, ärgert mich aber fürchterlich.

Nachmittags dann zum Mahabat Maqbara. Das Mahabat Maqbara ist ein erstaunliches Mausoleum des Nawab von Junagadh, erbaut Ende des 19.Jhts. Wie kleine Blasen ragen die zahlreichen runden Kuppeln in den Himmel. Innen drinnen befindet sich eine silberne Türe, die man von aussen aber nicht sieht (es ist immer abgeschlossen). Daneben Vazirs Maqbara, ein Mausoleum mit vier Minaretten, um die in Spiralen Treppen nach oben führen. Die Treppen sind frei begehbar, ich habe es aber unterlassen, nachdem ich riesige, oft mehr als fünf Zentimeter breite Risse zwischen Treppe und Minarett entdeckt habe (ist mir ja schwer angekommen, wo ich doch immer überall hinaufsteige). Neben den beiden Grabmalen eine Moschee mit vier Minaretten, zwei haben ebenfalls Wendeltreppen nach oben. Zahlreiche große Raubvögel fliegen um die Gebäude, einer sitzt direkt ungefähr zehn Meter neben mir an einer Vogeltränke und lässt sich nicht stören.

Vor den beiden Grabmalen spielen ungefähr dreißig Moslemjungen zwischen zehn und vierzehn Kricket. Ich habe noch nie in Indien so eklige, unhöfliche, freche und aggressive Kinder erlebt wie hier – als Frau hätte ich sicherlich eine Menge Angst gehabt vor den Bälgern. Das hatte ich auch noch anders in Erinnerung. Mir hat es dann gereicht und ich bin in die Stadt, die tote Haupteinkaufsstrasse, die M.G. Road entlang (es war Sonntag, fast alle Geschäfte waren geschlossen), zumindest fand ich ein gutes Restaurant und wieder die altbekannten netten Menschen. Irgendwann bin ich dann in den engen Gassen verschwunden und am Diwan Chowk heraus gekommen, einem großen Platz im Zentrum: wunderbare alte Gebäude in dem typischen Junagadh-Stil: eine Mischung aus indo-sarazenisch, europäisch und neogotisch.

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12.08.2010, 20:55

Junagadh

Beim Rückweg direkt am Moslemviertel ein erstaunliches Bild: unzählige große Raubvögel (ich habe bis 140 gezählt, aber dann aufgehört, es waren sicherlich noch einmal so viel) schwebten über dem Viertel und stürzten sich immer wieder hinter die Häuser. Ich ging zwar herum, konnte aber nicht über die Mauer sehen, dem Gestank nach würde ich sagen, lagen da Tierreste von den moslemischen Metzgern – vermute ich. Auf fast allen Elektro- und Lichtmasten sassen ein oder mehrere Raubvögel. Wirklich erstaunlich.

Junagadh ist auch der Ausgangsort für die Besteigung des Girnar Hill, neben Palitana der heiligste Wahlfahrtsort für die Jains. Neben zahlreichen Jain-Tempeln gibt es aber auch mehrere Hindu-Tempel am Berg. Während es in Palitana 3400 Stufen und eineinhalb Stunden nach oben sind, muss man hier 10000 Stufen und über drei Stunden nach oben laufen. Keine Ahnung, ob ich mir das bei der Hitze antue – angeblich soll der Weg viel im Schatten verlaufen und zahlreiche Chai-Stände soll es auch geben.

Durch Zufall entdeckte ich die Grabmale der Babi-Könige. Die Babi kamen ursprünglich aus Afghanistan als Untergebene der Moguln, machten sich dann aber 1748 in Junagadh selbständig, als die Moguln an Macht verloren. Auf dem islamischen Friedhof stehen mehr als zehn große Grabmäler, unter anderem das der ersten Nawab Sher Khan Salabat Khan (1748-58), das des zweiten Nawab Mahabat Khan I (1758-1775) und das der Ratanbai, Begum des Nawab Bahadur Khan I. Die Bauwerke sind zum Teil ausgesprochen schön mit wunderbaren Steinmetzarbeiten und –fenstern. Leider ist der Friedhof recht vergammelt. Der Eingang befindet sich in der Dhal Road direkt gegenüber dem Relief Hotel etwas versteckt in einer kleinen Seitengasse. Anschliessend ging es die Dhal Road hinauf zum alten Fort Uperkot. Uperkot wurde angeblich von Chandragupta 319 v. Chr. erbaut und über die Jahrhunderte immer wieder erweitert. Das Fort wurde angeblich sechzehnmal belagert und hat angeblich einmal einer zwölf Jahre langen Belagerung widerstanden. Vom 7. bis zum 10. Jht. wurde es aufgegeben, vom Dschungel überwuchert und dann wieder in Betrieb genommen. Man sieht heute noch die Wälle und einige Türme, die Eingangsbefestigungen, die alte Jama Masjid (eine Rarität in Indien, denn der Hof ist mit einer Säulenhalle überdacht, in die drei achteckige4 Öffnunen eingebracht sind). Sonst ist das Fort eine Art wilder, überwucherter Park mit alten Moslemgräbern unter anderem das des Heiligen Nuri Shah, einer buddhistischen Höhle (100 Rupies Eintritt für Nicht-Inder, den Eintritt ist die Höhle auf keinen Fall wert). Dann stehen noch einige großen Kanonen herum: die Kadanal, die Neelam und die Manek. Die Kanonen stammen von der türkischen Flotte unter Suleman, der auf Einladung des Sultans von Gujarat 1538 die Portugiesen aus Diu vertreiben sollte, aber vernichtend geschlagen wurde. Eine der Kanonen stammt aus dem Jahr 937

Uperkot ist eine Idylle für wildlebende Pfaue, grosse Raubvögel (die sich einige Meter neben den Menschen auf Laternenpfähle, Minarette oder Bäume niederlassen), Schmetterlinge und unzählige Streifenhörnchen.

Am Interessantesten sind Navgan Kuvo und Adi Vav, beides die ältesten Stufenbrunnen, die es in Gujarat bzw. in Indien gibt. Navgan Kuvo ist der älteste nachgewiesene Stufenbrunnen, allerdings noch nicht im typischen Stil: die Treppe führt zuerst gerade und dann in einer Rechtsspirale rund um den Brunnenschacht nach unten, Öffnungen lassen Licht in den Treppenschacht. Adi Vav ist der älteste Stufenbrunnen im ausgereiften Gujarati-Stil: die Stufen führen gerade hinab zum Brunnen, hier allerdings ohne jegliche der späteren so aufwändigen Steinmetzarbeiten und –verzierungen. Leider kann man beide Brunnen nicht bis ganz hinuntergehen, da sie völlig verdreckt sind und das Wasser stinkt, als ob man alle Fäkalien der Stadt hineingeleitet hat – noch in hundert Meter riecht man den Gestank. Traurig.

Überhaupt ist Junagadh eine der dreckigsten Städte, die ich in Indien gesehen habe. Nirgendwo gab es so viele schmutzige Menschen, die mit völlig verdreckten Klamotten herum laufen (normalerweise versuchen sogar die Armen einigermassen sauber auszusehen, selbst wenn es – wie in Rajasthan – wenig Wasser gibt, was hier aber nicht der Fall ist). An den unmöglichsten Stellen liegt Unrat: die Stufenbrunnen sind voll, der Friedhof mit den Gräbern der Babi-Herrscher, sogar die beiden Bauwerke, auf die sie besonders stolz sind: Mahabat Maqbara und Vazirs Maqbara. Auch die Märkte sind ziemlich dreckig, selbst die Restaurants (es gibt nicht viele) und die Essensstände gehören nicht zu den Saubersten (Patels Restaurant am Busbahnhof, Geeta Lodge und Santoor Restaurant gehören zu den Ausnahmen). Beim Rückweg zum Hotel geriet ich dann noch zufällig auf den Fisch- und Fleischmarkt. So etwas hatte selbst ich noch nicht gesehen: es war grauenhaft, Fleisch und Fisch lag auf Zeitungspapier am Boden, daneben der Müll, alles überzogen mit einer Wolke von Fliegen und sonstigen fliegenden Zeug, dazwischen stoisch die Verkäufer und Verkäuferinnen, alles inmitten eines Gestanks, der denen an den Stufenbrunnen nicht nachsteht: wer so ein Zeug isst, dem ist wohl alles zuzustrauen, der isst dann wohl jeden Dreck. Da kann man nur zum Vegetarier werden…..

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12.08.2010, 21:00

Junagadh

Um der größten Hitze zu entgehen, nach dem Essen, in den Sakkarbaug Zoo. Entgegen der Beschreibung im Reiseführer war er eher bescheiden, hat dafür auch nur 10 Rupies Eintritt gekostet. Alle Tiere in Käfigen mit Maschendraht umgeben, zwei schöne weisse Tiger, einige asiatische Löwen (aus Sasan Gir), viele Hirscharten (da stehen Asiaten aus irgendeinem Grund drauf), einige Schlangen, mehere Aquarien mit typischen Aquariumsfischen, viele Vogelarten, das war es dann schon. Bei der Pause im Schatten von einigen Bäumen kamen wieder einige von den unaustehlichen Kindern und nervten mich. Seltsam, dass die hier so unangenehm sind: wenn man keine Fotos von ihnen machen will, werden sie unverschämt und aggressiv. Nicht dass ich ihnen den Gefallen nicht tun will, mache ich sogar gerne, wenn die Kinder nett sind (und lösche dann in der Regel von 40 Fotos 39), aber wenn sie so bescheuert sind. Die Leute über fünfundzwanzig sind hingegen ausgesprochen nett.

Nach 17:00 dann noch einen Einkaufsbummel durch die Stadt. Die Gegend um Diwan Chowk hat wunderbare alte Gebäude (vor Jahren hatten wir dort einmal einen Hochzeitssari zum Spottpreis gekauft), doch diesmal war aber auch gar nichts als Mitbringsel zu finden: es blieb bei einem „Großeinkauf“ von fünf Zitronen und einer Seife.

Mit dem Fernrohr sieht der Girnar Hill ganz anders aus als beschrieben, nicht sehr viele Bäume und der Weg geht fast ständig in der Sonne nach oben. Nachdem mir eh schon die Knie vom vielen Herumlaufen schmerzen, beschließe ich: der Girnar kann warten – ihn wird es nicht schmerzen.


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12.08.2010, 21:02

Junagadh


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12.08.2010, 21:04

Junagadh


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12.08.2010, 21:09

Junagadh


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12.08.2010, 21:13

Sasan Gir

In der Frühe dann los mit dem Bus nach Somnath. Wir durchqueren den Sasan Gir und halten kurz in Sasan.

Sasan Gir ist das einzige Gebiet auf der Welt, in dem es noch asiatische Löwen gibt. Was asiatische Löwen? Gibt es tatsächlich, auch wenn sie praktisch ausgestorben waren. Ihr Verbreitungsgebiet war ganz Nordindien von Gujarat und Rajasthan bis nach Bihar und Bengalen, aber die Lust auf Großwildjagd hat ihnen den Garaus gemacht (bei Delhi wurde der letzte Löwe bereits 1834 geschossen, in Rajasthan 1870). Der Nawab von Junagadh richtete Anfang des letzten Jahrhunderts für die letzten 12 Löwen sein Jagdgebiet als Schutzgebiet ein, eben Sasan Gir. Und das sind nun die, die es noch gbit – allerdings haben sie sich ganz anständig vermehrt. Neben Löwen gibt es Leoparden, Sambar- und Axis-Hirsche, Nilgaur- und die Vierhorn-Antilopen, indische Gazellen, Wildschweine, Hyänen, Schakale und Krododile.

Der Eintritt in Sasan Gir beträgt für Nicht-Inder 40 US $ (bezahlt werden muß in Rupies und umgerechnet wird prinzipiell immer zum schlechtesten Umrechnungskurs). An Sonn- und Feiertagen erhöht sich der Eintrittspreis sogar noch um ein Viertel – ein Novum in Indien (zumindest ich kenne ein ähnliches Verhalten nirgends). Der Eintritt gilt allerdings nur für vier Stunden. In der Zeit muß man sein Fahrzeug und seinen Guide organisieren (ist allerdings kein Problem). Das Problem ist, dass man in der Regel natürlich keine Löwen in der kurzen Zeit sieht, mit viel Glück eine Antilope oder einen Hirschen. So ging es uns bei unserem letzten Besuch – die Fahrt mit dem Jeep war zwar schön und die Gegend interessant, aber gesehen haben wir nicht viel. Allerdings wurde kurz vorher – was wir nicht wussten – eine „Interpretation Zone“ eingerichtet (heute kennt es jeder unter dem namen „Devalia“), ein eingezäuntes, 4 qkm großes Gebiet, in dem alle Tierarten vertreten sind. Und da sieht man tatsächlich Löwen. also am Besten gleich hier anfangen. Kleine Busse für acht Personen fahren durch diesen Teil des Sasan Gir - allerdings zahlt man hier noch einmal 20 US $ Eintritt plus die Kosten für Fahrzeug und Guide), die Fahrt dauert meist 30 bis 40 Minuten und ist gut organisiert. Wird ein Löwe gesichtet, werden alle Fahrer per Funk und Handy informiert und dann fährt er eben dahin. Klingt schlimm, ist es aber nicht, denn mehr als drei, vier Fahrzeuge waren (damals) nicht in Devalia unterwegs. Und die Busse haben gegenüber den Jeeps den Vorteil, dass sie Glasfenster haben: wenn dann zwei Meter neben dem Bus so ein ausgewachsener Löwe auftaucht, gähnt und brüllt, ist es ganz beruhigend wenn man nicht im Jeep, sondern hinter einem Fenster sitzt. Man weiß ja nicht, hat er nun schon gefrühstückt oder nicht.

Der asiatische Löwe ist etwas kleiner als der afrikanische, das Fell ist beige bis sandfarben (also heller), beim männlichen Tier ist die Mähne wesentlich kleiner. Die Tiere haben alle eine Hautfalte, die sich in der Mitte des Bauches entlangzieht. Der asiatische Löwe spaltete sich vor ca. 50.000 bis 100.000 Jahren vom afrikanischen ab.

Diesmal also keine Löwenbesichtigung (für jemand, der wie ich in Thailand schon lebende Tiger gestreichelt hat) durchaus verschmerzbar. Also weiter nach Somnath.

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12.08.2010, 21:15

Somnath

Somnath liegt bei Veraval direkt am Meer. Der Bus fährt durch Veraval, den größten Fischerhafen Gujarats, wichtigster Einschiffspunkt für die indischen Haj-Pilger (Pilger nach Mekka). Überall werden große Holzschiffe gebaut. Rund um den Hafen stinkt es wie die Pest (sogar die gestankgewohnten Inder halten die Nase zu): überall wird Fisch ausgeladen, verarbeitet, ausgenommen und getrocknet. Das stinkt halt.

Eigentlich wollte ich ja in Veraval bleiben und die fünf Kilometer nach Somnath mit dem Citybus pendeln, aber jetzt bin ich doch ganz froh nach Somnath gebucht zu haben. Nach einer halben Stunde Suche in den kleinen vergammelten Gässchen habe ich dann dort ein erschwingliches Zimmer (200 Rupies) im Mahadev Guest House gefunden.

Der Tempel von Somnath direkt an Meer ist selbst für indische Verhältnisse ein Unikum. Es gibt sicherlich keinen, der so oft zerstört und wieder aufgebaut wurde. Laut indischer Mythologie wurde er in besseren Zeiten vom Mondgott Somraj in Gold erbaut, dann zerstört, von Ravana in Silber neu erbaut, dann zerstört, vom Gott Krishna in Holz neu errichtet und zerstört und dann wieder vom Gott Bhimdv in Stein erbaut. Und nun kommt man in nachvollziehbare Zeiten. Der Tempel war so reich, innen mit Goldplatten ausgekleidet und mit Edelsteinen geschmückt, dass sich auf die Berichte des arabischen Kaufmanns Al-Biruni hin der altbekannte Zerstörer Mahmut von Ghazni aufmachte und 1024 den Tempel völlig zerstörte, natürlich nicht ohne vorher den gesamten Reichtum zu klauen. Der Tempel beschäftigte zu der Zeit 500 Tänzerinnen, 300 Musikanten und mehr als 300 Barbiere.

Unermüdlich wurde der Tempel aufgebaut, um jedoch bald wieder von den Muslimen zerstört zu werden, unter anderem 1297 und 1394. Schließlich kam dann 1706 auch noch der Hinduhasser und –vernichter, der Mogulkaiser Aurangzeb (das war der, der für jeden abgehackten Hindukopf ein Silberstück zahlte) und zerstörte den Tempel erneut (na ja, es war nicht sein einziger – er hatte ja praktisch jeden Hindutempel in Nord- und Zentralindien dem Erdboden gleich gemacht; es müssen Hunderte, wenn nicht Tausende gewesen sein). Dann hatten die Hindus wirklich keine Lust mehr, den Tempel ständig neu aufzubauen.

Wenn man so die Geschichte einiger Hindutempel liest, dann kommt einem das Hin und Her um die Babri-Moschee doch recht lächerlich und einseitig vor. Die Babri Moschee ist eine Moschee, für die einer der heiligsten Hindutempel – der Geburtsort Krishnas – vor einigen hundert Jahren zerstört und die zur Machtdemonstration aus den Teilen des zerstörten Tempels erbaut wurde. Nach der Unabhängigkeit Indiens wollte man den Krishnatempel wieder aufbauen, aber lange tat sich nichts, so dass 1990 radikale Hindus die Moschee erstürmten, um den alten Krishna-Tempel wieder aufzubauen – noch heute rechtfertigen fast alle muslimischen Terroristen, auch die vom 26.11.2008 in Mumbai - ihre Attentate und Morde mit der Babri-Moschee (wie viele zerstörte Tempel hätten wohl hinduistische Terroristen zur Rechtfertigung?).

Zurück nach Somnath: Erst nach der Unabhängigkeit (als die Gefahr einer erneuten Zerstörung durch die Muslime recht gering war) wurde der Tempel im Jahr 1950 nach alten Beschreibungen neu aufgebaut. Auch heute haben die Inder hier anscheinend noch ihr Trauma weg: ich habe noch keinen Tempel gesehen, der so scharf bewacht wird, wo wirklich jede Tasche (auch die Hosentasche) gefilzt wird (sogar meinen Pass haben sie durchgeblättert, könnte ja eine Bombe oder ein Gewehr zwischen den Seiten sein) wie hier. Im Tempelgelände sitzen sicherlich an die zweihundert Polizisten mit Gewehren, im ersten Stock des Eingangturmes wurden sogar Maschinengewehre aufgebaut. Ach ja: fotografieren ist auch verboten, sogar von aussen mit dem Teleobjektiv. Taschen, Kameras und Mobiltelefone müssen abgegeben werden, Getränke und Lebensmittel sind im Tempel ebenfalls nicht erlaubt.

Trotz allem, der Tempel ist sehr schön und sehr groß, die Lage direkt am Meer recht malerisch. Innen im Tempel ist einer der zwölf heiligsten Shiva-Schreine (bekannt als jyoti linga). Viele Elemente des Tempels sind jainistisch beeinflusst, am auffälligsten das große Gewölbe im Haupttempel. Direkt am jyoti linga wurde wieder begonnen, den Tempel mit Goldplatten und Edelsteinen zu verzieren – sehr weit ist es allerdings noch nicht gediehen. Dafür gibt es abends eine riesige Puja: der Tempel ist eingeräuchert, Hunderte von Indern stehen herum, die Brahmanenpriester machen vor jeden Schrein ihre Feuerzeremonie, dazu werden riesige Trommeln geschlagen, mehrere Klarinetten quäken und eine elektrisch betriebene Glockenanlage macht den Hintergrundlärm dazu. Einfach großartig – man sollte aber Oropax dabei haben. Inder brauchen die anscheinend nicht, die sind eh schon gehörgeschädigt.

Abends um 19:45 gibt es eine Sound- und Lightshow (20 Rupies) allerdings nur in Gujerati. Sie ist trotzdem spektakulär.

Im Ort gibt es sehr viele Muslime. Auf meinen Wegen durch die kleinen Gassen – komischer Weise komme ich immer in die hintersten Ecken, wo sicherlich schon lange kein Tourist mehr war – wurde ich mehrmals freundlichst und herzlichst zum Tee und einmal sogar zum Essen eingeladen (das Essen konnte ich abbiegen, die Erinnerung an den Fleischmarkt von Junagadh beflügelte meine Entschuldigungen und Ausreden). Tja, die Art von Moslems gibt es halt auch.

Der Ort selber hat nicht viel zu bieten: eine Marktstrasse, eher ein Gässchen von der Hauptstrasse hinab zum Tempel, einige kleine uninteressantere Seitengassen, das war es. Aber immerhin gibt es ein gutes Restaurant, das Bhabha.