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31.08.2010, 19:53

Bhuj

Um 5:30 wurde ich in Bhuj geweckt: Endstation. Zuerst einmal Zähne geputzt und dann in Ruhe und Frieden einen Chai trinken, während drei, vier Rickschafahrer auf einen einreden. Nach einem Chai geht alles viel besser.

Eine Rikscha bringt mich zum City Guest House, das laut Führer das Billigste und das Sauberste in Bhuj sein soll. Leider haben sie seit Erscheinen des Reiseführers (vor sechs Monaten) die Preise verdoppelt. Das ist immer wieder meine Erfahrung, wenn ein Hotel in einem Standardreiseführer besonders gelobt wird, dann ist es beim nächsten Besuch wesentlich teuerer oder fürchterlich abgewohnt, weil jeder Reisende dort hin will. Leider hat Bhuj nicht viele Alternativen.

Bhuj ist die Hauptstadt des Kutch und hat ungefähr 140.000 Einwohner. 2001 suchte eines der schlimmsten Erdbeben der letzten Jahre den Kutch und Bhuj heim: 15.000 bis 20.000 Einwohner von Bhuj verloren das Leben. Große Teile der Stadt wurden zerstört. Schäden sieht man auch heute noch, aber Schäden sieht man in jeder indischen Stadt, so dass man nicht sagen kann, die stammen von dem Erdbeben, vielleicht sind sie hier etwas zahlreicher. Der große Prag Mahal Palast wurde teilweise wieder restauriert, riesige Risse sieht man immer noch und einige Teile liegen noch in Schutt. Das neben gelegene Aina Mahal verlor im Erdbeben das obere Stockwerk, fast alles des ältesten Teils, des Durban Gadh, ist eingestürzt, so dass nur noch einige der Aussenmauern mit wunderbaren Steinmetzarbeiten stehen (eine Spendenaktion des Victoria and Albert Museum London unterstützt den Wiederaufbau).


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31.08.2010, 19:54

Bhuj

Berühmt ist Bhuj und seine Umgebung für die vielen unterschiedlichen Volksstämme und für seine Handarbeiten: überreich bestickte Stoffe, Tonarbeiten und Lehmarbeiten. In einigen Dörfern haben sich zuammen mit europäischen Hilfsorganisationen Kooperativen gebildet, die Übernachtungen und Führungen anbieten (allerdings zu wirklich auserlesenen Preisen, das Shaam-e-Farhad Rural Resort z.B. verlangt für ein Zelt 2000 Rupies und für eine traditionelle Lehmhütte 3000 Rupies pro Tag).

Am nächsten Tag im Prag Mahal: muss einmal (vor 2001) ein wunderbarer Palast gewesen sein, die Durbar Hall ist auch heute noch sehr eindrucksvoll – riesig und hoch wie ein Kirchenraum. Leider durch das Erdbeben ziemlich in Mittleidenschaft gezogen. Wahrscheinlich würde es zwei, drei Millionen Euro brauchen, um all die Schäden zu renovieren. Die 12 Rupies Eintritt und die 50 Rupies für die Kamera sind es allemal wert.

Das Aina Mahal enthält im Erdgeschoss noch einige der alten Räume in einem äußerst ungewöhnlichen Stil. Im ersten Saal steht der Thron des Maharajas umgeben von einem Wasserkanal mit Springbrunnen, daneben ein grösserer Raum mit weissen Marmorwänden umgeben von Spiegeln, Bildern auf Spiegel bzw. Glas gemalt, Säulen mit goldbelegten Stuck- und Schnitzereiarbeiten. Im nächsten Raum das Bett des Maharajas mit vier vollgoldenen Füssen. Der Kerl war recht schlau: er hat jedes Bett nur ein Jahr benutzt und dann vesteigern lassen: alle Edelleute und reichen Kaufleute waren so wild nach seinem Bett, dass er von dem Erlös meist ein ganzes Jahr seine Hofhaltung finanzieren konnte. Das Obergeschoss ist leider beim Erdbeben 2001 eingestürzt und nur provisorisch wieder hergegestellt, die meisten Einrichtungsgegenstände zerstört. Die 10 Rupies Eintritt und die 30 Rupies für die Kamera sind es sicherlich wert.

Wer gute Informationen über Bhuj und den Kutch braucht, der sollte sich an den Kurator P.J. Jethi des Aina Mahal wenden, das zugleich das Tourist Office ist: es gibt wahrscheinlich keinen, der sich so intensiv mit Kultur, Stämmen und Handwerk im Kutch befasst hat. Er weiß praktisch auf fast alles eine Antwort und organisiert auch Touren (pro Tag mit einer Autorikscha 1000 Rupies).

Eigentlich wollte ich ja nach Nordwesten direkt zum großen Runn of Kutch, aber nachdem mir fünf Leute – darunter drei Tourveranstalter, die daran verdient hätten – die Sache ausreden wollten, ließ ich mir sie ausreden: es hätte nur Sinn, im Dezember den Runn zu sehen, zu den anderen Zeiten wäre es zu heiß, jetzt hätte es Mittags 40 bis 45 Grad….. Na, dann ein anderes Mal.

Ach ja, das muss auch mal gesagt werden: die Moslems sind hier mindestens genauso nett wie die Hindus und man kann sie höchstens an ihrer weissen Kleidung mit Molsemkäppchen und am Non-Veg-Essen erkennen (kein Einziger unfreundlich!). Keine Ahnung, warum sie in Jamnagar so bescheuert waren.

Kaum sind die Moslems friedlich, schon macht ein anderer von sich reden. Sitze ich da so völlig unbedarft im Internet-Shop und hole meine E-Mails und was lese ich da so als Schlagzeile? Richtig, der Bene im Vatikan (Bene ist der bayrische Kosename von Benedikt) ist mal wieder direkt und voll in ein Fettnäpfchen gestiegen, als er einen Priester, der 200 Kinder missbraucht hat, geschützt hatte. Na ja, muss man auch verstehen, er hatte und hat ja Wichtigeres zu tun, gibt es doch immer noch katholische Familien, die es wagen ein Kondom zu nutzen – Teufel auch. Ausserdem ist er ja sowieso einer, der in jedes Fettnäpfchen tritt, wobei er meistens in seiner verqueren Denkweise gar nicht weiss, ob ein Fettnäpfchen ein Fettnäpfchen ist. Vielleicht ist er auch nur geisteskrank. Und sein Bruder im Geiste, dieser Fundamentalist aus Augsburg, verprügelt kleine Kinder. Wer hätte das von dem NICHT erwartet, wo der doch am liebsten die Inquisition wieder einführen will. Seine Gesinnung kennt man doch schon seit Jahren. Warum die Leute da so erstaunt sind? Und dann kommt doch noch so ein Kirchenmann und sagt: die Vorwürfe seien ja eigentlich nur vergleichbar mit antisemitischer Hetze. Der hat es glassklar erkannt, woouuh, diese intellektuelle Leistung. Also alles in allem: nichts Neues in der Heimat.

Viele Touristen gibt es hier nicht: hier weinen sogar manche Kinder und verstecken sich am Hals von Vater oder Mutter, wenn sie einen westlichen Touristen sehen (und das, wo ich zu Kindern immer einen guten Draht habe). Vielleicht erzählt man hier den Kindern, wenn sie böse sind statt vom „schwarzen“ vom „weissen“ Mann.

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31.08.2010, 19:57

Bhuj


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31.08.2010, 19:59

Bhuj


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31.08.2010, 20:02

Bhuj


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31.08.2010, 20:06

Vanday

Heute, 24.März, ist Feiertag, Rama Geburtstag. Rama ist eine Inkarnation Vishnus und der Hauptheld des Ramayanas. Im Ramayana wird Rama von der bösen Stiefmutter aus dem Palast geekelt. Um keinen Bruderkrieg zu führen geht er mit seiner Gemahlin Sita und seinem Bruder in den Urwald. Dort sieht der böse Ravana aus (Sri) Lanka die schöne Sita und enführt sie. Rama führt mit Hilfe des Affenkönig Hanuman Krieg gegen Ravana, besiegt ihn natürlich und bekommt seine Sita zurück. So kurz die Handlung. Und genau der hat heute Geburtstag.

Schon am gestrigen Abend gab es in einigen Tempeln von Bhuj größere Zeremonien mit Musik- und Gesangseinlagen. Im Ashapura Tempel drängten sich die Leute. Im hinteren Teil gab es einen Altar für die Göttin Durga, die auf einem Tiger reitet; hier reitet sie nicht, dafür liegen zu ihren Füssen zwei grosse Plüschtiger a la Steiff.


Der Kurator vom Aina Mahal hatte mir empfohlen, nach Vanday zu fahren. Das tat ich dann auch mit dem Bus. An der Hauptstrasse wo mich der Fahrer herausließ war – nichts. Ein Auto kam vorbeit (eine Rikscha im Linienbetrieb) und nahm mich für 5 Rupies einige Kilometer mit. Tatsächlich gab es da einen Rama-Tempel mit einer Unmenge von Indern. Der Tempel „Umiya mataji“ war relativ neu (vielleicht nach 2001 gebaut) und nicht so interessant, aber die Stimmung war schön, angenehm und sehr spirituell: die Leute gingen in den Tempel, holten sich ihren Segen, setzten sich, sangen, gingen hin und her, unterhielten sich, sangen wieder. Nach einer Stunde und mehreren typisch indischen Gesprächen verließ ich den Tempel und mischte mich unter das „Volk“, denn draußen gab es einen großen Jahrmarkt, mit vielen kleinen Verkaufsständen, Getränke- und Essensmöglichkeiten, einigen kleinen Karussellen für Kinder, ein Riesenrad und einige andere Fahrgelegenheiten. Sicher die Hälfte aller Verkaufsstände verkauften Kricketschläger in jeder Form und Größe – wie die alle auf ihr Geld kommen wollen, wird mir immer ein Rätsel bleiben. Viele Frauen aus der Umgebung liefen herum – zum Teil mit wunderbar bunt bestickten Kleidern, manche glitzerten nur so vor eingenähten Spiegeln und Glitzerkram. Viele tragen auffällige Nasenringe und riesige Ohrgehänge, die die Ohrlöcher bis auf vier, fünf Zentimeter ausweiten. Leider sind sie alle recht kamerascheu: keine ließ sich fotografieren.

Rund um den Jahrmarkt war praktisch Wüste, immer wieder kamen starke Winde und schütteten Unmengen von Sand über den Jahrmarkt und die Leute - keinen schien es zu stören.

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31.08.2010, 20:08

Vanday


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31.08.2010, 20:11

Vanday


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31.08.2010, 20:13

Vanday


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31.08.2010, 20:14

Mandvi

Um 09:00 mal wieder etwas spät mit dem Bus los nach Mandvi. Mandvi ist eine Hafenstadt und war früher eine der großen Handelszentren des Kutch. Heute ist es ein kleiner ruhiger Ort mit 40.000 Menschen.

Eine der Haupteinnahmequellen Mandvis ist der Schiffsbau. In Handarbeit werden riesige Holzschoner nach alten Mustern gebaut. Sie sind sehr gefragt. Das Holz kommt aus Malaysia und die Arbeiter sind meisten Muslime. Einige der Schiffe sind erstaunlich gross, über 15 m breit und über 70 m lang. Alles geschieht ohne große Werft, die Boote sind im Schlick auf Holz gelagert, rundherum nur einige kleine Holzgerüste, einige Holzstützen, fertig. Direkt neben den Werften, etwa 50 m weiter, suchen Flamingos, Reiher, Löffler und bunte Storche nach Futter und lassen sich nicht stören. Auf einigen Felder sehe ich pfauengrosse schwarze Vögel mit grau-weiß gesprenkelten Gefieder und roten gebogenen Schnabel und eine Unmenge von Pfauen.

Im Ort gibt es einen kleinen netten Markt (und ein ausgezeichnetes Restaurant, nach Bhagwan Shree Rajneesh „Osho“ genannt - es gibt dort ein wunderbares Thali. Drinnen sassen vier Russen – gegrüßt haben aber nur die Inder, verkehrte Welt).

Im Ort gibt es einen alten und einen neuen Swaminarayan-Tempel. Der neue Tempel ist Krishna geweiht, aus weißem Marmor (obwohl die Steinmetzarbeiten nicht sehr fein ausgefallen sind) und auf einem riesengrossen Gelände, ich schätze so auf fünf bis sechs Fussballfelder. Man merkt doch, dass die Swaminarayan-Sekte die reichste der Hindu-Sekten in Indien ist.

Mit der Rikscha für 100 Rupies dann hinaus 7 km zum Vijay Villas Palace, der mitten in einem Park aus Gebüschen und niedrigen Bäumen etwa 500 m vom Strand liegt. Der Sommerpalast wurde 1929 im rajasthanischen Stil erbaut und wird heute hauptsächlich als Drehort für Bollywood-Filme genutzt, unter anderem wurde der mehrfach ausgezeichnete Film „Lagaan“ dort gedreht. Der Palast ist wirklich schön, obwohl innen nicht viel zu sehen ist, aber die Lage machts. Im obersten Stockwerk, über eine gusseisene Wendeltreppe erreichbar, hat man eine wunderbare Aussicht und einen herrlichen Wind – ich breitete meinen Sarong aus und schlief dort, bis ich von einer indischen Familie, sechs Erwachsene und ein kleines Kind (das hässlichste, das ich je in Indien gesehen habe, aber es wurde mindestens zwanzig Mal fotografiert. Ob das kleine Ding später an den Fotos viel Freude haben wird?) lautstark geweckt wurde. Ach ja, die Russen sind auch wortlos aufgetaucht und nach drei, vier Minuten wortlos gegangen.

Sonst gäbe es – wenn man wollte (ich wollte nicht) – in Mandvi schöne, feingearbeitete Silberarbeiten und die überall im Kutch hergestellten aufwändigen Stickerei-Arbeiten mit Spiegeln und Perlen und Münzen zu kaufen.

Mittags ist es jetzt so heiss, dass die Hunde alle viere von sich gestreckt, im Schatten liegen. Vier Hunde lagen tot herum, denen war es wohl so zu heiss, dass sie gar keine Lust mehr hatten vor einem Bus oder LKW wegzulaufen.

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31.08.2010, 20:17

Mandvi


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31.08.2010, 20:20

Mandvi


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31.08.2010, 20:22

Mandvi


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31.08.2010, 20:23

Mandvi


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31.08.2010, 20:24

Mundra

Mundra ist ein kleiner Ort etwa 60 km südlich von Bhuj und ist in ungefährt zwei Stunden mit dem Bus über zum Teil kleinste Strassen erreichbar. Wieder erweist sich das indische Bussystem nicht als das pünktlichste: ein Bus fällt wegen angeblichen Reifenschadens aus, der andere kommt zu spät, also stehe ich am Busbahnhof fast eineinhalb Stunden herum. Am Busbahnhof warten auch viele farbenfrohe Frauen von den umliegenden Stämmen und bei einigen sehe ich eine schöne Art des Begrüssens: ein Mann kommt, verbeugt sich, legt die Hand auf den Kopf der Frau und führt die Hand dann zu seiner Stirn. Das gleiche macht er bei der Begrüssung des Kindes – ich vermute, es ist der Ehemann und Vater. Als der Bus kommt, gibt es natürlich den erwarteten wilden Ansturm – ich habe Glück und bekomme noch einen der Sitzplätze (na ja, drängeln und schieben muss man schon, da darf man keine Hemmungen haben, die Inder haben auch keine).

Wir passieren ein Krankenhaus – im Garten laufen sieben, acht Pfaue herum, wenn das kein Glück bringt. Dann geht es durch ein kleines Vorgebirge und durch viele kleine Orte, die Strasse ist zum Teil einspurig und jeder Fahrzeugbesitzer meint, der andere müsse ausweichen und zurückstossen, selbst wenn der andere einen Sattelschlepper oder Bus fährt. Dann gibt es eben eine kleine Diskussion unter Männern wer denn nun das größere Auto fährt und der PKW stösst dann doch zurück und lässt den Größeren vorbei.

Nach zwei Stunden bin ich in Mundra und komme um 15:20 endlich zum Mittagessen – zufällig in einem ausgezeichneten Restaurant (war eh das einzige, das ich gesehen habe). In der Stadt gibt es – speziell entlang und um die Bander Road – eine Unmenge von schönen alten Häusern mit herrlichen Holzschnitz- und Steinmetzarbeiten, schönen Holzbalkons und wunderbar geschnitzten großen Holztoren, herrlich morbide (was nur eine freundliche Umschreibung ist für heruntergekommen und im Verfall begriffen, aber ich mag solche Orte). Es gibt mehrere Jaintempel und die Shah Bukhari Moschee mit schönen filigranen Moscheefenstern und Steinarbeiten – leider eine Mogelpackung, denn hinter der Aussenmauer innen ist nichts und die Moschee selber ist neueren Datums und relativ uninteressant. Innen sind etwa 10 Gräber. In der Moschee beten Hindus und Moslems gemeinsam, bevor sie auf See hinausfahren.

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31.08.2010, 20:29

Mundra


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31.08.2010, 20:30

Kutch

Der Kutch liegt im äußersten Westen Indiens (in Gujarat) und gilt als der „wilde Westen“. Das Land ist flach und trocken, fast wüstenähnlich und in der Regenzeit eine Insel. In den Dörfern werden vielleicht die schönsten Handarbeiten Indiens hergestellt, unter Anderem schöne Stickereiarbeiten mit vielen Spiegeln und Glitzersteinchen. Einen Teil des Kutch nehmen der grosse und der kleine Runn ein.

Der Kutch wird immer wieder durch schwere Erdbeben heimgesucht. Im Jahr 1819 verlegte ein schweres Erdbeben den Lauf des Indus um einige hundert Kilometer nach Westen (ins heutige Pakistan) und im Januar 2001 zerstörte eines der schwersten Erdbeben, die je in Indien gemessen wurden, einen Großteil der Infrastruktur.

Im Kutch gibt es zahlreiche Stämme:
  • Die Jats kommen ursprünglich aus dem Iran und sind heute hauptsächlich Kuhhirten (die Dhaneth Jats) oder Bauern (die Garasia Jats) und andere widmen sich ausschließlich dem Studium des Korans (die Fakirani Jats, die als Nomaden leben). Alle Jats im Kutch sind Moslems und haben ähnliche Lebens- und Heiratsgewohnheiten.
  • Als „Harijans“, als „Kinder Gottes“ wurden von Mahatma Gandhi die Meghwal-Stämme in Gujarat bezeichnet, später dann auch global alle indischen Kastenlose und Unberührbare. Der Name „Harijans“ wird heute für die Kastenlosen nicht mehr verwendet, der korrekte Name für sie ist „Dalits“. Heute bezieht sich der Name „Harijans“ ausschließlich auf die Meghwal-Stämme. Harijans kommen aus dem indischen Marwar in Rajasthan und sind Spezialisten für Stickerei-, Patchwork-, Lederarbeiten und Holzschnitzereien. Harijans leben immer in Gruppen und ausserhalb der Orte, die Häuser sind immer sehr sauber und mit Mustern aus Kuhdung, Lehm und Spiegeln verziert.
  • Die Ahirs sind Anhänger des Krishna-Glaubens und leben als Schaf- und Ziegenhirten. Ihre Haupteinnahmequelle ist der Verkauf von Milch und Ghee (geklärte Butter), allerdings verlegen sich immer mehr auf das Transportgewerbe oder den Salzabbau.
    Junge Frauen tragen rote, grüne, blaue oder orange Kleidung, die aufwändig bestickt und verziert ist. Verheiratete Frauen tragen schwarze Kleidung, die oft nicht oder nur in unaufälligen Farben bestickt ist.
  • Die Rabari sind vollkommen unterschiedlich von allen Stämmen Indiens. Rabaris sind Nomaden oder Halbnomaden. Experten sagen, die Rabari kommen von Jaisalmer oder aus Afghanistan über Baluchistan oder aber aus dem Sindh – also eigentlich weiss man nicht, woher sie kommen.
    Es gibt Vagadias und Dhebarias Rabari – die Männer tragen weisse Kleidung, die Frauen schwarz. Auffallend ist, dass bei den Rabaris praktisch Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau herrscht, wobei die Arbeitsbereiche streng getrennt sind: Frauen machen die Hausarbeit, gehen Einkaufen und verkaufen ihre Erzeugnisse, Männer arbeiten auf dem Acker oder gehen in die Wüste mit ihren Kamelen, Schafen und Ziegen.
    Die Erd- und Lehmhäuser werden mit Kuhdung verziert.


Die Frauen der Jats und der Harijans tragen in der Regel wunderbare bunte, mit Spiegeln besetzte und bestickte Kleidung. Frauen der Dhaneta Jats tragen häufig einen grossen Nasenring, der etwa sechs bis acht Zentimeter Durchmesser hat und der zusätzlich mit einer langen Haarlocke festgebunden wird.

Erstaunlich ist, wie unterschiedlich hier die Frauen aussehen. Da gibt es grosse, stämmige, starkknochige Frauen, mit kantigen und harten Gesichtern, oft mit einem Anflug von Schnurrbart, die man durchaus mit Männern verwechseln könnte, wenn man ihnen Sari, Dupatta und lange Haare wegnehmen würde. Das andere Extrem sind unglaublich feingliedrige, in jüngeren Jahren sehr hübsche Frauen mit zigeunerhaften, oh Pardon, mit sinti- und romahaften (klingt zwar blöde, ist dafür aber politisch korrekt) Zügen. Die sollen ja auch irgendwo aus dem indischen Raum stammen. Ebenso erstaunlich ist, dass viele der Frauen in älteren Jahren (so ab vierzig, damit ist man in Indien in den älteren Jahren) einen unglaublichen Bauch unter ihrem Sari vor sich her schieben. Jeder bayrischer Bierfahrer könnte da neidisch werden.

Einig sind sich alle Frauen dieser Stämme, dass sie nicht fotografiert werden wollen. Wenn sie einen Touristen oder eine Kamera sehen, drehen sie sich sofort um oder lassen ihren Schleier über das Gesicht fallen – schade.

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31.08.2010, 20:33

Runn of Kutch

Der Rann von Kahchh – wie er deutsch so schön heisst – ist ein großer Salzsumpf in Gujarat, der sich bis über die pakistanische Grenze hinzieht. Ursprünglich war der Runn of Kutch Teil des arabischen Meers, aber durch Erdverschiebungen entstand daraus ein großer Salzsee, der vor 2000 Jahren noch mit Schiffen befahren wurde. Heute ist der Runn in der Trockenzeit völlig trocken, heiss und unwirtlich, wird aber im Monsun bis zu einem Meter überflutet und zu einem Morast- und Salzsumpf. In der Trockenzeit trocknet er wieder aus, bleibt aber an vielen Stellen lebensgefährlich, da unter einer trockenen Schicht oft noch der tiefe Salzsumpf existiert.

Typisch für den Runn sind einige zwei, drei Meter hohe, relativ grüne Inseln, die aus dem Salzsumpf herausragen und Lebensraum für die Tierwelt bieten. Es gibt nur wenige Gräser und Büsche, Bäume fast gar nicht. Grosse Tiere gibt es nur wenige. Der bekannteste ist der Khur (auch Ghorkhar), der indische Halbesel, der unglaublich lange Zeit mit bis zu 50 Stundenkilometer laufen kann und nur noch im Runn of Kutch zu finden ist. Angeblich gibt es noch 750 bis 900 Exemplare. Sonst gibt es noch die indische Gazelle, Nilgau- und Hirschziegen-Antilopen, Schakale, Wölfe, Karakal, Hyänen und die indische Steppenkatze. Ein Teil des Runn wurde zum Dhangadhra-Wildreservat erklärt.

Um Teile des Runn kam es immer wieder zu Grenzstreitigkeiten zwischen Pakistan und Indien. Der zweite pakistanisch-indische Krieg 1965 wurde durch einen Einmarsch pakistanischer Soldaten in den Runn begonnen (jeder der bisher vier pakistanisch-indischen Kriege wurde von Pakistan begonnen) – 450 Soldaten fanden dabei im Runn den Tod.

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31.08.2010, 20:36

Bhujodi

Bhujodi ist ein kleiner Ort etwa zehn Kilometer ausserhalb von Bhuj. Zu sehen gibt es dort nicht viel, ausser einigen Handwerkern und Geschäften. Bhujodi hat sich aber zu einem kleinen Zentrum der Textilindustrie in Kutch entwicklet. Es gibt dort die typischen einheimischen Waren in zum Teil besserer Qualität und billiger als in Bhuj.

Interessant ist der Hiralaxmi Memorial Craft Park am anderen Ende von Bhujodi. Dort wird in kleinen Läden die Entstehung der einzelnen Produkte von den Handwerkern gezeigt (Stickereien, Wollweberei, Baumwollspinnerei, die typischen Spiegelverzierungen auf Lehm, Kupfer- und Stahlglocken). Ausserdem kann man natürlich dort einkaufen und zwar wesentlich billiger als im eigentlichen Ort Bhujodi, da hier die Handwerker selber verkaufen und der Erlös direkt an sie fliesst.

Im Kutch gibt es eine ganze Menge an typischen Kunsthandarbeiten:
  • Baumwollstickereien
    Im Kutch gibt es sicherlich die schönsten Stickereien Indiens (die Arbeiten aus Rajasthan sind dagegen recht ärmlich). Es weden ethnische Motive mit garn, kleinen Spiegeln, Perlen und Muscheln verwendet. Speziell die Stickereien aus Banni gelten als die Schönsten (allerdings auch als die Teuersten – aber für europäische Verhältnisse spottbillig). Die Stickereien der Ahir, Rabari, Bavalia, Soof, Banni, Mutva und Jats unterscheiden sind sowohl in den Motiven als auch zum Teil im Herstellungsprozess.
  • Stickereien auf Leder
  • handgefärbte und -bedruckte Stoffe (Blockprinting) häufig mit Naturfarben (Pflanzenfarben)
  • wunderbare feine Batikarbeiten
  • Bandhani-Stoffe, wobei Teile des Stoffes je nach Anzahl der Farben mehrmals abgebunden und gefärbt werden – gute Stoffe können bis zu 5000 mal angebunden worden sein
  • schöne gewebte Baumwoll- und Wollstoffe, zum Teil mit Naturfarben oder naturbelassen
  • Mashroo-Weberarbeiten, bei dem der Effekt der Stickereiarbeiten durch Weben nachgebildet wird
  • Holzschitzarbeiten, vor allem die Herstellung von Druckstöcken für das Blockprinting oder die Herstellung komplizierter ethnischer Muster für Haus- oder Möbelverzierungen
  • Lackarbeiten, bei denen Wolle geformt und mehrmals lackiert wird
  • Diverse Terrakotta-Arbeiten, vor allem schöne große, mit Mustern verzierte Wasserkrüge. Zum Teil kommen die Muster aus der Mohanjo-Daro-Zeit (2400 v. Chr.)
  • Schlamm- und Lehm-Malereien: vor allem die Rabhari- und Harijan-Frauen betreiben dieses Handwerk. Auf die Häuser werden mit Lehm oder Schlamm (beides mit Kamel-Dung vermischt) plastische geometrische und ethnische Muster aufgetragen, teilweise mit Farben bemalt und mit unendlich vielen kleinen Spiegeln verziert. Typische Muster sind stilisierte Pfaue, Papageien, Finger, Elefanten, Pferde, Kamele, Bäume, Früchte und Pflanzen.
  • Silberarbeiten mit sehr aufwändigen Mustern
  • Kupferne Nussknacker mit kleinen eingearbeiteten Glocken
  • Messer in Form von Kugelschreibern
  • Eisenglocken mit aufwändig eingearbeiteten Kupferteilen

Man kann mit der Rikscha für ungefähr 250 Rupies nach Bhujodi und zurück fahren oder aber für 5 Rupies mit dem öffentlichen Bus und ungefähr einen Kilometer gehen – ein schöner kleiner Spaziergang. Die Rückfahrt ist ähnlich einfach: ständig kommen Sammel-Rikschas, die einen für ebenfalls fünf Rupies zurück nach Bhuj bringen.

Indien schafft alles, zuerst den Rollenkoffer meiner Frau, in Trivandrum gab es daher einen neuen, vor Kurzen meine Rollentasche und jetzt meine Kamera, obwohl ich die sorgsam hüte. Der Ein- und Ausschalter ist defekt, abgebrochen, Gottseidank als die Kamera an war: ich kann sie nicht mehr ausschalten, na dann bleibt sie halt den ganzen Tag eingeschaltet, nur wenn es gar nichts zum Fotografieren gibt oder nachts tue ich die Batterien heraus.


Ach ja: eine Herzerl- oder eine Brezel-Kuh traf ich dort auch (siehe Foto unten)

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31.08.2010, 20:39

Bhujodi