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  • »tigre« ist der Autor dieses Themas

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04.06.2010, 17:24

Tuvalu - ein verlorenes Paradies in der Südsee

TALOFA - Tuvalu, ein verlorenes Paradies

Weitab, verloren im Pazifik – verstreut auf einer Fläche von mehreren 1000 qkm Pazifik liegen die 9 kleinen Atolle und Inselchen, kaum zu finden auf der Weltkarte, kaum besucht von Fremden.. ich habe gehofft, mein Paradies zu finden…
Seit vielen Jahren habe ich Briefmarken gesammelt, eher unspektakulär, aber genau dieser Umstand hat mich im Jahre 1994 auf diese Inseln geführt. Zuvor während mehreren Jahren bekam ich regelässig Briefmarken und so kam es wie es kommen musste: ich wollte nun endlich wissen, woher die Post wirklich kommt.
Aber woher bekomme ich Informationen? Reiseführer… Fehlanzeige…im Netz….kaum Infos, dazu erst noch Bilder in schlechter Qualität, im Reisebüro… die haben von Tuvalu nie was gehört. Fazit: ich wusste kaum mehr als vorher, nur das mir klar wurde, dass niemand etwas wusste.

Dies war wohl einer der Hauptgründe, warum ich beschloss, etwas mehr über diesen Inselstaat zu erfahren.
Als ich im Reisebüro meine Pläne erläuterte schaute ich schon bald in ratlose Gesichter…Funafuti…ja um Himmelswillen wo liegt denn das…ich erklärte ihnen, dass dies die Hauptinsel mit dem einzigen Flugfeld auf Tuvalu sei.
Tuvalu ? Auf der Karte haben wir dann gemeinsam die winzigen Punkte gefunden. Buchen konnte ich nicht direkt, Funafuti war auf ihrem Buchungssystem nicht vorhanden, so brachte mich mein Flug am 24. September von Frankfurt über Los Angeles noch Hawaii und weiter nach Nadi auf Fidschi, insgesamt hatte ich eine reine Flugzeit von 24 h hinter mir! Entsprechend müde musste ich mir noch ein Hotel suchen, bevor ich dann in einen Tiefschlaf gefallen bin.

Mein Ziel war ja Tuvalu, so suchte ich bald ein Reisebüro auf, um mir ein Ticket nach Funafuti zu kaufen. Dies ging reibungslos über die Bühne, schon bald sass ich für weitere 3 Stunden im Flieger.
Ich war sehr gespannt, was mich wohl auf Tuvalu so alles erwarten würde. Der Anflug auf Funafuti war ein Traum…Südsee pur…Koralleninseln weit verstreut im türkisfarbenen Wasser.
Mit einem Talofa und einem Blütenkranz aus Frangipani um den Hals wurde ich herzlich empfangen, war ich doch der einzige Palangi weit und breit. Nach dem Bezug einer Privatunterkunft habe ich mir die Insel näher angeschaut. Dabei hat mich Faleefa, eine Lehrerin angesprochen. Sie wollte natürlich wissen, woher ich komme und was ich hier denn machen wolle.
Ich habe ihr erklärt, dass ich eigentlich die äusseren und abgelegenen Inseln besuchen möchte. Ohne zu zögern lud sie mich ein, sie auf Vaitupu zu besuchen... dies stellte sich dann als wahrer Glückstreffer heraus.
Während rund 5 Wochen sollte ihr Haus auch mein Zuhause werden…
Drei Tage später kaufte ich mir eine Schiffspassage mit der Nivaga II nach Vaitupu. Dies war nicht ohne Weiteres möglich, da die Reederei eigentlich keine Ausländer mitnimmt, angeblich eine Frage der Versicherung, da das Schiff mehrheitlich mit Fracht beladen wird. Nach langem Hin und Her konnte ich ein Ticket kaufen.
Nach einer mehrstündigen Fahrt habe ich zusammen mit ein paar Einheimischen Vaitupu erreicht. Als Begrüssung erschien das ganze Dorf am Pier, hatte sich doch herumgesprochen, dass ein Palangi sie besuchen wird. Ich fragte mich schon bald, wie dies so ohne Telefon zu machen war..... Morsen! Das war das Zauberwort ! Denn, so habe ich erfahren, dass kurz vor meiner Ankunft das Computer-Zeitalter angebrochen ist.....die PC's waren schon mal auf der Hauptinsel, aber keiner wusste was anzufangen damit....und das im Jahre 1994 ! Da wurde mir dann klar, als sie mich bei der Einreise fragten, ob ich denn nicht hier bleiben wolle, denn sie würden mir die gesamte Informatik anvertrauen, sogar ein Haus hätten sie mir zur Verfügung gestellt.

Nach einer ebenso herzlichen Begrüssung haben mich wohl alle Kinder dieser Insel zum Haus von Faleefa geführt. Schon bald spürte ich diese offene und herzliche Gastfreundschaft, denn kaum hatte ich mein Gepäck stehen lassen, durfte ich ein extra zubereitetes Nachtessen geniessen. Fangfrischer Fisch, auf dem Ofen gegrillt und Fisch eingelegt in einer Milch-u. Essigmischung , dazu Gemüse und Früchte, zuletzt eine Nachspeise aus Brotfrucht. Bald schon lernte ich ihre ganze Familie kennen, Saua und ihr Ehemann Uele zusammen mit ihren Kindern. Bis weit in die Nacht hinein hatten wir uns viel zu erzählen. Wie auf einer Bühne mit einem Dach aus Pandanussblätter habe ich von nun an mein Nachtlager aufgeschlagen, in der Nacht hatte ich oft Besuch von Hühnern und Hunden. Vor allem ein krähwütiger Gockel raubte mir oft den Schlaf. Fast zu jeder Tages-und Nachtzeit krähte er mir die Ohren voll, am liebsten hätte ich ihm den Hals umgedreht Am Tage ist es ein beliebter Platz, wo die Frauen kochen, flechten ihrer schönen Matten aus Pandanussblättern und Neuigkeiten austauschen. Schon sehr bald gehörte ich fest zur Inselgemeinschaft, dies hatte zur Folge, dass ich eher wenig Zeit für mich hatte. Praktische jeden Morgen früh fuhr ich zusammen mit Uele und seinen Mannen zum Tunfischfang, zum Riff-Fischen, fischen mit dem Netz oder in der Nacht mit Öllampen auf dem Boot, um die Fliegenden Fische mit einem Netz aus der Luft zu angeln. Dies ist nicht ganz ohne, denn ab und zu gab’s‘ eine Ohrfeige, wenn der Fisch mein Kopf mit irgendetwas Anderem verwechselte. So langsam mutierte ich vom Softwareprogrammierer zum Fischer, eine unvergessliche Erfahrung in der Südsee.
Während des Tages habe ich die kleine Insel ausgiebig erkundet und an den schönsten Plätzen gebadet. Schon bald hatte ich fast alle Ecken dieser Insel besucht, war kein Kunststück, denn eine Inselumrundung dauerte nur mal gerade eine halbe Stunde ! An den Sonntagen habe ich mich dann jeweils für den Kirchgang herausgeputzt, denn dies wurde von mir erwartet. Schön getrennt nach Männlein und Weiblein harrte ich der Dinge, die da kommen werden. Natürlich habe ich kaum etwas von der Predigt verstanden, nur ab und zu sprach der Geistliche Englisch, ich merkte es erst, als sämtliche Köpfe in meine Richtung flogen. Stundenlange Predigten unterbrochen durch Gesänge…..laute Worte….lange Pausen…dann das erlösende Schlusswort…denn der harte Holzbank tat sein Übriges...
Unvergesslich sind die Gesänge der Insulaner, noch heute bekomme ich Gänsehaut, wenn ich daran denke…

Ein sehr schöner Brauch ist es, bei Inselrundgängen immer eine Blüte in der Hand zu tragen, dies gilt als Zeichen, dass der Fremde von den Einheimischen als Freund aufgenommen werden möchte. Bei jedem Fest, bei jeder Beerdigung ebenso wie beim Zusammentreffen aller Bewohner im Maneapa (Gemeinschaftshaus) war ich anwesend. Stundenlang auf dem Boden sitzend wurde diskutiert, verhandelt, gelacht….alles endete dann jeweils in einem wahren Fressgelage, für die Bewohner ganz normal und fast alltäglich. Als Zugabe Kaffee mit Zucker, oder muss man sagen Zucker mit Kaffee?
So ein Gelage bestand sehr oft aus einem halben Ferkel, Taro, Tabioka (beides Wurzeln), Brotfrucht und Fisch...selbstverständlich für jeden Teilnehmer !

Am Tage hatte ich das Amt als Basketball-Trainer übernommen und wenn Mangel an Spielern im Volleyball-Team herrschte, hatte ich auch dort ausgeholfen. Ich wurde auch in die Geheimnisse des Toddy-Abzapfens (zuckerhaltiger Palmsaft) eingeweiht, eine nicht ganz ungefährliche Sache, ist doch der Arbeitsplatz hoch oben in den Palmen! Fast noch gefährlicher waren dann die schier endlosen Trinkgelage…

So vergingen die Tage und Wochen wie im Fluge, schon bald stand die Abreise nach 5 Wochen bevor. Frühmorgens mit Sack und Pack bin ich eigentlich schon verabschiedet worden, doch schon bald wurde im Radio bekannt gegeben, dass das Versorgungsschiff kurzfristig die Route geändert hat, weil ein Regierungsmitglied ein Fest auf einer anderen Insel besuchen wollte. Somit wurde schnell klar, dass ich den Flieger auf Fidschi zurück nach Europa verpassen werde. Da es kein Telefon und kein Computer auf Vaitupu gab, musste ich per Funk meinen Flug ab Fidschi stornieren. Meinem Arbeitgeber musste ich dann auch irgendwie mitteilen, dass ich wohl später als geplant zurück sein werde. Die Rückreise mit dem Schiff dauert normalerweise ein paar Stunden, daraus wurden dann ein paar Tage, da fast alle Inseln mit Fracht versorgt wurden. Schnell können aus ein paar Tage Wochen werden, eine Südseereise per Schiff braucht viel Zeit.
Schlussendlich wurden aus 5 deren 7 Wochen Urlaub…7 unvergessliche Wochen …
Ich habe ein Versprechen abgegeben, dass ich noch einmal zurückkehren werde…nun muss ich dies sehr schnell machen müssen, denn diese Inseln werden wohl bald in den Fluten untergehen…in Folge des Klimawandels haben sie schon heute riesige Probleme. Die Regierung von Tuvalu ist jetzt auf der Suche nach einem Land, welches die rund 12‘000 Bewohner aufnehmen könnte... Menschen, die ihre Heimat und Wurzel verlieren werden …

Ich habe mein Paradies gefunden, ein Paradies auf Zeit… TOFA !

Ein paar Facts:
Name: Tuvalu (‘‘Acht stehen zusammen‘‘ gemeint sind die vormals 8 Inseln)
9 Inseln mit einer Landfläche von total 26 qkm
Hauptinsel: Funafuti mit der einzigen, während des 2. Weltkriegs gebauten Flugpiste
Einwohner: knapp 12‘000
Sprache: Tuvaluisch, Englisch
Wirtschaft: Einnahmen durch Vergabe von Fischerei-Lizenzen, Verkauf von Briefmarken, Kopra
Politik: im Jahr 2000 Beitritt zur Gemeinschaft der Vereinten Nationen


Anmerkung: wenn ich meine Dias retten kann, so werden Fotos folgen !


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04.06.2010, 17:44

Ausgezeichneter Bericht. Das einzige, was ich über Tuvalu bisher wußte, ist, dass sie die internationale ccTLD "tv" besitzen (das ist das nationale Änhängsel bei Websites, z.B. bei www.pixxload.de das "de" für Deutschland) und diese für Fernsehanstalten und -ableger verkauft haben und in 10 Jahre 50 Mio US $ kassieren, die in jährlichen Raten von 5 Mio. US $ gezahlt werden.

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05.07.2010, 19:48

Hallo Tigre

Jetzt habe ich wieder etwas dazu gelernt.

Ein sehr guter und Informativer Bericht.

Danke
Siggi
In der Fremde erfährt man mehr als zu Hause.
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06.07.2010, 09:02

Tuvalu

Hallo Tigre ,
Super klasse Bericht !
:thumbup: :thumbup: :thumbup:
Viele Grüße Feinschmecker
Probiere jeden Tag etwas Neues aus ! Schließlich wurde uns das Leben gegeben um es zu entdecken , und ewig dauerts nun mal nicht .
Ruth Gordon

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08.07.2010, 13:57

Tuvalu

Hallo Tigre, danke für diesen superschönen Bericht- da möcht man nur noch weg...... bin gespannt auf die Bilder !! Liebe Grüsse Germaine
Auch die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt....