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08.10.2010, 21:29

6 Monate Indien, Teil 04 Von Udaipur nach Mumbai

So, jetzt kommt also der letzte Teil meiner Reise.

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08.10.2010, 21:32

Chittaurhgarh

Früh um 05:00 auf zum Bahnhof. War natürlich wie immer zu früh da, aber was solls, dafür war Zeit für zwei Chais. Der Zug fuhr genau in den Sonnenaufgang hinein, die ersten Pfaue tauchten auf, eine Menge Reiher und einige Ibisse, der Himmel färbte sich rötlich, die Wolken leuchteten golden, die Sonne taucht hinter den Arakali-Bergen auf und Inder sassen in Reih und Glied mit nackten Hintern und je mit einem Wassereimerchen am Bahnsteig entlang und verrichteten ihr Morgengeschäft. Schön wars – Naja, die nackten Hintern musste man sich weg denken, aber die kommen ja auch in keinem Indienfilm vor.

Eine Moslemfrau steigt ein, kniet sich auf die Bank neben mir und streckt mir ihren Hintern entgegen und betet. Eindeutig nicht Richtung Mekka, sondern Richtung Norden, aber was solls, sie stört es nicht, mich noch weniger und Allah wahrscheinlich auch nicht, höchstens irgendeinen Mullah, aber der sieht es nicht. Die Frau bekommt Anhang, einen Mann und drei laute Kinder. Kurz danach steigen drei Inder ein, setzen sich und schalten alle Ventillatoren ein (natürlich ohne zu fragen), es ist 07:10 und noch kühl. Damit es ihnen nicht kalt wird, krempeln sie die Hemdärmel hinab und wickeln sich einen Schal um den Hals. Sie sind schon gewöhnungsbedürftig. Zumindest den, der zu mir bläst, schalte ich gleich wieder aus – ist ihnen aber auch recht. Dafür schalten sie ihre Handys ein – völlig übersteuerte Bollywood-Musik erfüllt den wagon. Hinter mir singen kleine Kinder hingebungsvoll, der text beschränkt sich zwar nur auf Lalalala, aber deutsche Schlagertexte sind ja auch nicht viel besser. Es wird gemütlich….

Auch unterwegs wird gebaut: etwa 20 km ausserhalb von Udaipur bei Debai wurde ein Riesenhotel mit 38 Türmchen im Rajpustil in die Gegendgeklatscht. Wie wollen die alle die Hotels vollbringen?

Unser Zug ist ein Expresszug und fährt wirklich schnell – wenn er fährt. Er hält an jedem kleinen Bahnhof, dann hält er, weil ein Gegenzug kommt, dann hält er ohne dass irgend jemand den Grund erkennt. Aber wir kommen doch noch an.

Chittaurhgarh ist eine kleine Stadt, die nicht viel zu bieten hat, ausser einem Fort, dem größten Rajasthans. Die europäischen Burgen, Burghausen, Salzburg oder die Wartburg sind sicherlich schön, aber klein im Vergleich zu den indischen. Die Mauern von Kumbalgarh zum Beispiel sind 36 km lang und umschliessen mehr als 360 Tempel und mehr als 700 Befestigungen für Kanonen. Gwalior Fort ist drei Kilometer lang und einen KIlometer breit. Chittaurhgarh bedeckt 28 qkm Fläche, alleine der Weg zum Fort hinauf ist ein Kilometer lang und führt durch sieben Tore und sieben Mauern. Selbst bei einem kleineren Fort, wie Golconda sind die Mauern 11 km lang.

Chittaurhgarh wird schon im Mahabaratha erwähnt, aber das Fort wurde erst im 8. Jht. gegründet, wurde 1303 von dem muslemischen Pathanenkönig Ala-du-di Khilji von Dehli erobert und zerstört. Angeblich hatte er die schöne Padmini, die Ehefrau des Maharajas als Spiegelbild im See erblickt. Natgürlich musste er sie haben. Als die Niederlage unvermeidlich war, sammelten sich die Männer und frauen zum Jauhar – die Männer stürzten sich mit Messer in den Kampf und sämtliche Frauen begingen kollektiven Selbstmord.

1535 war es dann der muslemische Bahadur Shah, der das Fort eroberte: 13.000 Frauen und 32.000 Rajputkrieger begingen Selbstmord im Jauhar. 33 Jahre später eroberte der muslimische Mogulkaiser Akbar das Fort: alle Frauen des Forts und die verbliebenen 8000 orange gekleideten Rajputen begingen Jauhar. Der Maharaja von Mewar floh nach Udaipur und gründete dort die neue Stadt – Chittaurhgarh wurde nicht mehr besiedelt, obwohl Shah Jehangir 1616 das Fort an die Mewar zurück gab.
Das Fort ist 28 qkm groß und liegt auf einem mächtigen Felsen, dem einzigen, der hier im Umkreis von Kilometern vorhanden ist. Die moderne Stadt befindet sich am Fusse des Berges. Der Weg in das Fort führt durch fünf grosse Tore. Oben gibt es einige Chhatris zur Erinnerung an die Stelle, wo Jaimal und Kalla im Kampf starben. Insgesamt gibt es eine größere Anzahl von Palast- und mehr als 130 Tempelruinen im Fort.

Ich wollte eigentlich nur eine Rikscha zu Fort nehmen, dort huerumlaufen und wieder mit der Rikscha zu Bahnhof fahren und weiter nach Bundi. Die einfache Fahrt ging aber nur für 70 Rupies her, während Hin- und Rückfahrt, die Fahrt im Fort und drei Stunden Wartezeit 200 Rupies kosten sollten (in der Hochsaison verlangen sie herfür 250 bis 300 Rupies). Na, dann mal bequem und mit der Rikscha.

Höhepunkt im Fort ist sicherlich der Vijaya Stambha, der Siegesturm, erbaut zwischen 1458 und 1468, 37 Meter und neun Stockwerke hoch und mit wunderbaren hinduistischen Steinmetzarbeiten innen und aussen verziert. Innen kann man über enge Stufen bis nach oben steigen (dicke Leute sollten es nicht versuchen, sie bleiben unweigerlich spätestens in der vierten Etage stecken). Der Ausblick ist den Aufstieg wert. Die Idee des Siegesturm wurde dann von den Moslems geklaut und zumBeispiel in Dehli realisiert – allerdings kann man bei den moslemischen Türmen nicht noch oben steigen, schön sind sie allerdings auch, aber bei weitem nicht so schön wie der Vijaya Stambha.

Sonst gibt es noch den Königspalast, den Palast der Padmini (der schönen Dame), den Gaumuhk Tank, ein tiefes Wasserreservoir, das aus einer Quelle gespeist wird, die aus einem Kuhmaul fließt. In Padminis Palast wird mir eine hinreissende Kleine für ein Foto in den Arm gedrückt, wir verstehen uns sofort großartig und es gibt es grosses Gelächter, als sie nicht mehr zum Papa zurück will.

Mehrere hinduistische Tempelruinen stehen rundherum, vor allem der Sammidheshvara Tempel sticht durch seine schönen Arbeiten hervor. Allerdings sind viele Figuren zerstört: Götter haben keine Gesichter, Tänzerinnen keine Arme, Beine oder Brüste (mit Frauen sind die Moslems ja noch nie recht freundlich umgegangen – aber welche der etablierten Religionen tut das schon?). Auch am Vijaya Stambha haben die moslemischen Sieger einiges an Statuen zerstört, trotzdem sind noch relativ viele bestens erhalten.

Ein Tempel ist noch voll in Betrieb und voll von Pilgern: hier steht auf Schildern „open shoe here“ (statt: Schuhe ausziehen) und „no click“ (ein intelligenter Tourist wie ich versteht natürlich sofort, dass hier Fotografieren verboten ist).

Auf der anderen Seite des Forts gibt es noch den schönen Kirti Stambha, einen 22 m hohen „Turm des Ruhms“, kleiner als der „Turm des Sieges“, der dem Jain-Gott Adinath gewidmet ist und sich durch hervorragende Steinmetzarbeiten auszeichnet. Eine Treppe führt innen nach oben, aber die ist immer versperrt. Daneben ein Jain-Tempel, innen recht uninteressant und schmucklos, aber mit einigen schöne Figuren an den Aussenwänden.

Das hat dann gereicht: es gibt noch den Khumbha Shyam Temple, den Kalika Mater Temple und mehrere Stadt- und Forttore. Überall gibt es Tanks und kleine Seen, viele Steinruinen – Steinfetischisten könnten hier wahrscheinlich tagelang herumlaufen und auf jeden Steinhaufen klettern. Mir hat es gereicht.

Unten im Ort noch in ein Restaurant und wieder echtes indisches Essen – ein wunderbares Thali – bekommen. Dann um 14:00 ging es schon weiter mit dem „local train“, da der schnellere Expresszug um 14:40 über eineinhalb Stunden Verspätung hat – wer weiss, ob da nicht noch mehr draus werden.

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08.10.2010, 21:34

Chittaurhgarh


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08.10.2010, 21:37

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08.10.2010, 21:39

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08.10.2010, 21:41

Chittaurhgarh


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10.10.2010, 19:52

Bundi

Der „local train“ braucht zwar für 134 km mehr als vier Stunden, der Expresszug nur 3, aber zumindest fährt der langsame pünktlich. Im Zug packe ich das Netbook aus und fange an zu schreiben: zeitweise stehen acht, neun, zwölf Leute hinter mir und schauen zu, was ich da so tue – ist nichts Böses…. Irgendwann kapieren sie es und setzen oder legen sich wieder hin.

Der „local train“ fährt sehr flott, wenn er fährt. Eigentlich fährt er wie ein Expresszug, nur hält er öfter. Häufig steht er aber auch an Stationen und wartet auf den Gegenzug, in einem Fall über eine halbe Stunde – aber das müssen die Expresszüge auch (keine Hämie bitte – die am meisten befahrene Strecke in Deutschland Mühldorf – München ist auch eingleisig und häufig wartet man da auch ewig auf den Gegenzug). Es kommt ein Güterzug mit zwei Lokomotiven, einem Schlusswagon und 120 Tankwagons mit je 21000 Liter Wasser. Wasser ist in Rajasthan ein Problem, aber dass die Inder jetzt schon mit den Zügen Wasser liefern müssen, war mir neu.

Aber immerhin sind wir so schnell, dass wir den Zug der Züge, den „Palace on Weels“ überholen – er steht an einer Station und wartet. Der „Palace on Wheels“ ist der absolute Luxuszug in Indien und fährt zahlungskräftige Touristen zu gezahlenen Preisen durch Rajasthan. Aber eines übertrifft der „Palace on Wheels“ nicht – er kann keine 134 km für nur 20 Rupies (0,32 Euro) fahren, mein „local train“ tuts. Ja, die Sitze werden wohl bequemer sein und die Mitreisenden langweiliger als meine. Im „local train“ sitzen hauptsächlich Bauern, Geschäftsleute, kleine Handwerker, fast keiner kann englisch, aber sie sich alle recht freundlich und die Kommunikation klappt erstaunlich gut. Einem kleinen Jungen und seiner Schwester zeige ich das Fotografieren – sie sind begeistert und fotografieren fast jeden im Wagon. Die Eltern – Moslems - sind entsetzt und schimpfen des Öfteren, aber die Kinder hören nichts mehr. Apropos: die Fotos waren grauenhaft, verwackelt, schief, Köpfe und Hälse abgeschnitten, ich habe alle 53 Fotos gelöscht. Aber Spass gemacht hat es.

Kurz vor Bundi kommen wir nach Srinagar – natürlich nicht das in Kashmir. Immerhin ist der Zug kurz vor sieben mit nur einer dreiviertel Stunde Verspätung in Bundi. Mit der Rikscha in die Altstadt. Ich bekomme tatsächlich im Haveli Uma Megh Paying Guest House das letzte Zimmer für 150 Rupies: gut, dass ich alleine reise, das Zimmer hat zwar ein Doppelbett aber eine zweite Tasche oder ein zweiter Koffer hätte nie und nimmer Platz im Zimmer. Allerdings ist das Restaurant gefährlich: da gibt es doch tatsächlich „snakes“ auf der Speisekarte (statt „snacks“). Die Guest houses und Hotels in Bundi haben aus irgendwelchen Gründen alle ein „paying“ oder ein „Heritage“ (auch wenn es die letzte Absteige ist) im Namen – wahrscheinlich hat einer angefangen und alle haben es nachgemacht. „Heritage“ sind sie alle – das Restaurant, das Cafe, der Chai-Stand oder der Souvenierladen. Fast alle Havelis, die grossen alten Clan-oder Kaufmanns-Häuser, in der Altstadt sind inzwischen Guest Houses oder werden gerade umgebaut – so bleiben sie zumindest erhalten. Inzwischen gibt es alle Preislagen, trotzdem ist Bundi noch von Gruppenreisenden und Luxustouristen verschont: hauptsächlich Traveller treiben sich hier herum. Vielleicht gibt es deshalb so viele Bhang Shops (obwohl Bhang eigentlich nur für Saddhus verkauft werden darf – allerdings habe ich nur Inder gesehen, die vor sich hin kiffen). Sogar einen Ringo-Star-Shop gibt es hier.

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10.10.2010, 19:54

Bundi

Bundi Palace und Taragarh Fort

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10.10.2010, 19:57

Bundi

Am Berghang breitet sich das riesige Bundi Fort mit dem Taraghar Palast – abends und nachts herrlich beleuchtet. Die Altstadt ist fast noch vollständig erhalten – an jeder Ecke alte Eingänge, schöne Holztüren, alte Havelis und unzählige alte und neue Wandmalereien, eine alte Stadtmauer, einige alte Eingangstore, einige kleine Tanks (Seen), viele Baoris (Stufenbrunnen, angeblich gibt es in Bundi mehr als 100) und über 200 kleine und große Tempel. Bundi ist noch weit eher das Rajasthan, wie es in den Reisebroschüren verkauft wird: Udaipur ist schön, aber durch die vielen Reisegruppen schon sehr geschleckt, viele andere Orte auch. Rudyard Kipling hat hier längere Zeit gewohnt und Teile seines Buches „Kim“ hier geschrieben.In der Hauptstrasse von den Guest Houses zum Markt stehen auf zwei Häusern ein großer Elefant (Siva Prasad, auf dem der Maharaja Shajahanto Rav Raja Shatru Shal Singh zahlreiche Schlachten ausgefochten hat) und ein Pferd (auf dem der Maharaja Rav Raja Umed Singh viele Schlachten ausgefochten hat) – die Rajputen waren alle recht kriegerisch und führten wegen jeden Schnickschnacks irgendeinen Krieg.

Am nächsten Tag in der Frühe – ja, das heisst um 08:30 (in Gujarat und Rajasthan öffnen Läden und Märkte erst zwischen 10:00 und 11:00 vormittags – erstaunlich in so einer heissen Gegend) – also in der Frühe laufe ich durch die Stadt und höre einen Riesenlärm, Trompeten, Trommeln, Hochrufe. Tatsächlich findet ein Umzug der Moslems statt. Einige Reiter, auch Buben und Mädchen, auf geschmückten Pferden oder Kamelen, eine ganze Kompanie Boy Scouts (aber die sind hier alle schon über zwanzig), die Musik machen (natürlich bis zum Exzess verstärkt) und eine Menge alter, bärtiger Moslems und einige kleinere Buben in weissen Festtagsgewändern, die Männer mit weissen oder goldenen Kopfbedeckungen. Die Frauen dürfen zusehen und tragen weisse, hellblaue oder blassgrüne (scheußliche) Überwürfe über ihrer Kleidung. Ein Schild „Long live 52nd Daiul Mutlaq his Holiness Dr. Svedna” wird herum geschleppt. Ein Zuschauer erklärt mir allen Ernstes, es würde der Geburtstag Allahs gefeiert – kann ich mir so gar nicht vorstellen, auch wenn ich keine Ahnung habe, wer oder was der „Daiul Mutlaq“ ist. Aber alle winken begeistert mit grünen Fahnen, viel Konfetti und nachgemachtes Papiergeld wird herum geworfen.

Beim Gemüsemarkt gibt es das schöne Chogan Gate, ein altes Stadttor, dann anschließend zwei Stufenbrunnen, der Nagar Sagar Kund – beide dienen leider anscheinend nur als Müllkippe, sind aber beeindruckend tief, leider aber ausgetrocknet, haben aber einige schöne Steinmetzarbeiten (Während ich das hier schreibe, sitzt der Besitzer des Guest House einen Tisch weiter und rülpst zum mindesten achten Mal – Mahlzeit). Ein Stück weiter befindet sich der Rani Ji Ki Baori, der schönste Stufenbrunnen der Stadt (sogar einigermassen sauber, obwohl über Tauben und Fledermäuse ihr Unwesen treiben), 46 m tief und 1699 erbaut.

Anscheinend beginnt wieder eine bessere Zeit für Hochzeiten: die erste macht sich schon lautstark durch verstärkte und völlig übersteuerte Musik bemerkbar: eine Musikkapelle und drei verzierte Pferde warten auf den Bräutigam – aber das kann noch einige Zeit dauern. Ich gehe mal heim ins Guest House.

Am nächsten Tag wieder ein Rundlauf durch die Stadt. In der Frühe sitzen überall die Milchbauern mit ihren bunten Turbanen herum. Sie kommen mit Motor- oder Fahrrädern, an denen große Kupferkannen befestigt sind, in denen die Milch ist. Am Markt grosse Aufregung: eine Kuh hat ihren Kopf in einen grossen Karton mit Zwieback gesteckt, zwei Männer hängen an ihren Kopf, zerren an Hals und Hörner der Kuh, hinten schiebt ein Dritter am Hinterteil, aber sie bekommen die Kuh eine ganze Weile nicht aus dem Kekskarton heraus – grosses Gelächter rundherum (den Eigentümer wird nicht nach Lachen sein). Die herumlaufenden Kühe und Ziegen sind zwar nicht schnell, aber schlau: anscheinend haben sie ein untrügerisches Gespür dafür, wann eine Marktfrau oder ein Verkäufer unaufmerksam ist und schon haben sie eine Zwiebel, eine Banane, eine Tomate oder einen Blumenkohl geklaut. Manche Kühe haben es besser: vor dem nächsen Guest House stehen jeden Morgen zwei Kühe mit zwei Beinen im Eingang und warten auf ihr Frühstück, sie bekommen jeden Morgen die übrig gebliebenen Chapati.

Am Markt treibt sich ein recht netter Saddhu herum, völlig in grün gekleidet und rotz der Hitze in einem grünen Velour-Bademantel – dem Geruch nach müsste der mal gewaschen werden. Wo er den wohl her hat? So etwas habe ich in Indien ja noch nie gesehen. Er hat ein einnehmendes Wesen, geht über den Markt, nimmt sich da eine Gurke, da eine Tomate (um ihm gerecht zu werden, muss man sagen, alles billige Ware) ohne zu fragen und segnet dafür die Händler mit seinem Bündel Pfauenfedern – die Nachbarn bekommen meist auch noch einen Segen ab. Niemand beschwert sich oder ist ärgerlich.

Irgendwo in den hintersten Gassen (ich komme aus irgendeinem Grund immer in die hintersten Gassen – meine Frau verzweifelt manchmal an mir), finde ich den Malla Shah Ji Ka Devra Jain Temple. Natürklich gehe ich hinein. Der erste Eindruck: ich bin im Hof eines Wohngebäudes gelandet, ein Mann in Unterhose und Unterhemd schaut aus einem Nebenraum, das Handtuch in der Hand, da er sich gerade gewaschen hat. Ich bin aber am richtigen Platz: rundherum an der Wand schöne alte Gemälde und überall die Jain-Heiligen in ihrer Buddha ähnllichen Sitzhaltung. Ein alter Mann kommt und bringt mir ein dreiseitiges Papier. Wunderbar: hier erfahre ich, dass ich unglaubliches Glück habe, dass ich sehr weise und intelligent bin (wusste ich doch schon immer!!!), weil ich diesen Tempel betreten habe. Alles in sehr lieber Form (natürlich auf Englisch) geschrieben und dass ich hier Näheres über den Jainismus erfahren kann. Dann folgt eine genauere Beschreibung über die jainistische Religion und eine Beschreibung des Tempels.

Bei meinen Rundgängen komme ich an Unmengen von blauen Häusern vorbei, ein Blick von oben bestätigt dies: nicht nur Jodphur, sondern auch Bundi ist eine blaue Stadt. Ich komme an mehreren Baoris, Stufenbrunnen vorbei. Sie sind teilweise sehr schön und haben schöne Steinmetzarbeiten, aber sie werden hauptsächlich als Müllhalden missbraucht, auch wenn überall Schilder „Protected Monument“ mit Strafandrohungen davor stehen. Dann komme ich auch noch in die Moslem-Ecke: die Frauen rennen mit furchtbaren bestickten Überwürfen herum, ich glaube so etwas hat man bei uns in Europa im 14. Jht. auch getragen. Ausserdem ist es gleich viel schmutziger. Keine Ahnung, ob es daran liegt, dass die Moslems ärmer sind (die Häuser sehen nicht danach aus, aber statistisch gesehen sind Moslems ärmer als Hindus) oder dass sie einfach die größeren Schweinderl sind.

Ich sitze am Markt an einem Chai-Stand und trinke Tee und wieder wird bestätigt, dass die Inder ein „unkompliziertes“ Verhältnis zu Schmutz, Dreck und Müll haben. Dies sieht man schon an den Picknickplätzen, denn die sind meist völlig mit Müll bedeckt, ich finde da nie einen Platz zum Hinsetzen; die Inder schon, sie schieben mit Hand und Fuss den Müll weg, breiten eine Decke und packen ihr Essen aus – der eigene Müll vergrößert dann den bereits vorhandenen. Oder eine Frau kommt, legt sich an eine Strassenecke oder auf ein Stück Sand und legt ihren Kopf auf ihre Flipflops, mit denen sie gerade durch den größten Dreck marschiert ist. Vom Chai-Stand aus sehe ich, wie der Müll beseitigt wird. Zuerst wird alles zusammen gekarrt, dann kommen Schweine, Kühe und Ziegen und wühlen herum und dann kommt der Müllwagen. Der Müll wird von bloßer Hand auf große Blechschüsseln geladen, diese dann auf den Kopf gestemmt und zum Müllwagen getragen. Da steht dann jemand im Müll und entleert den Müll wieder mit den bloßen Händen

Ein Junge aus besserer Gesellschaft (vermute ich, denn er spricht fast perfekt englisch) redet auf mich ein, ich solle doch sein Wohnhaus besuchen. Na, mach ich halt – einganz gewöhnliches Wohnhaus, aber einer der letzten Häuser unterhalb der Mauer des Taragarh Fort mit wunderbarer Aussicht über die Stadt. Anschließend will er ein „gift“, ich lade ihn zum Tee oder zur Cola ein, aber er will lieber meine Kamera und wird dann stinksauer, als ich ihm die nicht gebe. Dann gibt es halt gar nichts und ich gehe – keine Ahnung, woher die Kinder solche absurden Vorstellungen haben.

Mittags nach dem Essen zurück ins Guest House. Rechts und links der Strassen verlaufen in Bundi überalln Abwässergräben, wo das Schmutzwasser abfließt. Ab und an verläuft ein kleiner Graben quer über die Strasse. Ein zahmes Wildschwein oder ein wildes Hausschwin, auf jedenfall ist es schwarz, robbt auf allen Vieren quer über die Strasse und räumt mit dem Rüssel genüsslich so einen Graben aus und wühlt im schlimmsten Dreck – ein Schwein bleibt immer ein Schwein.

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10.10.2010, 19:58

Bundi

Seit 09:00 Stromausfall, der bis 16:00 dauern wird. Schön, so ein altes Haveli, es ist relativ kühl in diesen alten Gebäuden, so dass man (oder ich) sogar mittags keinen Ventilator braucht, wenn man schläft (aber bloß keine Anstengung, dann wird es heiß). Mich wundert immer, dass man diese Bauweise nicht nachahmt – jedes moderne Betongebäude ist glühend heiss im Vergleich.

Nachmittags dann hinauf zum Taragarh Fort, am Bundi Palast und dem großen Elefantentor vorbei durch das Eingangstor des Forts. Sofort endet der Weg, man muss ihn sich jetzt selber bahnen, entlang von Ziegenwegen, durch Gestrüpp und über Gestein – unten gibt es einen Stock für 10 Rupies zu mieten (gegen die Affen), der hier sehr hilfreich ist. Flipflops und kurze Hosen sollte man daheim lassen, die sind hier nicht am Platze. Entlang der Aussenmauer laufe ich dann im Zickzack nach oben – bei 37 Grad eine schweißtreibende Anstrengung. Oben eine Unmenge von Gebäuden, Befestigungsanlagen, einige Kanonen, viele Baoris (Stufenbrunnen) und Tanks, Paläste, kleine Pavillions – alles in Ruinen, aber wunderbar zum Herumklettern und Entdecken. Es macht einfach grossen Spass, irgendwo in den hinteresten Ecken eines Gebäudes, Malerei- oder Fliessenreste oder irgendeinen kleinen Raum mit wunderbarer Aussicht zu entdecken. Das Fort selber ist recht gross und bietet eine wunderbare Rundumsicht. Ich treffe einige Franzosen, die genauso überrascht sind wie ich, dass fast keine Deutschen, dafür aber Unmengen von Franzosen unterwegs sind (das hatten wir schon im Sommer letzten Jahres in Indonesien festgestellt). Sie hatten eine einfache Erklärung: die Franzosen würden wegen der Wirtschafts- und Finanzkrise in Scharen aus Frankreich weglaufen und woanders Erholung suchen und die Deutschen würden ihre letzten Euros unter der Bettdecke verstecken und im Lande bleiben. Auf jeden Fall wussten sie einen kürzeren und bequemeren Weg in den Ort hinunter.

In zwei Läden gibt es ein Lassi, das fast an das Makhania Lassi aus Jodhpur hinkommt, 30 Rupies, mit Yoghurt, Honig, Safran, Kardamon, Cashewnuts, Pistazien, Rosinen, Zucker und „creme“ (was auch immer sie darunter verstehen). Schmeckt wunderbar, bei einem bleibt es meistens nicht.

Am nächsten Tag in der Frühe dann zum Bundi Palace zur Besichtigung (60 Rupies Eintritt, 50 Rupies Kamera). Um 11:00 kommen drei etwa 20jährige Frauen und ein Mann: alle in kurzen Hosen, T-Shirts und Flipflops und machen sich auf den Weg hinauf ins Taragarh Fort, zu einer Zeit wo jeder Inder nur halbtot in der Ecke liegt. Die Räume, die man im Bundi Palace, besichtigen kann, sind nicht viele. Der Palast war bis vor kurzem Tauben und Fledermäusen überlassen, wurde aber dann an eine private Gesellschaft vermietet, die ihn für Besucher geöffnet hat. Es geht auf steilen Wegen mit dem holprigsten Steinpflaster, das ich bisher erlebt habe, nach oben. Durch ein imposantes Elefantentor von 1607 betritt man den Palast. Es sind nur einige Räume zu besichtigen. Das Chatra Mahal hat einige der schönsten Wandmalereien Bundis. Die Gemälde stammen aus dem Jahr 1644. In einem weiteren Raum gibt es schöne Gemälde von Krishna, für jeden Monat eines. Im Phool Mahal gibt es ein riesiges Gemälde von 1607 mit einer langen königlichen Prozession. Das Badal Mahal hat herrliche chinesische beeinflusste Deckengemälde mit Pfauen- und Krishnabildern. Phool Mahal und Badal Mahal sind geschlossen, da am Eingang ein grosses Wespennest hängt und „furchtbar“ gefährlich sein soll. Auf die Idee, das Wespennest zu entfernen kommt anscheinend keiner. Zwei Inder zeigen mir einen Umweg, über ein Dach und einen Stacheldraht hinweg und schon ist man vor den Gemälden (ich erzählte das natürlich auch sofort den nächsten Touristen weiter).

Höhepunkt ist aber Chitrasala. Ach ja, hier ist „vediography probibired“, wie ein Schild stolz verkündet. Hier befinden sich die schönsten Wandgemälde Rajasthans, die ich bisher gesehen habe (und ich habe einige gesehen). Der Reiseführer erzählt zwar von herrlichen Glasmosaiken, aber das ist Unsinn. Die Bilder zeigen musikalische Szenen, Liebesgeschichten, höfische Prozessionen und Themen aus der hinduistischen Mythologie. Der Stil ist eine Mischung aus Moghul- und Mewar-Stil, also den Stilen aus Agra/Dehli und Mysore. Die Bilder sind zum Teil mit Pinseln gemalen, die nur ein dünnes Haar haben, dementsprechend fein sind die Details. Die Bilder sind wunderbar erhalten (nur drei kleine Bilder wurden restauriert). Eine alte Türe mit elfenbein-Belag führt in einen normaler Weise gesperrten Nebenraum (manchmal öffnet ihn der Wärter, wenn man nett mit ihm plaudert). Für jeden, der in Bundi Halt macht, ist Chitrasala ein Muss (Tipp: nachmittags wird der Zutritt zu Chitrasala nicht kontrolliert, man kann also ohne Eintritt die Bilder besichtigen, allerdings ist das Licht morgens wesentlich besser).

Am Ausgang des Palastes gibt es ein kleines Restaurant, das für den Gourmet „Brack Fast“ und „Dineer“ anbietet.

Moti Mahal, der jetzige Wohnort des Maharajas hat heute zu – irgendeine Hochzeit. Dann muss es halt auf mich verzichten: das Museum soll eh fast nur ausgestopfte Tiere enthalten, die meisten von „Milton Reynolds, inventor of the ball pen“, zudem noch einige königliche Gemälde und natürlich- unabdingbar in einem rajasthanischen Museum – viele Waffen.

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10.10.2010, 20:06

Bundi

Bundi Palace

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10.10.2010, 20:12

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10.10.2010, 20:14

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10.10.2010, 20:17

Bundi

Bundi, die blaue Stadt

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10.10.2010, 20:21

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10.10.2010, 20:23

Kota

In der Frühe mit dem Bus nach Kota (22 Rupies). Nach einer Stunde bin ich in Kota. Rund um den Fluss und um den Busbahnhof ist ein grosses Chaos, es wird gebaut. Als erstes kommt natürlich der Chai-Stand. Ein älteres Ehepaar kommt vorbei und zwei Meter vor mir klappt der Mann zusammen und fällt auf die Strasse. Ich helfe der Frau und will ihn hochheben, aber in kurzer Zeit sind mehrere Leute da und helfen, sofort hält eine Rikscha und der Mann wird hineingehoben, bekommt mindestens einen halben Liter Wasser eingeflößt. Ich verstehe nur „Hospital“, aber davon will der Mann nichts wissen (vielleicht kennt er die Zustände aus Erfahrung). Wackelig steht er auf, bekommt von seiner Frau einige Pillen und setzt sich auf die nächste Bank. Tatsächlich ist es schon um 10 Uhr recht heiss, wahrscheinlich heisser, als es in Gujarat war. Man merkt es an den Hunden. Erst seit einigen Tagen sehe ich immer wieder tote Hunde herum liegen, denen die Hitze anscheinend den Garaus gemacht hat. Auch heute liegen wieder zwei auf der Strasse. Man merkt es auch am Wasserkonsum, der liegt jetzt am Tag bei vier bis fünf Liter, ohne dass man recht viel häufiger auf die Toilette gehen müsste. Man scheint auch nicht zu schwitzen, aber das täuscht: es ist so warm, dass der Schweiss sofort verdunstet.

Ich marschiere zu Fuss los zum Kishore Sagar, einen kleinen See. Kurz vor dem See komme ich überraschend zu den Chhattar Bilas Gardens, ein völlig zu gewachsener Garten mit elf königlichen Kenotaphen in Pavillionform. An jedem Aufgang stehen zwei grosse Elefanten und die Gebäude selbst sind mit schönen Reliefs versehen. Zwei oder drei der Kenotaphe sind von Saddhus belegt, die dort wohnen und ihre Wäsche zum Trocknen aufgehängt haben. Ein weiterer Pavillion ist zu einem Tempel umfunktioniert worden – sogar Bollywood-Musik aus dem Ghettoblaster gibt es dort.

Am Kishore Sagar treffe ich einen Saddhu (oder einen, der so tut als ob). Ich habe nur noch zwei Rupies Kleingeld, die ich ihm gebe. Er verlangt gleich lautstark nach „Dollars“. Woher hat er so etwas? Gibt es tatsächlich Touristen, die mit Dollars um sich werfen?

Dann weiter über die Rampura Road – eine schöne Marktstrasse (dort gibt es viele Läden mit handgewebten „kota doria“, teuren Sari-Stoffen) – zum Maharaja-Palast. Im Garh-Palast gibt es das ausgezeichnete Rao Madho Singh Museum (100 Rupies Eintritt, 50 Rupies Kamera). Im Museum gibt es ausgestopfte Jagdtrophäen, viele Stücke aus dem Palastleben, u.a. silberne und vergoldete Elefanten-Howrahs, Sänften, vergoldete Tragestangen, silberne Möbel, viele Waffen und eine Bildergalerie. Eine Skurilität ist ein vergoldeter, etwa eineinhalb Meter langer Fisch, der Mahi-Maratib. Der Mahi-Maratib wurde von den Mogulkaisern als Ehrung an Rajas und Aristokraten von höheren Rängen vergeben. Der Kopf war aus Kupfer oder Messing und vergoldet, der Körper von einem wertvollen Tuch bedeckt.

In einigen kleinen Räumen finden sich wunderbare Spiegel- und Glasarbeiten, viele Wandgemälde und einige der besten Spiegel- und Glasmalereien Rajasthans sowie eine Menge an Miniaturen. Zwei Räume haben wunderbare Jagd- und Hofszenen und eine wunderbare Elfenbeintüre.

Ach ja, und der Palast hat allen Ernstes eine „Albert Einstein School“. Anschließend zu Fuss südwärts zu den Chambal Gardens. Ein Rikschafahrer fährt eine Viertelstunde neben mir her und kann es nicht fassen, dass ich zu Fuss gehe, obwohl ich ihm mit Mund, Hand und Fuss erkläre, dass es mir Spass macht. Die Chambal Gar-dens sind etwas enttäuschend, viel zu wenig Bäume, recht sonnig und am Fluss keine Boote zu mieten: angeblich gibt es auf dem Chambal River noch Gharials (die fischfressenden Krokodile mit der spitzen, schmalen Schnauze) und normale Krokodile. Trotzdem ist es schön, wieder einmal einen Fluss zu sehen, der NICHT ausgetrocknet ist. Sonst sind im Park noch viele Kinderspielpätze und sehr wenig Bänke. Ein Inder quatscht mich an und beschließt, dass ich ihn nach Deutschland mitnehme, das wäre ja recht „easy“. Ich versuche ihm die Illusionen zu nehmen, aber er hört gar nicht zu.

Mit der Rikscha zum Busbahnhof und dort noch in einem Restaurant wunderbar gegessen – ungleich besser als alles, was ich in Udaipur und Bundi in den Touristenrestaurant bekommen habe.

Um fünf geht es mit dem Bus heimwärts. Kaum sitze ich drin, fährt er los. Unterwegs passieren wir eine tote, abgehäutete Kuh, die neben der Strasse an einem Weiher liegt. Einige Hunde beginnen, das rote und aufgedunsene Fleisch zu zerreissen und zu fressen. Ja, in Indien ist nicht alles schön. Einige LKWs kommen uns entgegen, alle ohne Windschutzscheiben. Haben sie die ausgebaut, weil es so warm ist? Auf den Feldern wird Getreide geerntet, zahlreiche Mähdrescher fahren auf den Strassen, sie haben wunderschöne Namen „Guru Nanak“ (ein Sikh-Heiliger), „Krishna“, „Shiva“ und „Parvati“. Es ist schon erstaunlich, auf einem Feld fahren drei Mähdrescher versetzt hintereinander, fünfzig Meter weiter auf dem nächsten Feld stehen fünfzehn, zwanzig Männer und Frauen und ernten das Getreide mit der Handsichel und legen vorsichtig jedes geschnittene Bündel auf einen kleinen Haufen.

Kurz bevor wir den Busbahnhof von Bundi erreichen, passieren wir das Tourist Office – aha, das gibt es also auch.

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10.10.2010, 20:31

Kota


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10.10.2010, 20:35

Kota

Garh Palace

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19

10.10.2010, 20:37

Kota

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Chambal Garden

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10.10.2010, 20:40

Tourist Office

Wo es Touristen gibt, braucht man auch ein Tourist Office, denn das machen die Europäer, die Thailänder und die Amerikaner so. Also wurde anscheinend von den indischen Behörden beschlossen, so etwas brauchen wir auch. Also gibt es auch in Indien eine Menge von Tourist Offices.

Wenn eine indische Behörde so etwas beschließt, dann wird ein Tourist Office selbstverständlich nicht dort eröffnet, wo die Touristen sind, also nicht in der Nähe der Sehenswürdigkeiten, nicht am Bus- oder am Zugbahnhof, nicht in der Nähe der Travellerhotels und auch nicht in der Nähe der Luxushotels, sondern irgendwo weit weg, wo ein Tourist selten hinkommt. Ich finde immer nur eine Erklärung: die wollen dort gar keinen Touristen, die wollen keine Arbeit mit ihnen, sondern ihre selige Ruhe haben. So auch in Bundi: da ist das Tourist Office ganz weit an der Stadtgrenze, noch ein gutes Stück vom Busbahnhof entfernt. So ist es aber auch in Mysore, in Amdavad, in Mumbai und in unzähligen anderen Orten.

In der Regel ist es kein grosser Verlust, wenn man ein Tourist Office NICHT aufsucht. Denn da gibt es nach meiner Erfahrung genau vier Typen von Menschen:
  • nette Leute die keine Ahnung haben (die meisten, eigentlich fast alle)
  • nette Leute die viel Ahnung heben (fast keine)
  • unfreundliche Leute und keine Ahnung (ganz wenige)
  • unfreundliche Leute und viel Ahnung (keine).
In der Regel ist man mit einem guten Reiseführer besser bedient. Sonst sollte man den Hotelmanager oder direkt am Bus- oder Zugbahnhof nachfragen, wobei dies auch nicht immer zu eindeutigen Ergebnissen führt: am Busbahnhof von Bundi habe ich bei der Enquiry bei drei unterschiedlichen Leuten drei unterschiedliche Abfahrtszeiten gesagt bekommen – man nimmt dann auf gut Glück die mittlere.

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