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11.10.2010, 17:19

Pushkar

Die mittlere Abfahrtszeit hat gepasst (die spätere allerdings auch). Ich bin in Pushkar. Pushkar ohne Wasser im heiligen See ist nicht mehr Pushkar – und Wasser gibt es gar keines im See. In zwei, drei betonierte kleine Becken wird Wasser geleitet, damit die Pilger ihre Zeremonien machen können. Sonnenuntergang – sonst wunderbar mit den Spiegelungen im See, dieses Mal sehr deprimierend. Neben mir zwei Österrei-cher, einer heißt Alfred, beide aus dem 10. oder 16. Bezirk in Wien (würde ich mei-nen – ich hätte sie eher in Pattaya erwartet und nicht in Pushkar), der eine erzählt mindestens sechs oder sieben Mal, das das „do schee is“. Wenn er meint….

Der Gott Brahma warf eine Lotosblume auf die Erde und dort wo sie auftrat, erschien der Pushkar-See. Der Pushkar-See ist eines der heiligsten Wasser Indiens und jetzt ist er ausgetrocknet – nicht einfach für die Inder. In Pushkar gibt es den einzigen Brahma-Tempel Indiens. Erstaunlich, denn Brahma ist neben Shiva und Vishnu einer der drei Hauptgötter. Die Erklärung ist einfach: Brahma wollte eine Zeremonie, ein „yagna“ abhalten, aber seine Gemahlin Savitri war zur gewünschten Zeit nicht da, so heiratete Brahme Gayatri, ein Milchmädchen, um das „yagna“ abhalten zu können. Savitri war natürlich sauer und sprach einen Fluch aus, dass Brahma nur in Pushkar und sonst irgendwo auf der Welt verehrt werden sollte. Und so kommt es, dass es nur einen Brahma-Tempel in der Welt gibt.

Rund um den See reiht sich ein Ghat (Treppen hinuter zum Wasser) an das andere, wo normaler Weise die Pilger ihre Puja und ihre Zeremonien abhalten (wenn Wasser im See ist).. 400 Tempel soll es in der Stadt geben. Einmal im Jahr, meist im Oktober oder November, gibt es die Pushkar Fair, den größten Kamelmarkt der Welt.

Die Fahrt nach Pushkar sollte fünfeinhalb Stunden dauern, aber schon nach einer Viertelstunde gab es Stau. Ein LKW mit Viehfutter ist umgestürzt – vorne und hinten je 15 km Stau. Wir stehen drei Stunden, ich habe wenigsten eine Dreierbank für mich und kann eine Runde schlafen.

Viehfutter und Wasser sind das grosse Problem in Rajasthan und werden eifrig hin- und her gekarrt. Unterwegs haben wir schon eine ganze Karawane von Lastwagen überholt, die Viehfutter transportieren. Sie sind völlig überladen, auf jeder Seite hängt die Ladung einen, eineinhalb Meter und hinten sicherlich zwei, drei, manchmal mehr als vier Meter heraus. Dass die Vorderräder dieser LKWs überhaupt noch Kontakt zur Strasse haben wundert mich sowieso. Sie sind nervig. Sie kriechen mit 10 km/h den Berg hinauf, dann mit 12,6 km/h den Berg hinab, sie fahren wegen ihrer Ladung prinzipiell in der Mitte der Strasse und bequemen sich immer erst sehr lange, bis sie ein Stück nach links ausweichen, damit man sie überholen kann. Häufig kommt es zu größeren Rangierereien, wenn sich auf der schmalen Landstrasse (immerhin der Na-tional Highway No.12) zwei solcher Futtertransporte begegnen. Ja und dann fallen sie auch noch um. Sie sind wirklich SEHR nervig.

Ich unterhalte mich mit dem Busfahrer – natürlich ist diese Art der Überladung auch in Indien völlig illegal, aber Polizei und Behörden tun nichts dagegen, weil hier eine Menge Bestechungsgelder fliessen.

Irgendwann passieren wir dann doch die Unfallstelle, das Viehfutter wurde zur Seite geschoben, der LKW liegt halb im Strassengraben und einige Bauern mit roten und gelben Turban füllen freudig irgendwelche Säcke und tragen das Viehfutter weg – es sei ihnen vergönnt. Ein Kilometer weiter liegt der nächste LKW im Graben. Bis nach Pushkar passieren wir sechs Unfallstellen (mehr Unfälle, als ich in den ersten fünf Monaten gesehen habe), einmal liegt ein LKW unter seiner Stahllast, das Führerhaus ist vielleicht gerade noch 30 cm hoch – sieht schlecht aus für den Fahrer.

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11.10.2010, 17:23

Pushkar


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11.10.2010, 17:24

Pushkar

Dann könnte es eigentlich flott los gehen, allerdings erweist sich unser Busfahrer als absolute Schlafmütze. Bis der sich entscheidet zu überholen, haben ihn schon zwei schwer beladene LKWs überholt. Jeder Bus und sei er noch so beladen überholt uns, obwohl wir doch eigentlich ein Expressbus sind. Einmal schafft der Fahrer es einen Bus zu überholen – der steht am Strassenrand und hat einen Plattfuss. Nicht nur ich bin da etwas genervt, zumal ich einen wunderbaren Logenplatz schräg hinter dem Fahrer habe. Dann fährt er an einem Busbahnhof auch noch einen Obstwagen an und um (es ging allerdings recht eng zu). Jedenfalls kamen wir um über drei Stunden zu spät in Pushkar an.

Habe dort einige Hotels und Guest Houses besichtigt. Erstaunlicher Weise sind ge-rade die, die der Reiseführer als preiswert beschrieben hat, recht teuer, zum Teil um das Doppelte und Dreifache teurer als beschrieben. Ich gehe halt in ein teureres Guest House und bekomme das Zimmer da wesentlich billiger, als im Lonely Planet beschrieben, in das White House (200 Rupies). Da waren meine Frau und ich schon vor etwa zehn Jahren noch einmal und die Besitzerin hatte uns sehr imponiert, da sie ihre Angestellten beim Putzen wie ein Berserker herum gehetzt hatte. Zum Schluß schoß das Wasser wie ein kleiner Wasserfall die Treppen hinab und die Wände waren mindestens einen dreiviertel Meter hoch eingeweicht, so wurde dort geputzt.

Ein Blick ins Meldebuch bestätigt meine Reise-Eindrücke: auf den letzten drei Seiten 18 Franzosen, 1 Deutscher, 2 Niederländer, 1 Brite, 2 Japaner und 1 Italiener. Den Deutschen scheint die Lust oder (wahrscheinlicher) das Geld zum Reisen ausgegangen zu sein.

Sonst scheint in Pushkar noch alles beim Alten zu sein – das Essen ist immer noch so schlecht wie bei unseren letzten Besuchen, die alten Restaurants gibt es immer noch und die An- und Geldmacher auch noch, genauso wie die „Money Chang Fecilites“, nur der Sonnenuntergang hat nachgelassen – der Pushkar-See ist ja völlig trocken und nimmt dem Sonnenuntergang sehr viel an Wirkung. Auch die unzähligen Bettler sind da, allerdings auch ein europäischer Alt-Hippie (sieht zu mindest so aus), der vor dem Vishnu-Tempel mit zwei Beinstümpfen sitzt und bettelt. Warum hat man da sofort so viel mehr Mitleid, nur weil das ein Weißer ist?

Der Euro setzt seine rasante Talfahrt fort, kein Wunder, wenn man die gigantische Veschuldung bedenkt, die die Finanzinstitute und deren Regierungen dem Steuer-zahler und dem Finanzsystem aufgehalst haben: gab es bei unserer Einreise noch 69 Rupies für einen Euro, so sind es jetzt nur noch 58 Rupies. Beängstigend dieser Währungsverfall.

Wunderbare Wortschöpfungen gibt es in Pushkar: da bin ich doch heute tatsächlich bei einem „Jushe Shanter“ vorbei gekommen (wer es nicht kapiert: das ist ein „juice center“).

Tja, dann treffe ich den Saddhu mit der fünfbeinigen Kuh wieder, der schon bei unseren letzten Besuchen in der Stadt herum lief. Seine Kuh hat hinter dem rechten Ohr ein verkümmertes fünftes Bein hängen, ist wunderbar mit einer bestickten Decke geschmückt und bringt viele Spende. Selbstredend muss jeder zahlen, der fotografiert. Aber: fünf Rupies sind bei weitem genug (verlangen tun sie natürlich wesentlich mehr, aber letztendlich sind sie auch mit fünf Rupies zufrieden). Das gilt natürlich für jeden Saddhu, für jeden Schlangenbeschwörer und für all die hübschen Tanzmäd-chen, die in der Stadt herumlaufen und sich fotografieren lassen wollen. Merke: in Pushkar ist Fotografieren eine teure Sache.

Und die Abzocker sind auch wieder unterwegs und bieten ihre Opferblumen und ihre Hilfe beim Opfern an, was heißt anbieten, sie drängen sie auf – meist hat man wenig Chancen, dem zu entgehen. Am Ende ist man um einen „Pushkar Passport“ reicher und um viel Geld ärmer.

Gehe einige Tempel besichtigen. Die meisten Tempel sind für Nicht-Hindus geschlossen. Ausnahmen sind der Brahma- und der Naya Rangji Tempel (in letzteren darf man zumindest in den Hof). Alte historische Tempel gibt es in Pushkar nicht: der viel erwähnte Aurangzeb war auch hier zu Gange und hatte alle Hindu-Tempel zerstören und alle Hindus einen Kopf kürzer machen lassen – aber das ist ja nichts Neues.

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11.10.2010, 17:32

Pushkar

Der Old Rangji Tempel ist recht interessant, da er eine Kombination aus nord- und südindischen Tempelstil ist (was sonst fast gar nicht vorkommt), und hat eine wun-derbare Informationstafel in Hindi, Englisch, Israeli, Französisch, Italienisch und Deutsch. Die deutschen Informationen sind einen Auszug wert:
Herzlichen Will Kommen im alten Rangji Tempe
,…
Im Tempel gibt es als Vorsitzende Goetze Gott Krishna Gott Ranganath die Goettin-nen Laxmi, Godamma, und Sankt Ramanuja Charya
Er ist der erate Sued-indische Ramanuja Tempel von Vaishnava Konfession.
….
Er ist der einzige Tempeln, Pushkar, die die folgendenanbietet:

2. Mythologische Theme Hindus werden durch schone Malerli und Meissels dargstellt
3. Aestettsche Herrlichkeit der Architektur und Malerei wurden von den Expertenn geschutzt.
Die Bitte des Management….
- Bitte gebensie uns shre Ratschlage ein
- Ihre Fragen werden sofort erledigt
- itte raufen sie Bilder von Tempe fuer ihre Freunden und Freundennen
- Bitte bezahlen sie fuer de Eintrittskarte und kriegn sie Quittung zurueck
- Geben sie uns die Moeglichkiet night nur die indische sondern auch die Globaltou-risten, zu dienen


Ein Stück Richtung Ajmer-Busstation wird ein Gurdwara, ein Sikh-Tempel, gebaut, ist eigentlich schon fertig und auch schon in Betrieb. Er ist ganz aus weissem Marmor, innen mit einigen Intarsienarbeiten verziert, an den Decken grosse Muster aus Fliessen. Sonst ist nicht viel im Tempel, ausser dem Allerheiligsten mit dem heiligen Buch. Ein ehrwürdiger Wärter mit dicken Bart und großen Turban sitzt drin und gibt mir Prasad, geweihte Opfergabe, zum Essen. Er spricht kein Englisch, ich frage ihn mit Handzeichen, ob ich Fotos machen kann: kein Problem. Dann frage ich ihn, ob ich ihn fotografieren solle bzw. dürfe: natürlich, er stellt sich in Pose. Ich fotografiere ihn zweimal und zeige ihm die Fotos. Er ist begeistert und umarmt mich überschwänglich mehrere Male – für Europäer sehr gewöhnungsbedürftig. Als ich gehe, steht er am Tor zusammen mit einem anderen Sikh, umarmt mich noch einmal, drückt mich und winkt mir nach.

Pushkar hat ein ganz eigenes Touristen-Publikum. „Normale“ Touristen gibt es wenige. Mädchen und Frauen tragen vorwiegend weite Ali-Baba-Pluderhosen. Gepierct sind die meisten und Mendhis (Henna-Malereien) haben fast alle auf Händen und Füssen. Ausnahme sind meist die Russinen, die in der Regel die denkbar kürzesten Miniröcke tragen. Dann gibt es noch die eingemeindeten Europäerinnen, die im Sari herumschreiten, die Schals malerisch hinter sich im Dreck schleifen, eine sogar mit einem großen fast zwei Meter grossen Stock, an denen sie Pfauenfedern gehängt hat – soll wohl indisch sein. Die ganz Coolen haben sich einen Inder geangelt, ein jüngeres Mädchen sogar einen jungen Saddhu: er sieht aus wie ein Saddhu, ist bemalt und gekleidet wie ein Saddhu und zieht auch die gleiche Show ab, leider passt das riesige Motorrad, mit dem er sich und seine neue Braut mit Riesenlärm durch den Ort befördert, nicht ganz zu seinem Saddhu-Image. Aber was solls, sie ist von ihm hingerissen und hängt an ihm wie eine Klette.

Ein Teil der Männer trägt ebenfalls Ali-Baba-Hosen, der andere lange Hippie-Haare und -Bärte. Tätowiert und gepierct sind sie fast alle. Pushkar scheint auch die letzte Hochburg der europäischen Punks zu sein: bunte Haare, Arsch-hängt-bis-zum-Knie-Hosen und hohe Stiefel. Einer läuft mit Glatze, Ho Chi Minh-Bart, Militärhose und (bei 40 Grad) in Springerstiefeln herum – Gottseidank muss ich nicht dabei sein, wenn er die auszieht, der Geruch muss ja unwiderstehlich sein.

Was tun Touristen in Pushkar? Sie laufen die Hauptstrasse durch den Basar hin und her und handeln und kaufen ein und trinken einen Chai und essen Pizza und trinken einen Fruchtsaft und kaufen ein und feilschen um drei Rupies und essen Spaghetti und trinken ein Lassi und kaufen ein und schauen den Sonnenuntergang an und kau-fen ein und fotografieren einen Saddhu und bezahlen ihn und manchmal reden sie miteinander und schauen den Sonnenuntergang an und kaufen ein und feilschen und essen ein Falafel - und das tagelang. Recht viel mehr kann man in Pushkar nicht machen – beim Sonnenaufgang sieht man eigentlich nie einen Touristen – da schläft alles.

Pushkar ist ein heiliger Ort, darum gibt es dort nur rein vegetarisches Essen: Sogar Eier sind nicht erlaubt: Pfannkuchen und verpackte Kekse sind „100% vegetarian“, also ohne Ei. Alkohol und Drogen gibt es offiziell auch nicht – angeblich sollen trotz-dem einige Guest Houses klammheimlich Bier verkaufen. Da ich kein Bier trinke, habe ich das nie mit gekommen. Sonst ist es schwer in Pushkar, anständiges indisches Essen zu bekommen – die Lokale für indische Pilger sind sehr „basic“ und das Essen nicht unbedingt das, was man unter gut versteht. Die Lokale für Europäer haben sich ganz auf Traveller-Food eingestellt: wahrscheinlich sind die Spaghetti besser als das Malai Kofta.

Für Touristen ist in Pushkar fast alles neben englisch auch in israelisch ausgezeich-net, nur findet man fast keine Isrealis mehr – die indische Regierung versucht sie wegen einiger übler Delikte aus Indien fern zu halten und macht ihnen die Einreise schwer und die Visas sehr teuer. Heute steht in der Zeitung, dass auch der israelische Rabbi, der das israelische Zentrum in Pushkar leitet, genau dieses Zentrum angeblich für vier Monate geschlossen, Pushkar verlassen habe (angeblich wegen der Hitze) und nach Isreal geflogen ist. Dabei hat er zum ersten Male aber das gesamte Zentrum völlig leer geräumt und die gesamte Habe mitgenommen. Pikanter Weise sind das israelische Zentrum und der Rabbi momentan in größeren Untersuchungen verwickelt, da sie den amerikanischen Terroristen David Headley einige Zeit in dem Zentrum beherbergt hatten. David Headley ist einer der Hintermänner und Drahtzieher des Attentats auf das Bombayer Hotel Taj Mahal vom November 2008, bei dem 173 Menschen starben. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Ob der brave Rabbi wohl wieder kommt?

Und dann gab es wieder einen maoistischen Anschlag in Bihar. Bihar ist der ärmste Bundesstaat und so etwas wie der wilde Westen Indiens. In Bihar gibt es schon seit Jahrzehnten zivile Milizen der Landbesitzer, die unliebsame Pächter und Bauern drangsalieren, verprügeln und ermorden. Seit ungefähr 20 Jahren gibt es aber auch die Maoisten, die gegen diese Landbesitzer vorgehen. Nun sollen 100 Maoisten einen Landbesitzer und seinen Sohn ermordet und sein Haus in die Luft gesprengt haben, weil dieser sich angeblich unrechtmäßig fremdes Land angeeignet hat. Die Aufregung in Politik und Medien ist natürlich gross.

Vor mir läuft ein Bauer in weiß mir rotem Turban durch die Strassen, mehrere Frauen folgen ihm. Ich wundere mich, warum er so ein großes Kind trägt, dann sehe ich im Vorbeigehen, dass es eine alte, verhutzelte Frau ist, die er in der Mittagshitze durch Pushkar schleppt.

Ich laufe rund um den See und treffe in einem Tempel einen Saddhu, mit dem ich mich gut unterhalte (er kann sehr gut englisch) und der für das Fotografieren KEIN Geld will – ein erstaunlicher Einzelfall in Pushkar. Am Saptrishi-Ghat steht ein wunderbarer, etwa sechs Meter hoher Baum mit grünen Blättern. Ich bin erstaunt, gehe näher und sehe, dass Baum und Blätter aus Plastik gemacht sind.

In Pushkar scheint es einen neuen, cleveren Geschäftszweig zu geben. Man nehme seine einigen Kühe und stelle sie auf die Strasse, dann nehme man eine alte verhutzelte Oma, stelle sie daneben. läßt sie einen großen Haufen Grünfutter bewachen und die Hand aufhalten. Und dann kommen tatsächlich die Inder und zahlen für eine Handvoll grünes Heu 10 Rupies und füttern damit die heiligen Kühe – aber wehe es wird eine andere Kuh als die eigene gefüttert oder eine fremde Kuh kommt und will auch profitieren, da werden die alten Damen recht unfreundlich und ziehen blitzschnell der fremden Kuh eine über (und beschimpfen den nichts ahnenden Fütterer).

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11.10.2010, 17:36

Pushkar


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11.10.2010, 17:38

Pushkar


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11.10.2010, 17:41

Pushkar Passport

In Pushkar gibt es so ziemlich die größte Anzocke, die in Indien stattfindet. Jeder fällt irgendwann darauf herein – hoffentlich nur einmal.

Es beginnt ganz harmlos: ein netter Herr zaubert eine Blume aus der Tasche und drückt sie einem in die Hand. Man soll sie opfern, in den heiligen See werfen, aber sofort, denn heute sei ein Festtag, aber nur noch die nächsten zehn Minuten. Wer es tun will, der wird dann gleich an die rechte Stelle am Pushkar-See geführt, denn alleine kann er die Blume natürlich NICHT ins Wasser werfen, dann wirkt die Opfergabe ja nicht. Plötzlich sitzt man dann da, der nette Herr gegenüber, er fängt an, irgendetwas vor sich hin zu brabbeln (kann Sanskrit sein oder irgendeine andere Sprache), dann fragt er nach dem Namen des Vaters, der Mutter, der Geschwister, der Kinder, der Tanten, Onkel….je mehr Verwandte, desto besser. Dann kann man sein Blümchen ins Wasser werfen, bekommt einen Farbpunkt auf die Stirn gemalt, ein gelbes oder rotes Bändchen um das Handgelenk gebunden, eben den „Pushkar Passport“. Wenn man dieses Bändchen um das Handgelenk trägt, dann wird einem niemand, aber wirklich auch niemand mehr anreden wegen einer Opfergabe.

Nachdem dann alles vorbei ist, ist natürlich eine Spende fällig und zwar eine saftige. Wenn man 10, 50 oder 100 Rupies anbietet, ist der nette Herr ganz entsetzt: was, nur so wenig, für Vater, Mutter, Geschwister, Kinder, Tanten und Onkel nur 100 Rupies, betreten und entsetzt schüttelt er den Kopf, absolut schäbig und geizig (sagt er zwar nicht, aber seine Mimik und seine Körperhaltung sind eindeutig). Egal, was man anbietet, es ist immer zu wenig, die Reaktion ist gleich. Ob die netten Herren überhaupt Brahmanen sind, ist auch nicht so ganz sicher.

Da gibt es nur eins: von Anfang an die Blume nicht annehmen oder demonstrativ mitnehmen, an den See gehen und selber hineinwerfen (wobei man natürlich genau darüber aufgeklärt wird, dass dann das Opfer nichts, aber auch gar nichts nützt). Wer wirklich für sich und seine Verwandten etwas opfern will, sollte am Brahma-Tempel Opfergaben zum normalen Preis von 10 oder 20 Rupies kaufen, im Tempel opfern, 10 oder 20 Rupies in die Donation-Box werfen und sich von dem restlichen ersparten Geld ein wunderbares und ausgiebiges Abendessen gönnen.

Ach ja: hat man dann doch seinen „Pushkar Passport“ bekommen und verlässt das Ghat und den See, dann kommen innerhalb der nächsten hundert Meter sicherlich zwei, drei nette Herren auf einen zu und drücken dir eine Blume in die Hand: die müsse man opfern, heute sei ein Festtag aber nur noch die nächsten zehn Minuten und man sei gerne bereit zu helfen…..

Ja, und so sieht man in Pushkar viele Damen und Herren mit einem roten oder gelben Bändchen herumlaufen (auch wir da mal dabei :D ).

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11.10.2010, 17:44

Ajmer

Ajmer liegt nur einige Kilometer weit entfernt von Pushkar im Osten. Ajmer ist natür-lich auch eine heilige Stadt, für die Moslems. In der Dargah Khwaja Sahib liegt In-diens am meisten verehrter Moslemheiliger Khwaja Moinuddin Chistim, gestorben 1233, begraben. Er war Sufi-Heiliger und galt als Schutzheiliger der Armen.

Die Dargah darf man auch als Nicht-Moslem betreten, Fotografieren verboten, aber ich habe den Eindruck, gerne gesehen wird man dort nicht. Das geht schon an mit einer einzigartigen Abzocke nur für Touristen bei Abgabe der mitgebrachten Ta-schen: während Moslems für die Tasche 7 Rupies zahlen, verlangt der zuständige Herr für die Tasche 7, für die darin liegende Kamera 7 und für eine darin liegende Plastiktüte mit einem Schal auch noch einmal 7 Rupies. Ich mache Krach und habe auch gleich fünf Inder auf meiner Seite, die lautstark auf den zuständigen Herrn ein-reden und sich beschweren. Es interessiert ihn nicht und er besteht auf dreifache Zahlung: ich sage ihm freundlich aber bestimmt, er soll sich seine dreifache Zahlung irgendwo hin stecken und seine Dargah gleich ebenfalls und gehe. Ein Stück weiter kann ich meine Tasche bei einem Geschäft unterstellen.

Drinnen geht es weiter: kein freundliches Gesicht, kein Lächeln, kein Willkommen, misstrauische Blicke – es macht keinen grossen Spass. Zu sehen gibt es einiges, aber nicht viel Schönes, dafür viel Schmutz. Der Haupteingang, das Nizam Gate hat zwei große versilberte Tore, direkt dahinter gibt es zwei riesige Töpfe, in denen ab und an aus Spendengeldern Essen für die Armen gekocht wird: der eine Topf fasst 4480 kg und der andere Topf 2240 kg Reis. Imposant sind sie schon.

Dann gibt es noch eine weisse Marmor-Moschee, die von Schah Jahan erbaut wurde (aber solche gibt es in Rajasthan mehrere). Das Grab des Heiligen selbst ist aus Marmor und die Kuppel ist mit Gold belegt, ds eigentliche Grab innen steht auf einer silbernen Plattform. Fast jeder, an dem man vorbei geht, hält die Hand auf – Bettler sind das aber nicht alle. Aber auch die Offiziellen halten überall die Hand auf und schieben die Spendenbücher unter meine Nase – aber unter diesen Umständen ha-be ich nicht die geringste Lust, auch nur eine Rupie zu spenden. Mein Tipp: wer das Grab nicht unbedingt ansehen will, soll es lieber bleiben lassen und zu Orten gehen, wo man willkommen ist. Wer es trotzdem nicht lassen kann, bitte daran denken, dass an einigen Plätzen in der Dargah eine Kopfbedeckung getragen werden muss.

Rund um die Dargah breitet sich ein großer Basar aus, direkt neben der Dargah ist ein nicht so appetittlicher Fleischmarkt. Der Basar ist auch Zentrum der größten Bett-lermassen, die ich je in Indien gesehen habe. Der Bettlerberuf scheint hier noch in großer Blüte zu stehen, denn die gebotene Show ist grandios: fast jeder Bettler, der nur ein oder kein Bein mehr oder nur einen Arm hat, wälzt und robbt sich unter Stöh-nen, Ächzen und Schreien am Boden durch den Dreck (in Indien gibt es Unzählige, die nur ein oder kein Bein haben, aber am Boden muß sich deswegen keiner wälzen, ist halt absolute Show). Andere sitzen in den verkrümmtesten Haltungen herum oder ziehen sich halbnackt über den Boden, andere zeigen ihre offenen Wunden und Ge-schwüre. Jeder Bettler, der nur irgendwie kann, hält einen penetrant und agressiv am Ärmel, an der Hose oder der Tasche fest.

Ein Stück weiter ist die Adhai Din Ka Jhonpra, die zweieinhalb Tage-Moschee, da sie 1198 angeblich nur an zweieinhalb Tagen erbaut wurde. Eigentlich ist es eine alte hinduistische Sanskritschule in einem Hindutempel, vor dem der Eroberer Moham-med Gouri eine Mauer hochziehen und mit arabischen Schriftzeichen verzieren ließ. Innen stehen noch die alten Säulen und die alten Gewölbe. Gedacht war die Mo-schee als Zeichen der Überlegenheit der Moslems. Schön sind die Kalligraphien an der Aussenmauer tatsächlich. Erstaunlich allerdings die Wandlung: hier sind die Mos-lems freundlich, hilfsbereit und für jedes Gespräch bereit – eine Erholung nach den Erfahrungen in der Dargah. Ich hatte viel Spass mit den Leuten dort.

Und dann gibt es noch den skurillen Jain-Tempel Nasiyan, den roten Tempel. Er ist tatsächlich aus rotem Stein erbaut und ist Privatbesitz. Der Tempel darf nur von Jains betreten werden, aber im Hauptgebäude kann man gegen Eintritt einen grossen Raum besichtigen, in denen eine ganze Reihe von Palästen, Schiffen, Menschen und Tieren aus der Jain Mythologie ausgestellt sind: sie zeigen die antike Welt mit dreizehn Kontinenten und Ozeanen, die goldene Stadt Ayodhya, Menschen und Gondeln mit fliegende Schwänen und Elefanten. Alles ist goldüberzogen und an den Wänden finden sich schöne Glasmosaike, Halbedelsteine und Gold- und Silberarbei-ten. Ein sehr ausgefallener und schöner Raum.

Akbars Fort ist direkt in der Nähe, ist aber recht klein und relativ uninteressant. Das Museum beherbergt nur einige Stücke und ist nur für den allerhärtesten Kulturfreak zu empfehlen (Eintritt 10 Rupies).

Wunderschön ist die Fahrt von Pushkar nach Ajmer und zurück: es geht steil über einen berg mit herrlichen Blick auf die Stauseen von Ajmer. Unterwegs tummeln sich Hunderte von Hanuman-Affen entlang der Strasse und warten auf freundliche Inder, die sie füttern.

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11.10.2010, 17:46

Ajmer


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11.10.2010, 17:50

Ajmer


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11.10.2010, 17:51

Jodhpur

Morgens um 08:30 soll es weiter gehen nach Jodhpur. Während ich warte, unterhalte ich mich mit einem Koch eines der teuersten Hotels in Pushkar. Zimmer kosten dort 70, 140 und 210 US $, ein Mineralwasser 90 Rupies (sonst 10 bis 20 Rupies), ein Chai 90 Rupies (sonst 5 bis 10 Rupies). Es gbit im Hotel 200 Beschäftigte, er als Koch verdient im Monat 90 US $, bei Fehlern wird das Gehalt gekürzt. Seine Familie lebt üb er 150 km entfernt, so dass er im Ort ein Zimmer für 15 US $ mieten muss – der Rest reicht für die Familie gerade so hin, um auch das Schulgeld für die Kinder zu bezahlen.

Um 08:40 die unerfreuliche Nachricht, der Bus kommt bald oder später oder gar nicht, vielleicht in einer Stunde, vielleicht in fünf Stunden. Ich kann es mir aussuchen und entschliesse mich nach Ajmer zu fahren und von dort weiter nach Jodhpur.

Der Bus nach Ajmer wartet natürlich bis er voll ist – ganze 30 Minuten lang. Dafür steht der Bus nach Jodhpur schon in der Ausfahrt, man winkt mich heran, ich werfe mein Gepäck in den Bus und gehe erst einmal zum Schalter, um mir ein Ticket zu holen: der Schaffner führt micht, der Bus wartet in der Einfahrt und versperrt anderen den Weg. Das nenn ich Service.

Irgendwann fährt der Bus dann durch eine Gegend, wo sich ein Lavendelfeld neben das andere reiht. Auch die überladenen Heu-Transporte auf den LKWs sind wieder unterwegs und nerven. Hinter mir sitzt ein Pärchen, sie redet ununterbrochen mindestens zwei Stunden auf ihn ein, ab und zu lässt er ein „ahhh“ oder „atscha“ hören – ich hoffe, er ist schwerhörig, dann erträgt er seine Frau leichter.

Leicht verspätet bin ich um 15:00 in Jodhpur, ein Guesthouse ich auch gleich gefunden, etwas gegessen, dann los ins Gewühl des Sardar Basars. Ein schöner Markt rund um den Uhrturm mit unzähligen Geschäften und in den Souvenir-Shops und Gewürzläden eine unglaubliche Abzocke – Jodhpur ist bekannt dafür, aber es laufen auch einige Reisegruppen herum, also kein Wunder. Das Schöne am Einkaufen für mich ist, dass ich immer wieder feststelle, ist ja schön, aber brauche ich nicht. So bleibt sehr vieles uneingekauft – anscheinend der Vorteil des Alters. Habe mich längere Zeit mit einem Händler unterhalten – während der zwanzig Minuten spielten in seinem Laden mindestens drei verschiedene große Mäuse (oder kleine Ratten) Fang-mich-doch: ihn hat es nicht gestört.

Dann zum Bahnhof, ein Zugticket nach Jaisalmer zu kaufen. Am Schalter für Touristen und Frauen (einen Lady-Schalter gibt es sonst in ganz Indien nicht mehr bei der Bahn) sitzt eine Frau, die es tatsächlich schafft, ausser zu quatschen, nichts zu tun. Für drei Personen ein Ticket auszustellen, braucht sie fast eine Stunde. Entnervt gehe ich zu einem anderen Schalter und nach einiger Diskussion, bekomme ich da innerhalb von fünf Minuten mein Ticket (obwohl er nicht zuständig ist – aber anscheinend kennt er seine Kollegin).

Am nächsten Tag um 08:30 zu Fuss hinauf den Berg zum Mehrangarh Fort, ein gutes Stück kleiner als der Palast von Udaipur, aber sicherlich das imposanteste Fort von Rajasthan – die Mauern scheinen direkt aus den Felsen zu wachsen. Kipling schrieb, das Fort wurde von „Königen und Riesen“ erbaut – nicht gnz unrecht. Das Fort ist der Stammsitz der Mewar: früher hieß auch das Land so (Mewar heißt „Land des Todes“ und wenn man die kriegerische Geschichte der Mewar liest, weiß man warum). Der Eintrittspreis ist happig, 300 Rupies, dafür ist die Kamera und ein Audioguide in 11 Sprachen mit eingeschlossen. Das Museum ist hervorragend, nicht so viele Stücke wie in Udaipur, dafür aber nur die ausgesuchtesten (merkt man am ehesten in der Waffensammlung, die hier recht bescheiden ist, dafür aber nur die schönsten Stücke zeigt). Man geht durch sieben Tore, beim zweiten ist eine Erinnerungstafel für einen Rajputen, der sich lebendig einmauern ließ, um einen Fluch vom Fort zu nehmen. Am Lohapol sind die Handabdrücke der Frauen von Maharaja Man Singh, die bei seinem Tod Sati begangen (sich also mit verbrennen liessen).

Im Museum sind Howdahs (Elefantensitze), Sänften, Miniaturmalereien, Kinderschaukeln, Zelte, Waffen und königliche Souveniers ausgestellt. Herausragend sind die Palastteile „Moti Mahal“ (Perlenpalast), „Sukh Mahal“ (Palast der Freuden), „Phool Mahal“ (Blumenpalast) und „Holi Chowk“.

Draussen auf der Fortmauer stehen eine Anzahl von Kanonen und am Ende des Felsen befindet sich der Tempel „Chamunda Devi“, von dem man einen herrlichen, sicherlich den besten Bick auf die blauen Häuser Jodhpurs hat. Im Mai 2008 kam es hier bei einem Fest zur Panik: 113 Menschen kamen ums Leben, mehr als 300 wurden verletzt. Heute waren nur drei Leute da und alles verlief glimpflich.

Anschliessend um elf Uhr zu Fuss einen Kilometer weiter zum Jaswant Thada, einem wunderbaren weissen Marmor-Memorial für den Maharaja Jaswant Singh II., erbaut 1899. Inzwischen befinden sich rundherum mehrere Kenotaphe aus Stein und Marmor für Mitglieder der Maharaja-Familie. Direkt vor der Anlage liegt ein kleiner See – eine Rarität in Rajasthan.

Der heutige Maharaja wohnt im Umaid Bhavan Palace vor der Stadt, einem Art-Deco-Palast aus den Jahren 1929 bis 1944, heute ein teures Hotel (Zimmer 1000 US $, Suite 3300 US $) – na ja, wer es unbedingt haben muss.

Nachmittag streune ich dann in den Marktgassen rund um den Sardar Markt herum – ist manchmal etwas nervig, weil Motorräder und –rikschas ohne Rücksicht auf Fussgänger hupend durch die engen Gassen brettern – wer nicht weggeht, der wird halt angefahren oder die Tüte weggerissen. Sonst ist die Altstadt aber ein schöner, typisch indischer Markt mit Allem, was dazu gehört. Direkt am Uhrturm gibt es wunderbaren Makhania-Lassi (der vom Lonely Planet als „bester Indiens“ empfohlene ist zwar sehr sahnig, aber pappsüß – der am anderen Ende des Marktes schmeckt mir wesentlich besser) und den besten Mango Juice, den ich bisher bekam.

Es ist 23:00 Uhr, ich werde jetzt packen und ins Bett gehen: der Zug geht morgen um 04:50…..

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11.10.2010, 17:54

Jodhpur

Sardar Market mit Clock Tower

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11.10.2010, 17:57

Jodhpur

Mehrangarh Fort

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11.10.2010, 17:59

Jodphur

Mehrangarh Fort

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11.10.2010, 18:01

Jodhpur

Mehrangarh Fort

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11.10.2010, 18:04

Jodhpur


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13.10.2010, 17:29

Drogen

Indien ist bekannt für seine illegalen Drogen, für Marihuana, Haschisch, Ganja und Bhang. Überall sieht man Saddhus, oft im Kreise besser gekleideter Bürger, ein Pfeifchen rauchen. In verschiedenen Orten (z.B. Jaisalmer, Benares, Bundi) wird Bhang und Ganja ganz offiziell in Shops verkauft. Als Tourist sollte man da die Finger weg lassen.

Indien hat recht harte Drogengesetze: die Mindeststrafe ist 10 Jahre, Revision gegen ein Urteil gibt es für diese Delikte in Indien nicht. Häufig kommen dann noch einige Jahre Untersuchungshaft vor dem Prozess hinzu. Die indische Polizei geht vor allem gegen ausländische Touristen bei Drogendelikten strikt vor, während Einheimische häufig verschont bleiben.

Offiziell dürfen nur Saddhus dem Drogenkonsum frönen (schließlich hatte der Gott Shiva Ganja und Haschisch ausgiebig konsumiert). In Orten, wo es wenig Touristen gibt, wird man von den Saddhus immer wider zu einem Pfeifchen eingeladen. Auch bei Hochzeiten gibt es immer noch die traditionellen Bhang-Getränke.

Ein Pfeifchen


Bhang-Shop

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13.10.2010, 17:34

Bikaner

Der Zug ging pünktlich und war völlig leer – ich hatte praktisch einen Wagon für mich, zwei Inder waren noch da. Habe wunderbar geschlafen, der Wecker hat mich anständig um 04:00 nachts geweckt und um 04:20 (mit nur 30 Minuten Verspätung trafen wir in Bikaner ein). Nach einem Chai ging es dann auf Zimmersuche – gräßlich diese Rikschafahrer, erzählen das Blaue vom Himmel und dann ist das Zimmer, das man sich ansieht, schäbig und der Preis doppelt so hoch wie angegeben.

Der Reisefüher, der Lonely Planet, hat auch mal wieder geschlampt: die Hotels, die er empfiehlt und die ich angerufen oder angeschaut habe, sind alle mindestens 50 bis 100 Prozent teurer als erwähnt. Das kann wohl nicht alles in einem halben Jahr passiert sein. Die Zimmerpreise sind hier eh sehr gewöhnungsbedürftig, selbst für die letzte schmutzige Höhle verlangen sie Fantasiepreise. Nach einer Stunde Suche habe ich dann doch ein sauberes, relativ preiswertes Hotel gefunden, das Evergreen (200 Rupies Single Room).

Nach dem Auspacken, dem Klamottenwaschen und einer Dusche auf zum Frühstück und zum Junagadh Fort. Neben dem Junagadh Fort liegt der High Court, das Gerichtsgebäude. Rund herum stehen sicherlich mehr als 300 Tische und Stühle für Advokaten, Klienten, Stenographen und Schreiber – heute allerdings alle leer, da Sonntag. Der High Court ist ein schönes altes Gebäude, aber wenn man in die Hinterhöfe kommt, doch schon recht mitgenommen.

Das Junagadh Fort ist eigentlich für jeden Rajasthan-Reisenden ein Muss. Nachdem ich es gesehen habe, muss ich meine Einschätzung zum Jaisalmer-Fort doch zurücknehmen: verglichen mit Bikaner wären dort nicht 50, sondern höchstens 10 Rupies Eintritt angemessen. Ich habe nirgendwo in Rajasthan solch schöne und guterhaltene Wandmalereien und Räume gesehen wie im Junagadh Fort. Wunderbar sind der Diwan-i-Khas, der Phool Mahal (der Blumenpalast mit herrlichen Blumenmalereien und Marmorarbeiten), der Hawa Mahal, der Badal Mahal und das Anup Mahal. Das Fort selber wurde zwischen 1588 und 1593 von Raja Rai Singh (nicht nur die Sikhs tragen den Nachnamen „Singh“, der Löwe, sondern auch die Rajputen) erbaut. Der Eintritt kostet mit Audio Guide und Kamera Ticket für westliche Touristen 250 Rupies, ohne Audio Guide und Kamera Ticket 150 Rupies (da hier noch 50 Rupies Kamera Ticket hinzu kommen, lohnt sich der Audio Guide auf jeden Fall, zumal dort einige wunderbare Wortwendungen verwendet werden: der vorletzte Maharaja war zum Beispiel ein „Gigant unter Männern und ein Koloss unter Prinzen“ – schön nicht? Ach ja: aufgeopfert für sein Land hat er sich natürlich auch).

Nachmittags dann durch die Altstadt zum Bhanda Shaha Jain Temple. Der Weg ist weiter als ich gedacht habe. Ständig quatschen mich freundliche Leute an und wollen mit mir reden (ohne etwas zu verkaufen – man merkt, es gibt wenig Touristen). So bin ich erst um 18:00 bei dem Jain Tempel. Der Bhanda Shaha Jain Temple ist der älteste Jain Tempel Bikaners und wurde von dem Kaufmann Bhandasa Oswal 1460 noch vor der Gründung Bikaners erbaut. Da in der trockenen Wüstengegend Wasser Mangelware war, hatte man zum Bau des Tempels 40.000 kg Ghee (flüssige, geklärte Butter) für den Mörtel verwendet. Der Tempel sieht von aussen unspektakulär und uninteressant aus, zumal sein Tempelturm gerade renoviert wird. Innen sind jeoch fantastische und wunderbare Wandmalereien aus späterer Zeit (kein Eintritt, 20 Rupies Kameragebühr). Die Gemälde sind für Jain Tempel sehr ungewöhnlich.

Der nahe liegende, kleinere Sandeshwar Jain Temple ist ähnlich unspektakulär von aussen, hat innen aber ähnlich schöne Gemälde und Steinmetzarbeiten (Kameraticket 20 Rupies). Einige der Gemälde ähneln nepalesischen oder tibetischen Tempelbildern.

Zwischen den beiden Jain Tempeln liegt der Laxminathji Temple, der 1505 bis 1526 erbaut wurde. Fotografieren ist verboten, das Betreten für Nicht-Hindus ist aber erlaubt. Laminath war der Staatsgott von Bikaner und wurde von den Maharajas bei jeder wichtigen Gelegenheit aufgesucht (entsprechende Gemälde gibt es im Gaj Mandir des Junagadh Fort. Er wird abends um 18:30 geöffnet und bietet dann eine interessante Atmosphäre mit all den Gläubigen und den Feuerzeremonien.

Beim Rückweg durch die Stadt komme ich an einigen schönen Havelis vorbei, auch an einem Luxushotel im Rampuri Haveli, dem Bhanwar Niwas: im Hof steht ein fahrbereiter Buick aus dem Jahre 1927, man kann ihn (zu nicht gerade volkstümlichen Preisen) mieten.

Abends beim Essen werde ich von einem Inder angequatscht: sie suchen Statisten für einen Bollywood-Film. Ich soll doch tatsächlich mit Shah Rukh Khan zusammen in einem Film auftreten! Ich bin interessiert, der Chef der Touristen-Suche kommt. Leider zerschlägt sich die ganze Sache, denn sie brauchen den Touristen ganze zwölf Tage und das ist mir dann doch zu lang, da ich Anfang Mai wieder in Mumbai zum Rückflug sein muss. Ausserdem kommt Shah Rukh Khan erst nach meinem Ablug zu den Ausfnahmen. Schade, wir wären sicher ein tolles Gespann gewesen :D .

Ausserhalb der Stadt gibt es die einzige staatliche Kamelzuchtstation Indiens – die Kamele werden für Paraden und für die Grenzsicherung in Rajasthan nach Pakistan eingesetzt und sind daher natürlich strategisch wertvoll und dürfen auf gar keinen Fall fotografiert werden.

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13.10.2010, 17:37

Bikaner

Kote Gate


Junagarh Fort

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13.10.2010, 17:40

Bikaner

Junagarh Fort