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  • »driver« ist der Autor dieses Themas

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1

09.04.2008, 17:15

Khajuraho, Madhya Pradesh, Indien

Die Tempel von Khajuraho in Madhya Pradesh sind sicherlich einer der Höhepunkte der hinduistischen Architektur und Bildhauerkunst.

Der Mogulherrscher Aurangzeb (1618 bis 1707), Sohn Shah Jahans (Erbauer des Taj Mahals in Agra), im Gegensatz zu seinen Vorfahren ein fundamentalistischer moslemischer Eiferer hatte fast alle hinduistischen Bauwerke in ganz Nordindien bis weit in den Dhekkan hinab zerstört und Hindus und ihre Lehren unterdrückt. Aufgrund der isolierten Lage überstanden die Tempel von Khajuraho der Zerstörungswut Aurangzebs - sie waren einfach zu weit von jeder größeren Ansiedlung entfernt.

Die Tempel Khajurahos wurden im Zeitraum von 950 bis 1050 erbaut. Von 85 Tempeln haben 22 fast unversehrt überlebt und gruppieren sich um das kleine Dorf Khajuraho. Als ich 1976 zum ersten Mal in Khajuraho war, gab es die Tempel, ein Dorf und zwei kleine, sehr einfache Pensionen (Guest houses). Die Anreise von Varanasi dauerte zwei Tage, die Weiterreise nach Gwalior oder Sanchi weitere zwei Tage. Die Tempel waren noch ohne Einzäunung in der Wildnis zerstreut, Ziegen weideten zwischen den Tempeltürmen, es gab keine Einzäunungen und keine Tickethäuschen.

Heute gibt es unzählige Pensionen, Hotels, Restaurants, Souvenirstände und einen Flughafen in Khajuraho. Flüge gibt es aus Dehli, Agra und Varanasi. Trotz Möglichkeit zu fliegen, ziehe ich auch heute noch Zug und Bus vor, um Landschaft und Leute zu geniesen (von Varanasi, Kalkutta, Mumbai nach Satna mit dem Zug, dann weiter mit dem Bus). Die Tempel liegen nun eingezäunt zwischen grünen Rasenflächen und Blumenrabatten, beschützt durch Tickethäuschen und Touristen-WC.

Zu den schönsten Tempeln gehören die direkt am Touristendorf gelegenen: Matangeshvara, Lakshmana, Devi-Jagadambi, Parshvanatha, Vishvanatha, Kandariya-Mahadeva, Citragupta.

Alle diese Tempel bestehen aus einer Vorhalle (arda-mandapa), einen Versammlungs- und Tanzsaal (Mandapa) sowie einen garhagriha, über dem sich der hohe Turm aufbaut. Der hohe Turm mit seinen konvexen Fasssaden wird von vielen Nebentürmchen gstützt. Die Turmspitze trägt eine kissenförmige Scheibe (amalaka), die von einer Vase (kalasha) bekrönt wird.

Die Aussenwände der Tempel sind von unzähligen Statuen geziert, die für mich zuden schönsten Figuren der Welt gehören. Auffallend sind die wunderschönen Liebespaare und die erotischen Szenen. Es handelt sich dabei nicht um einzelne pornografische Szenen, wie man sie in Pompeji findet, sondern sie ziehen sich wie Leitmotive durch die gesamte Tempelanlage. Neben sich umarmenden Paaren finden sich die hinduistenen Götter zwischen Figuren, die ohne falsche Scham den Sexualakt betreiben - überall würdevoll, an keiner Stelle vulgär. In der hinduistischen Mythologie besteht die göttliche Vollkommenheit aus der Einheit (daher sieht man die männlichen Götter auch immer mit ihrer weiblichen Gemahlin, ihrer Gegenkraft). Der natürliche Gegensatz zwischen Mann und Frau, zwischen Gott und Göttin, findet die Einheit in der geschlechtlichen Vereinigung, der Geschlechtsverkehr wird zum Sinnbild der Vereinigung des männnlichen und weiblichen Prinzips für sich (dass diese Erkenntnis auch bei den Indern nicht unbedingt mehr vorhanden ist, zeigte vor einigen Jahren der Honeymoon-Tourismus mit Honey-Moon-Hotel, Honey-Moon-Suite, Honey-Moon-Dinner und und.....).

Viele der Figurengruppen folgen einem symetrischen Schema, das durch die Anordnung eines Mandala bestimmt ist. Die gesamte Komposition der Figuren und Figurengruppen ist immer einer geometrischen Form unterworfen. Auf eine naturnahe Darstellung wurde dabei verzichtet - es handelt sich um eine hochstilisierte Kunst, die mit Hilfe schematisierter Formen eine immmer wieder dargstellten Schönheitsidel entsprechen. Im direkten Gegensatz dazu stehen die relativ schmucklosen Innenräume der Tempel.

In Khajuraho gibt es mehrere jainistische Tempel, die sich bis auf die erotischen Szenen kaum von den hinduistischen unterscheiden. In der Nähe gibt es es kleines Museum.

Wer etwas mehr Zeit hat, sollte auch nicht versäumen, etwas abseits der Touristenströme in Khajuraho zu unternehmen: mit dem Fahrrad durch die Umgebung, durch das alte Dorf Khajuraho, mit dem gemieteten Moped oder Jeep durch die umgebende Wildnis......ach ja: und am frühen Morgen sollte man sich die Gegend südlich der zentralen Tempelanlage ansehen, dann kommen Abertausende von grünen Papageien unter grellen Gekreische und fallen in die Bäume ein.
»driver« hat folgende Bilder angehängt:
  • Indien_200310_091_Khajuraho.jpg
  • Indien_200310_126_Khajuraho.jpg
  • Indien_200310_137_Khajuraho.jpg
  • Indien_200310_144_Khajuraho.jpg
  • Indien_200310_154_Khajuraho.jpg

2

09.04.2008, 19:05

Kahjuraho

Hallo Driver,
Das ist ein sehr schöner, ausführlicher Reisebericht.
Schön für Dich, dass Du schon so früh in diese Gegend gekommen bist.
Die erotischen Szenen sind in allen fast allen frühen Religionen etwas ganz Natürliches, ein einfaches Beispiel sind die Lingams.
LG.
Werner

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10.04.2008, 10:48

Khajuraho

Hallo Driver,

das ist ja mal wieder ein sehr schön detaillierter und Informativer Reisebericht von Dir , kann ich mir vorstellen das die Gegend mit dem Fahrrad noch besser zu erkunden ist, weiter so.

L.G. Sandra
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10.04.2008, 13:19

Khajuraho

Hallo Driver!

Geschichte, Religion und Reisebedingungen in dieses Gebiet hast Du ausführlich und ín verständlicher Form zusammengestellt. Die Fotos und der Bericht geben viele Eindrücke und Einblicke weiter.

LG hoelli

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12.04.2008, 15:40

Hallo Driver,

Ich finde Deinen Bericht sehr gelungen und interessant.

Liebe Grüße

Andrea

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01.08.2008, 20:12

Von Khajruho gibt es einige schöne Fotoseiten unter

http://sss.vn.ua/india/madhya/khajuraho/indexen.htm
(Seite ist sehr gut)

http://www.india-picture.net/khajuraho


Eine gute Beschreibung zu den erotischen Figuren aus Sicht eines Inders (auf Englisch) findet sich unter

http://www.kamat.com/kalranga/erotica/khaju.htm

Gruss Driver

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02.08.2008, 10:57

Hallo Driver

Wieder ein sehr gelungener Bericht mit schönen Bildern, auch die Links sind sehr interessant.

Liebe Grüsse
Siggi
In der Fremde erfährt man mehr als zu Hause.
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8

03.08.2008, 16:19

A)d A)d A)d A)d A)d A)d A)d A)d A)d A)d A)d A)d A)d A)d A)d A)d A)d A)d A)d A)d

hi driver,

wieder ein gelungener und informativer Bericht mit schönen Fotos, den Du uns präsentierst.

DANKE dafür! 00000011

Interessant sind auch die Links, die Du nachgereicht hast.

Liebe Grüße
Sonnenstunden
00000011
Die großen Ereignisse, das sind nicht immer unsere lautesten, sondern unsere stillen Stunden :love:
(Friedrich Nietzsche)

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9

05.08.2008, 11:47

Khajruho

Hallo driver,

ein toller, ausführlicher Bericht mit schönen Fotos A)d A)d A)d



Liebe Grüße mokuha 00000011
Die Natur ist das einzige Buch, das auf allen Blättern großen Inhalt bietet.

J.W.Goethe

10

27.10.2008, 19:17

Gefunden

Hallo driver, äh ich mein yaWo )M(IC

Habe dein Bericht heraus gesucht (wir Schweizer sagen dazu: usä gnuscht :;) ).
Da jetzt einige Bilder über diese Region in der Galerie sind, wollte ich es mir nicht entgehen
lassen, deinen Beitrag darüber zu lesen A)d

Ich mag die Kunst, sei es auf dem Papier oder als Objekt.
Erstaunlich was die Menschen früher geleistet haben. Man könnte die heutige Zeit
glatt als faul bezeichnen. Oder nicht?
Schon nur die Entstehung der Pyramiden ist eine unglaubliche Geschichte der Handarbeit.

Als ehemalige Malerin weiss ich, wie schön es ist, sein eigenes Werk zu bewundern.

Ich danke dir für deinen Tipp und die wunderschönen Bilder aus einem fernen Land :hutab: :thankyou:

Durch und durch erstklassig :sehrgut:

Es grüsst dich

Kirsten