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  • »driver« ist der Autor dieses Themas

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1

12.05.2008, 11:28

Reisen nach Burma und anderswohin

Hallo

Momentan sieht die Lage in Burma - freundlich gesagt - nicht gerade rosig aus: eine zynische Militärregierung, die Mönche und Staatbürger tötet, verschleppt und foltert, dann die grosse Flutwelle. Ich persönlich habe da immer grosse Probleme, in solche Staaten zu reisen. Burma ist eines meiner Lieblingsländer, ich war vor 1988 viermal dort und bin dann nach der Niederschlagung der Demokratie-Bewegung nicht mehr nach Burma gereist. Erst im Frühjahr 2007, als ich dachte die politische Entwicklung hätte sich verbessert, fuhren meine Frau und ich wieder nach Burma und es hatte wieder den Reiz, den ich von früher kannte. Leider war der Eindruck, es würde besser werden, völlig falsch - die Militärregierung ist immer noch so korrupt und gewalttätig wie in den letzten 20 jahren.

Gestern hatte ich in der Zeit einen Artikel "Willkommen in der Diktatur" gelesen ( http://www.zeit.de/2007/41/Burma ), stammt schon vom 04.10.2007 mit dem Untertitel:" Nicht nur in Birma verachtet die Regierung die Menschenrechte. Warum reisen wir so gern in undemokratische Länder?". Und der hat mich wieder zur Frage gebracht: Soll man wirklich in solche Lände reisen?

Was meint Ihr dazu?

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2

12.05.2008, 12:02

Hallo Driver.

Du hast Recht mit der Militärregierung und Verletzung der Menschenrecht.
Ich fahre immer gerne nach Burma/Myanmar weil ich meine, so kann ich
den Leuten direkt vor Ort helfen, wenn keine Touristen kommen, ist die
Bevölkerung noch schlimmer dran

Liebe Grüße
Siggi
In der Fremde erfährt man mehr als zu Hause.
Aus Tansania

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3

12.05.2008, 12:12

Mißachtung von Demokratie

Hallo Driver!

Das, was sích derzeit in diesem Land abspielt, ist eine Farce schlechthin. Ich kenne Myanmar nur aus Medienberichten, Fotos und Reportagen. Ein menschenverachtendes, korruptes Regime, welches sich seit über 40 Jahren auf Kosten der Bevölkerung bereichert und seine Macht ausspielt, regiert ohne Kontrolle.

Eineinhalb Millionen Menschen einfach im Stich zu lassen und zu opfern, ist eine humanitäre Katastrophe und zeigt den wahren Charakter. Statt dort zu Urlauben, würde ich einen finanziellen Beiträg leisten, wenn sichergestellt wäre, dass dieser auch ankommt.

Hoffentlich kann die UNO und andere Hilfsorganisationen bald dieses Gesinde an der Macht überzeugen, daß raschest Hilfe angesagt ist und Zutritt in die Katastrophenregion gewährt wird.

LG hoelli

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4

12.05.2008, 13:53

Ich bin mir da nicht so sicher, dass es für die Bevölkerung eine Verbesserung bringt, wenn die Touristen kommen. Ich sage mir das auch immer, um mein Gewissen zu beruhigen - klappt aber nicht immer.

Schauen wir doch mal Burma an: jedes grosse Touristenhotel ist mit mindestens 51% in Besitz des Militärs (Ausnahme: das Hotel Savoy in Rangoon - ds muss aber auch Touristensteuern zahlen). Aus diesem Grund haben wir prinzipiell alle Hotels gemieden und haben in Guesthouses gewohnt. Aber: jedes Guesthouse muss Steuern an die Militärjunta abliefern. Viele Guesthäuser sind in Besitz von Militärs oder ehemaligen Militärs (z.B. Okinawa Guesthouse, Motherland Inn Guesthouse, beide in Rangon). Dann kommen die überteuerten Transportkosten und Eintrittspreise hinzu, die ebenfalls in die Taschen der Militärs fliessen. Eine Überquerung des Irrawaddy in Rangon kostet für Touristen 1 US $, das sind 50x so viel wie für die Einheimischen, Fahrten mit Zug oder Bus kosten ebenfalls ein Vielfaches für Touristen. Dazu kommen die Eintrittspreise, ebenfalls für Touristen wesentlich teurer als für Einheimische (falls die überhaupt Eintritt zahlen müssen). Der Eintritt in die Swedagon-Pagode hat 2007 5 US $ gekostet - nicht viel Geld für Touristen, aber viel für die Burmesen, deren durchschnittliches Monatseinkommen irgendwo zwischen 20 und 30 US $ liegen soll.

Ich habe in keiner Weise gesehen, dass dieses Geld dem Volk zugute kommt - man braucht sich nur anzuschauen, was momentan bei der Versorgung der Bevölkerung in den überfluteten Gebieten passiert: eine Familie - egal wie groß - bekommt vom MIlitär momentan angeblich 1 Tasse Reis täglich.

Es sieht mir wirklich nicht danach aus, dass der Tourismus den Wohlstand, die Sicherheit, die Gesundheit der Bevölkerung fördert, ich habe jedenfalls in den 20 Jahren, in denen ich das Land kenne für die Bevölkerung als Ganzes nicht viel Fortschritt gesehen - 50% des BSP wird für die Rüstung ausgegeben, für Schule 0,3% und die medizinische Versorgung weniger als 1%.

Dass die Bevölkerung selber nicht daran glaubt, dass der Touristmus hilft, zeigt mir folgendes Erlebnis: meine Frau und ich verbrachten 2007 einen ganzen Tag in der Swedagon Pagode, schauten herum un dunterhielten uns mit einigen Mönchen. Einem von ihnen zeigen wir unseren englischen Lonely Planet. Er begann zu lesen. Einige Minuten später kam ein Burmese in Zivil, sprach den Mönch ziemlich barsch an, der uns sofrt den Reiseführer zurückgab, aufstand und mit seinen Freunden ohne ein Wort an uns zu richten verschwand.

5

12.05.2008, 18:59

Reisen nach Burma

Hallo Driver,
sei froh, dass Du so oft und ausführlich in Burma warst.
Ich war zwar nur einmal da," natürlich" mit einer Reisegruppe.
Diese Eindrücke kann uns keiner mehr nehmen.
Das war in den frühen 90 zigern. Man hat schon gesehen, dass das Land sehr rückständig ist.
Allerdings waren vor dieser Militärdiktatur die Engländer die Besatzer und Ausbeuter.
Burma oder Birma ist ja m.E. die englische Bezeichnung dieses schönen Landes.
Myanmar ist der alte Name dieses an Bodenschätzen u. dergl. reichen Landes. (Internet)
Bei den Engländern ging's den Eingeborenen bestimmt auch nicht besser.
Tourismus ist die eine Seite, Politik die andere.
Es wird sich nie was ändern, auch wenn die Touristen ausbleiben, genauso wenig wie China seine Tibet-Politik ändern wird.
Wer hat sich hier bei uns früher , in den 50er und 60er Jahren schon für Tibet interessiert?
So traurig es klingen mag, die kleinen Leute sind immer die Verlierer.
Macht euch mal schlau, warum die Lebensmittelpreise überall so stark steigen.
Ich will das hier nicht zu sehr ausführen, aber Tatsache ist, dass Hunderttausende verhungern werden.
Das Schlimme daran ist, dass das geplant ist.
Wir können alle nur machtlos zuschauen, weil sich die Oberen einig sind und wir nicht!!!
Mehr will ich zu diesen Thema hier nicht weiter ausbreiten, wir sind doch ein Reise-Foto-Portal.
Es soll jeder selber entscheiden.
Wer da war, braucht kein schlechtes Gewissen haben!
Das ist alles aber nur meine Meinung,
kreuzigt mich nicht!

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13.05.2008, 18:52

Hallo Nasty

ganz stimmt das so nicht: Nach Abzug der Engländer war Burma eines der reichsten Länder in Südostasien - größter Reisexporteur, viele Bodenschätze usw.

Wobei es mir gar nicht nur um Burma geht - obwohl Burma sicherlich mein Lieblingsland ist und ich am liebsten jedes Jahr hinfahren würde. Es geht mir eigentlichnur darum, zu erfahren, wie andere Leute das handhaben mit dem Reisen in solche Länder (egal ob das nun Burma, China, Saudi Arabien, Iran oder sonst irgendein Land ist, dass die Menschenrechte mit Füssen tritt).

7

13.05.2008, 19:04

Reisen in "solche" Länder

Hallo Driver,
Das mag schon sein , dass das Land reich war, aber die Leute sicher nicht.
Es ging den Politikern doch noch nie um die einfachen Leute.
Die Militärs sind heute auch reich.
Alle Konflikte, die es z.Z. auf der Welt gibt, sind doch nichts anders als eine Folge der Kolonialisierung, egal von welcher Nation auch immer. Und die kath. Kirche hat da auch kräftig mitgemischt!
Meine Meinung , klar sollten wir in alle Länder fahren, wenn man es sich leisten kann.
Das Leben ist zu kurz, um zuhause zu bleiben.
LG.

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14.05.2008, 07:13

Interssantes Thema,

sehr guter Beitrag, driver.

Ich finde es grundsätzlich richtig, sich hier Gedanken zu machen, doch wo willst Du eine Grenze ziehen? Ist Ägpyten noch tolerabel, oder andere afrikanischen Länder. Kann man nach Kuba und Mittelamerika reisen, auch da sitzen Diktaturen, die ihrem Volk aus unserer Sicht Grundrechte vorenthalten.

Oder ganz extrem: Wie sieht es mit den USA aus - auch da werden im Prinzip die Persönlichkeitsrechte verletzt, wenn ich einreisen möchte, ... usw.

Ich weiss nicht, ob es den Menschen in diesen Ländern wirklich hilft, wenn man dort Urlaub mach, zumindest jedoch werden Arbeitsplätze geschaffen. Ich habe auch mal einen Reisesbericht über den Syrien gelesen - da kamen dann Aussagen wie: wir sind froh, Touristen zu sehen, das zeigt uns, dass uns die westliche Welt nicht völlig ignoriert und vergessen hat. Das gibt mir schon zu denken.

Was ich eigentlich ausdrücken möchte: jeder sollte das für sich selbst ganz bewusst entscheiden, ich halte nichts von dogmatischen Feststellung wie: dieses Land ist ok, jenes nicht.

Gruß Joachim
____________________________________________
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9

14.05.2008, 18:16

Hallo Joachim

ich will hier natürlich nicht irgendwie festlegen ob und in welches Land man reisen soll oder nicht. Es war hier nur einmal der Versuch, herauszubekommen, welche Erfahrungen die Leute hiermit haben. Ich traue den "offiziellen" Aussagen nicht, die immer erklären, Tourismus sei gut, da er irgendwann die Diktaturen auflöst - hat bei den olympischen Spielen 1936 in Deutschland nicht geklappt und wird auch bei den olympischen Spielen in Peking nicht klappen. All dieses Gerede über Kooperation, Tourismus, gute Kontakte usw. verdecken m. E. doch nur wirtschaftliche Interessen - bestes Beispiel ist für mich China.

Natürlich muss das jeder für sich entscheiden - für mich ist es klar, Länder wie Burma (wahrscheinlich mein Lieblingsland), China und und und, sehen mich in der nächsten Zeit wieder.

10

15.05.2008, 17:31

Reisen in "solche" Länder

Hallo Leute!

Schliesse mich da nasty und diver an.

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass jeder für sich frei entscheiden sollte, in welches Land er reisen möchte, unabhängig von der politischen und wirtschaftlichen Lage.
Ich persönlich verstehe von Politik gar nichts und möchte mich hier auf der Plattform auch nicht dazu äußern, was aber nicht heisst, dass ich mich nicht dafür interessiere.

Ich reise persönlich gerne, um andere Menschen, Kulturen und Landschaften kennenzulernen, unter dem Motto: "Reisen bildet!" Und da mache ich mir keine Gedanken (aber vielleicht ist das ein Fehler), wohin die Gelder, die ich als Tourist bringe, fliessen. Ich möchte mich auch nicht dafür schämen müssen, Südafrika, Gambia, Mozambique, Kuba, Tunesien, Ägypten, die USA und China bereist zu haben, weil in diesem Land ein Diktator oder eine Militärregierung vorherrscht. Menschenrechte werden allerdings nicht nur dort in schlimmster Weise mißachtet!!

Menschen in Drittländer sind immer arm und unterdrückt. Mir sind trotzdem immer freundliche, wenn auch arme Menschen begegnet und wenn ich jemanden treffe, der Hilfe benötigt, so gebe ich gerne. In meiner 30jährigen Reiseerfahrung hatte ich bis jetzt nur eine unfreundliche Begegnung gesehen aus dem Bus, an die ich mich mit Schaudern erinnere.

Was ich allerdings nicht ganz verstehe, ist, dass Menschen just in dem Moment, wo in einem Land Landsleute verschleppt werden, genau dorthin schon wieder die nächste Reise planen und dann auch durchführen.

Was mir an mir allerdings auffällt, ist, dass ich in den letzten Jahren (und auch mein Mann) vermehrt Nachbarländer bevorzuge und im eigenen Land urlaube und es auch spannend und wunderschön finde.

Reisen birgt immer gewisse Risiken und so reisen wir nach dem Motto:

Wenn du zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort bist, dann ist es ....Kismet!

Drum sag ich Euch:

"Die grösste Sehenswürdigkeit, die es gibt, ist die Welt - sieh sie dir an! Kurt Tucholsky


In diesem Sinne

tschüssi

hubsi 00000011

PS: Übrigens: Samstag geht's los! Rothenburg ob der Tauber - Hamburg - Helgoland - Lüneburger Heide - Berlin
Ich freu mich riesig!!!!
Ein Bild sagt mehr, als tausend Worte. :cursing: :thumbsup: :P

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11

15.05.2008, 18:29

Hallo Hubsi

ich muss Dir in den meisten Punkten zustimmen. Ich habe es für mich zumindest momentan auf den Nenner gebracht:
- in die übelsten Länder (Burma, China und einige andere) reise ich nicht, obwohl es bei einigen Ländern doch recht interessant wäre
- prinzipiell beim Reisen vermeide ich große Hotels und Hotelketten und übernachte/esse lieber an Orten, von denen man annehmen kann, dass sie Einheimischen gehören
- in Ländern, in denen Menschenrechte kein große Rolle spielen, versuche ich grosse Ausgaben, von denen ich weiss, sie fließen in Richtung Regierung, zu vermeiden (geht natürlich nicht immer, siehe Reise- oder Eintritttickets - ich reise halt dann 3ter Klasse)

Prinzipiell muss ich auch sagen, dass ich in den meisten Ländern fast ausschließlich freundliche Menschen kennengelernt habe - je ärmer sie sind und je weniger Touristen es gibt - desto freundlichere, hilfsbereitere und freigiebige Menschen, die mich manchmal mit ihrem noblen Verhalten beschämt haben - wenn ich mir da anschaue, wie wir hier manchmal mit Touristen oder Ausländern umgehen - na danke. Speziell Burma ist da so ein Beispiel - ich habe nirgends so freundliche Leute getroffen wie dort - ist auch der Grund, warum gerne reise und warum ich so gerne nach Burma reise.