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  • »driver« ist der Autor dieses Themas

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02.06.2008, 21:27

Sravanabelagola, Karnataka, Indien

Sravanabelagola ist ein kleiner Ort mit ca. 50000 Einwohnern in der Nähe von Mysore. Er ist mit Public Buses gut in 2 oder 3 Stunden von Mysore aus erreichbar. Es gibt zahlreiche Unterkünfte in Sravanabelagola, allerdings keine Luxushotels. Leute mit wenig Geld können in Pilgerherbergen übernachten.

In diesem Ort steht auf einem ca. 150 m hohen Hügel eines der ältesten und wichtigsten Heiligtümer der Jains: Die 17 m hohe, monolithische Statue des Bahubali. Bahubali war ein Sohn des Herrschers Vrishabhadeva, der sich nach dessen Tod erbitterte Kämpfe mit seinem Bruder Bharatha um die Nachfolge lieferte. Nachdem er ihn besiegt hatte, erkannte er jedoch die Sinnlosigkeit seines Tuns und zog sich in die Wälder zum Meditieren zurück. Er meditierte so lange und in so bewegungsloser Haltung, dass die Gebüsche und Bäume anseinem Körper hoch wuchsen. Nach seiner Erleuchtung erhielt er den Namen "Gomatheswara".

Die Statue wurde ca. 981 auf Geheiß von Chamunda Raya, einem Beamten am Hof der Gangas, aus dem Stein gehauen. Die Statue erreicht man über mehr als 500 Stufen. Wer keine Lust zum Hinausteigen hat - und alle reichen Inder haben keine Lust - lässt sich auf Tragsesseln nach oben tragen. Auf dem Weg passiert man verschiedene Tore, Schreine und Skulpturen, bis man schließlich in einen von hohen Mauern umgebenen Hof tritt, in dem die Ehrfurcht einflößende Statue steht. Sie ist nackt, was den endgültigen Verzicht auf alles Weltliche symbolisiert.

Die Statue wird insbesondere von den "Digambaras", den "Luftbekleideten", verehrt, einer Richtung innerhalb des Jainismus, die im Gegensatz zu den "Schwetambaras", den "Weißbekleideten", auf jegliche Bekleidung verzichten. Die Männer - Frauen sind nicht zugelassen - müssen jedoch laut indischem Gesetz seit einigen Jahren in der Öffentlichkeit einen Lendenschurz tragen - daher halten sie sich fast ausschließlich in ihren Tempeln auf. Auf meinen ersten Reisen in Indien habe ich noch viele von den Digambaras auf den Strassen gesehen. Gläubige Jainas erkennt man in der Regel an ihrem Mundschutz, den sie vor dem Mund haben, um keine Tiere einzuatmen. Jainas glauben an die Göttlichkeit jeden Wesens und sind daher strikte Vegetarier und lehnen jede Gewalt und jedes Töten ab. Es gibt daher auch keine Jainas, die als Bauern arbeiten, da sie mit ihrem Pflug Tiere töten würden. Viele von ihnen kehren sogar die Strasse vor ihren Füssen, damit sie mit ihrem Schritt kein Lebewesen töten. Da sie nicht in der Landwirtschaft arbeiten konnten, haben sie sich schon sehr früh kaufmännischen Berufen zugewandt und gehören heute zu den reicheren Schichten Indiens.

Alle zwölf Jahre findet dort im Februar ein Fest (Maha-mastak-abhisheka) zu seinen Ehren statt (das nächste Fest wird 2018 stattfinden). Die Statue wird dabei mit Milch, gefärbtem und parfümierten Wasser, Zuckerrohrsaft, Safranflüssigkeit, Sandelholz- und Kurkuma-Puder, Gold- und Silvermünzen überschüttet. Bei der 2500-Jahre-Feier des Jainismus sollen dort mehr als 12 Millionen Pilger vor Ort gewesen sein. Habe ich leider nie erlebt.

Eine gute Beschreibung zu Sravanabelagola
http://www.mandalinas-reisen.de/indien/sravanabelagola.php4

Bilder zu Sravanabelagola
http://www.mandalinas-reisen.de/indien/f…rie-indien.php4
http://yogachola.de/yoga-foto-kunst/srav…gola/index.html

Zum Jainismus
http://de.wikipedia.org/wiki/Jainismus
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03.06.2008, 05:12

Sravanabelagola

Hallo Driver,

wieder eine vortreffliche Vorstellung eines Ortes, der nicht nur wegen seines Namens bei den meisten gänzlich unbekannt ist.

In gewohnt verständlicher Form stellst Du Regionen samt geschichtlichem und religiösem Hintergrund vor. Zusammen mit den Aufnahmen und den weiterführenden Links wird man bestens mit Informationen ausgestattet und erhält ein gutes Bild und einen Einblick von Land und Leuten.

LG hoelli / Gottfried

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03.06.2008, 14:32

Wieder sehr ausführlich in jeglicher Hinsicht - da kann man sein Allgemeinwissen wieder weiter auf Vordermann bringen. Sehr schöne Vorstellung!

LG 97erspeedy

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03.06.2008, 14:43

Wieder ein, schon gewohnt, packender Reisebericht.
LG.
Werner

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24.11.2008, 19:52

Jainismus

So, hier noch ein kurzer Anhang zum Jainismus, den wahrscheinlich nicht viele Leute kennen:

Der Jainismus ist eine in Indien beheimatete Religion, die etwa im 6./ 5. Jahrhundert v. Chr. (etwa zur gleichen Zeit wied er Buddhismus) entstanden ist. Dem Jainismus gehörten 2001/02 etwa 4,4 Millionen Gläubige an.

Die geistigen Führer des Jainismus werden als Tirthankara (Furtbereiter) bezeichnet, um ihre Funktion als Mittler zwischen der materiellen und der geistigen Welt zu verdeutlichen. Das Kalpa-Sutra, eine heilige Schrift der Jainas, verzeichnet 24 Tirthankara. Nur die letzten beiden können als historische Persönlichkeiten gelten - der letzte, Mahavira, begründete den Jainismus.

Der Jainismus geht davon aus, dass alles Stoffliche beseelt ist, nicht nur Menschen und Tiere, sondern auch Pflanzen oder Wasser. Die Seele ist ursprünglich rein und allwissend, wird aber durch das Karma (die guten oder schlechten Handlungen der Menschen) getrübt und dadurch zur ewigen Wiedergeburt (Samsara) gezwungen. Erst wenn sich eine Seele von allen Verunreinigungen befreit hat, erreicht sie das Nirwana und dadurch den Austritt aus dem ewigen Kreislauf der Wiedergeburten. Eine solche Reinigung der Seele wird im Jainismus durch sittliche Lebensweise und strenge Askese erreicht: die drei Grundprinzipien dazu sind Ahimsa (absolute Gewaltlosigkeit gegenüber allen Lebewesen), Aparigraha (Unabhängigkeit von Besitz) und Satya (Wahrhaftigkeit). Wegen des Ideals der Nichtverletzung von Lebewesen ernähren sich Jainas ausschließlich so, dass weder Tier noch Pflanze dafür sterben müssen. Bedingt durch diese Prinzipien, üben Anhänger des Jainismus nicht jeden Beruf aus, weshalb sie beispielsweise oft im Handel und im Bankgewerbe arbeiten - sie können z.B. nicht Landwirte werden, da sie beim Pflügen Lebewesen töten würden. Wegen der Strenge der Lebensführung war die Gemeinde nie sehr groß.



werner510

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24.11.2008, 21:34

Hallo Dieter
wieder einer Deiner faszinierenden Reiseberichte.
Du bist echt viel rum gekommen und weißt über alles Bescheid.
Danke für Deinen Beitrag.
Heute nachmittag habe ich einen Reisebericht über Kalkutta und Varanashi gesehen, das kann ein normaler Europäer nicht nachvollziehen.
Im touristischen Dreieck Dehli, Jaipur, Agra, wo ich war, ist die Armut nicht ganz so sichtbar.
LG.
Werner

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24.11.2008, 21:45

Kalkutta und Varanasi

Hallo Werner

den Bericht hät ich auch gern gesehen, aber ich habe den Fernseher schon seit 3 Jahren abgeschafft - zu viel Müll. Im Vergleich zu Rajasthan ist die Armut in Varanasi oder Kalkutta wesentlich deutlicher sichtbar, obwohl es auch in Rajasthan erbärmlich arme Leute gibt, allerdings eher auf dem Land und da sieht man sie als Tourist nicht so sehr. Ich ahbe auch die Erahrung gemacht, dass auf dem Land Armut nicht so "arm" ausschaut und wesentlich "malerischer" ist als in den Städten.

Trotzdem ist aber gerade Varanasi für mich eine der interessantesten indischen Städte - für mich die "indischte". Kalkutta selbst hat mehrere Seiten - auf der einen die Armut, der Schmutz, der Dreck, die vielen Leute, auf der anderen eine unglaubliche Lebensfreude und vor allem Kultur (man braucht nur anschauen, was es in Kalkutta an Literatur, Theater, Musik und Film gbit - das ist umwerfend).

YaWo

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25.11.2008, 07:41

Sravanabelagola

Hallo YaWo,

in bekannt anschaulicher Form, erzählst Du uns von fremden

Kulturen und Weltanschauungen. Vielen Dank dafür. A)d

LG Monika 00000011
Die Natur ist das einzige Buch, das auf allen Blättern großen Inhalt bietet.

J.W.Goethe

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04.01.2009, 15:47

Sravanabelagola

Hallo Dieter

Manchmal lohnt es sich im Forum zu stöbern um

so informative Berichte zu finden.

Wie immer sehr gut geschrieben.

Liebe Grüße
Siggi
In der Fremde erfährt man mehr als zu Hause.
Aus Tansania