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Säntis

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09.12.2013, 17:45

Dach der Welt- Mit Eseln über den Gletscher- Teil 3

Mit Eseln über den Gletscher

Am Ende des Yashilkul verabschieden wir uns von unserem Fahrer Katch. Er spricht kein Wort Englisch, hat eine Schwäche für Vodka, tadschikische Volksmusik und die Scorpions auf Russisch. Wir verstehen uns also auch ohne Worte prächtig. Neu im Team sind dafür zwei ausdauernde Esel, Odinas Bruder Iva und Ahmed. Gemeinsam mit ihnen wollen wir vom See Yashikul quer durch die Rushanberge nach Bardara trekken.

Die ersten vier Tag sind für Berg erprobe Schweizer nicht besonders anstrengend. Am Abend nach Sonnenuntergang sinken die Temperaturen aber rapide. Irgendwann wärmt das Dungfeuer am zweiten Abend nicht mehr genug und ich verkrieche mich in meinen Schlafsack. Als ich am nächsten Morgen sehe, dass der Bach mit einer Eisschicht überzogen ist, weiss ich, wie kalt die letzte Nacht wirklich war.

Highlight des Treks sind der See Chapdar und der Kontakt mit den Schäferfamilien am Uchkul. Die Bergbauern führen über den ganzen Sommer ein karges Leben und hausen in einfachsten Steinhütten. Jeden Abend treiben sie ihre Ziegen und Schafe in ein Gatter, um sie über Nacht vor Raubtieren wie Wölfen oder Schneeleoparden zu schützen. Obwohl sie fast nichts besitzen, wird das Wenige mit Gästen geteilt. Das schmackhafte Schafjogurt werde ich nicht so schnell vergessen.
Den Tagebucheintrag am fünften Trekkingtag lasse ich sausen, so platt bin ich. Das eigentliche Tagesziel am Fusse des Shtik Lazar Pass (4840m) haben wir schon um 11 Uhr erreicht. So haben wir gemeinsam beschlossen, die nächste Etappe anzuhängen. Odina will nach Monaten Trennung von seiner Familie zu seiner Frau und auch wir freuen uns über einen zusätzlichen Ruhetag. Normalerweise wird die Etappe über den Pass um 5 Uhr morgens gestartet. Da an diesem Tag der Himmel aber bewölkt ist, hofft Odina, dass der Schnee auch zur Mittagszeit für die Esel genügend hart sei. Weit gefehlt, die Esel sinken im weichen Schnee immer wieder bis zum Bauch ein. Uns bleibt nichts anderes übrig, als das Gepäck selber zu tragen. In flacheren Passagen können wir unsere Taschen immerhin hinter uns her ziehen. Die kurzen Aufstiege neben den Gletscherspalten finde ich aber unglaublich anstrengend, weil ich zum ersten Mal auch die Höhe merke. Nach stundenlanger Plackerei sind endlich alle heil auf dem Pass. Für eine Pause bleibt aber keine Zeit. Wir müssen vor dem Eindunkeln vom Gletscher, damit die Esel über Nacht wenigstens ein bisschen Nahrung bekommen. Zum Glück finden wir einen passenden Platz, jedoch weit entfernt vom Tagesziel, das wir am späten Vormittag vereinbart haben.

Der letzte Tag des Trekkings wird somit ebenfalls sehr fordernd. Die Gebirgswelt ist auch an diesem Tag sehr beindruckend und ich freue mich, nach über einer Woche wieder einen Baum zu sehen. Nach neun Stunden Gehen habe ich aber genug. Hinter mir höre ich Martina fluchen, dass es langsam reiche. Nach jeder Flussbiegung wünsche ich mir, die Häuser von Bardara zu sehen. Ich muss mich aber nochmal zwei Stunden gedulden, bis ich endlich am Ziel bin. Das wilde Flusstal und die farbenfrohen Kleider der Frauen lenken mich auf den letzten, harten Meter ab. Das Glück könnte nicht grösser sein, als wir Odinas Haus erreichen. Odinas Frau hat ihm in seiner Abwesenheit einen Sohn geboren. Er wusste von nichts, da er wochenlang mit Kunden unterwegs war und es in Odinas Dorf keinen Handyempfang gibt. Zusammen mit Katch feiern wir bis spät in die Nacht. Das heisst bis 23 Uhr, da fallen wir todmüde ins Bett. Das Ende des Trekkings war sehr anstrengend.